Kuba: Maria im Schönheitssalon

Maria im Schönheitssalon 2Der Besuch im “Schönheitssalon” war schon seit Jahren überfällig. Der Marienfigur in der Kathedrale von Havanna fehlten drei Finger. Das zarte Rosa war von den Wangen abgeblättert und ihr Mantel schon lange nicht mehr strahlend blau mit silbernen Sternen. Im Laufe der Jahrhunderte hatte man die Statue immer wieder mit Öl eingerieben, um sie zu pflegen. Dabei wurde leider nicht bemerkt, dass die Farbe des Umhangs öllöslich ist. Das Gewand der Jungfrau sah verschmiert und unsauber aus.

Jetzt sorgen Yamila Rodríguez Roben und Inelís Abad Carrillo dafür, dass “Maria Immáculate Conception” wieder in den Zustand kommt, wie der Schnitzer sie im 17-Jahrhundert erschaffen hat. Wir treffen die beiden Restauratoren zufällig bei einem Rundgang durch das neue Kulturzentrum Félix Varela in der Altstadt, gegenüber der Festung. Und sind fasziniert. Was für eine aufwändige Arbeit! Seit sieben Monaten feilen, schleifen und malen die beiden Fachleute an der Figur.

Maria im SchönheitssalonZunächst wurden Teile der alten Farbe entfernt und analysiert, dann fehlende Stücke der Statue rekonstruiert: Ein neuer Pfeil für das pausbäckige Engelchen, eine rechte Pfote für den grünen Drachen, der unter dem Mantel der Jungfrau hervor lugt – drei zarte Finger für Maria. “In diesem Zustand, wie ihr sie jetzt gerade seht, so muss die Jungfrau einmal ausgesehen haben”, erklärt Yamila, während sie mit einem haarfeinen Pinsel den Apfel, der im Mund des kleinen Ungeheuers steckt, bemalt.

Tatsächlich – die Jungfrau sieht aus wie neu. Eine frische strahlende Beauty. “Aber das darf sie nicht sein“, erklärt Yamila. “Sie kommt ja schließlich aus dem 17. Jahrhundert und nicht aus 2012.” In einem letzten Arbeitsschritt werden die beiden Restauratoren die Maria deswegen wieder altern lassen und übermalen die frische leuchtende Farbe mit einem matten Lack. Irgendwie schade…