Kuba: Unser Besuch im Himmel

“Und jetzt zeige ich euch den Himmel!” ruft Pater Manuel Unia Fernandez und klettert die braun geflieste Treppe hinunter in den Keller.

Wir besuchen heute den Dominikanerkonvent im Herzen Havannas. Die Bibliothek, in der einige fleißige Studenten sitzen und lesen, haben wir schon gesehen, auch zwei Klassenzimmer, in denen die Schüler englisch pauken, den schönen Garten mit den Palmen und Orchideen, die Aula, das Kino. Mit großer Energie und viel Humor erzählt uns der Pater von der Arbeit seines Ordens und dass Dominikaner 1728 die Universität von Havanna gegründet haben.

Obwohl das Bildungssystem, genau wie das Gesundheitswesen, die beiden Steckenpferde der sozialistischen Regierung sind und der Staat hierbei keinerlei Einmischung duldet, haben die Dominikaner ihre Arbeit auf der Insel auch nach der Revolution nie eingestellt. Zwar verbietet es der kubanische Staat, katholisch geführte Schulen und Universitäten einzurichten, aber Weiterbildungskurse in Englisch, Grafikdesign, Informatik oder “Social Development” zu geben, ist erlaubt. Damit die Studierenden diese Kurse sogar mit einem offiziellen Diplom abschließen können, dafür haben die Dominikaner auf ihre Art gesorgt: “Wir haben Partner-Universitäten in Cambridge, Mexiko oder Chile, die unseren Studenten ersatzweise die Zeugnisse ausstellen”, erklärt Pater Manuel und lacht.

Dann stößt er die Tür zum Himmel auf.

Das Licht von den Leuchtstoffröhren ist grell und weiß, ansonsten ist der Raum nüchtern. Zehn Stuhlreihen sind vor einer Tafel aufgebaut, das war’s. Martin, steckt die Kamera wieder in die Tasche. “Nach dem zweiten Vatikanum haben wir einige Heiligenfiguren aus der Kirche genommen und hier unten gelagert“, erklärt der 77-Jährige Dominikaner-Padre. “In den Jahren danach kamen immer mehr alte oder kaputte Figuren dazu. Irgendwann war es hier unten richtig voll und wir haben den Raum “Himmel“ getauft”. Doch die Kirche in Kuba muss mit wenig Platz auskommen, der Bau neuer Gemeindehäuser und Kirchen wurde nach der Revolution nicht gestattet. Gleichzeitig wächst die Nachfrage nach den renommierten Kursen der Dominikaner ständig.

“Und weil wir die Menschen bilden und nicht alte Gipsfiguren entstauben wollen, haben wir uns entschlossen, die Heiligenfiguren auszuquartieren. Der Name “Himmel” ist geblieben und den Studenten gefällt’s“, sagt der Pater Manuel. Uns auch. So was nennt man doch: Ein positives Lernumfeld schaffen…?