Lebensrettende Maßnahme: Das Übersetzen

Internationaler Tag des Übersetzens

Der größte Teil der Bevölkerung Paraguays spricht Spanisch und Guarani. Foto: Identidade Diversidade, CC BY-NC 2.0

Der größte Teil der Bevölkerung Paraguays spricht Spanisch und Guarani. Foto: Identidade Diversidade, CC BY-NC 2.0

Von Shakespeare bis zum Text auf dem Joghurtbecher – nie zuvor wurde so viel übersetzt wie heute. Dass die Welt zu einem Dorf wurde, haben wir nicht zuletzt den talentierten Wortjongleuren zu verdanken: Übersetzerinnen und Übersetzer machen uns den Sprachsalat in unsren Köpfen schmackhaft und vermitteln zwischen den verschiedenen Sprachen und Kulturen. Übersetzen, das ist nicht nur die Kunst, die richtigen Worte zu finden – Übersetzer reißen die Mauern der Sprachbarrieren ab und erbauen Heimat.

Am 30. September wird an die Bedeutung der Sprache und die Arbeit der Übersetzerinnen und Übersetzer erinnert. Der Internationale Tag des Übersetzens wurde vor 60 Jahren von der Internationalen Federation of Translators (FIT) ins Leben gerufen. Sie wollte damit das Bewusstsein für den Übersetzerberuf stärken, der gerade in unserer globalisierten Welt nicht wegzudenken ist. Als Datum wählte man den Todestag des heiligen Hieronymus, einer der begabtesten Sprachgelehrten der Ur-Kirche. Er übersetzte beispielsweise das Alte Testament aus dem Hebräischen ins gesprochene Latein. Nun ist er der Schutzpatron der Übersetzer.

Zum Schutz der Sprachen

Heute werden weltweit rund 6.000 Sprachen gesprochen – davon sind nach Einschätzung der United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization (UNESCO) 2.500 vom Verschwinden bedroht. Mit ihnen sterben ganze Kulturen und Völker aus. Einige Regierungen in Lateinamerika haben frühzeitig eingegriffen, um das Schlimmste zu verhindern. So zum Beispiel die Regierung in Paraguay. Sie hat 2013 ein Gesetz verabschiedet, mit dem die Kenntnis und die Verbreitung der Sprache der Ureinwohner gesichert werden soll. Der größte Teil der Bevölkerung Paraguays ist zweisprachig. Spanisch und Guaraní (die Sprache der Ureinwohner) sind offizielle Landessprachen in Paraguay.

Bibelübersetzungen in indigene Sprachen

Die katholische Kirche in Paraguay hat seit der Zeit der „Conquista“, also der Kolonialisierung, immer wieder alles daran gesetzt, dass das Evangelium in der Muttersprache der Einwohner verkündet werden kann. Jeder solle die Möglichkeit haben, die Bibel in seiner eigenen Sprache zu lesen und vor allem zu verstehen.

Adveniat unterstützt die Kirche in ihrem Vorhaben, indem sie ein Projekt zur Übersetzung der Liturgie fördert. Die Übersetzung der Liturgie in die Sprache Guaraní ermöglicht es den Ureinwohnern, den Gottesdienst in ihrer Muttersprache zu feiern.

Text: Stefanie Bross, Praktikantin bei Adveniat
Foto: Identidade Diversidade, CC BY-NC 2.0