Machos als Entwicklungshindernis

Eine typische Szene, die sich da vor einem Haus in San Pedro Sula abspielt: eine junge Frau fegt hingebungsvoll den Vorplatz, drumherum sitzen drei junge Männer und sehen zu. Auch auf dem Lande sieht man oft, wie die Männer sich mit einem Bier in der Kneipe beim Billardspielen vergnügen, während die Frauen zuhause kochen, am Fluss die Wäsche waschen und sich um die Kinder kümmern. Arbeiten ist ebenso natürliche Frauensache wie das Kinderkriegen, so scheint es. Vier, fünf, sechs Kinder von unterschiedlichen Männern, von denen keiner dauerhaft bei der Familie bleibt, ist eher die Norm als die Ausnahme. Über ein Drittel der Frauen sind alleinerziehend und müssen schauen, wie sie ihre Kinder ernähren.

Im Norden von Honduras arbeiten viele von ihnen in den Maquilas, den Fertigungswerkstätten, in denen T-Shirts genäht und Elektronikartikel zusammengestöpselt werden. Zwei Drittel der Beschäftigten dort sind Frauen. Sie sind geschickter, willfähriger, billiger. Nur wenn freitags Zahltag ist, tauchen ein paar Männer vor den Fabriktoren auf – um ihren Frauen den Lohn gleich wieder abzuknöpfen.

Den Machismo als “kulturelle Eigenheit” zu belächeln, würde zu kurz greifen, so Yadira Minero vom Zentrum für Frauenrechte in San Pedro Sula. Für sie ist er ein wahres Entwicklungshindernis. “Mädchen werden von klein auf diskriminiert. Sie müssen auf die Geschwister aufpassen und die Hausarbeit erledigen, während ihre Brüder zur Schule gehen. Sie sind deshalb weniger gebildet, und legen auch bei ihren eigenen Kindern darauf keinen Wert.“ So setzt sich die Spirale aus Ignoranz und Armut von Generation zu Generation fort.

Autorin: Sandra Weiss

Fotos: Achim Pohl