„Madame Eva“ und Haitis Kinder

Eva Habermann mit Kindern im Projekt "Foyer de l'Espérance" in Carrefour während ihres Besuches in Adveniat-Projekten im Frühjahr 2014 in Haiti.   Foto: Martin Steffen

Eva Habermann mit Kindern im Projekt „Foyer de l’Espérance“ in Carrefour während ihres Besuches in Adveniat-Projekten im Frühjahr 2014 in Haiti. Foto: Martin Steffen

Die Idylle hier im Schwesternhaus in Léogâne wird nur gestört durch einen kleinen strubbeligen Hund, der mich jedes Mal, wenn er mich sieht, bedrohlich anknurrt, obwohl er sich größentechnisch auch für meine Handtasche als Aufpasshund eignen würde. Ob ihm das bewusst ist?

Ich erhole mich gerade von einem „intensiven“ Vormittag in der Schule „École Nôtre Dame des Anges“. Die Schwestern hatten mich den Kindern als „Madame Eva“ angekündigt, die eine „Fremde“ sei, aber dennoch eine „Freundin“. „Fremde“ (oder auch: Ausländerin) bezieht sich darauf, dass ich elf Flugstunden unterwegs war um hierherzukommen und darauf, dass es „Weiße“ hier schlichtweg nicht gibt. Weder zum Reden noch zum Anfassen.

Ok, das mit dem Reden üben wir noch ein bisschen. Die meisten Kinder reagieren, wenn ich sie anspreche, damit, dass sie mich etwas entgeistert anstarren. Als ob sich über ihrem Kopf eine Denkblase formt, in der steht: „Es kann sprechen??? Es spricht nicht kreolisch – soll wohl französisch sein? Aber anfassen geht ja.“ Schwupp, habe ich wieder eine Kinderhand am Arm oder am Bein. Nach und nach werden sie mutiger. Aber dass ich „geschafft“ habe, das Eis zu brechen, merke ich, als sie anfangen, mir ihren Bauchnabel zu zeigen und höchst zufrieden sind, dass ich auch einen solchen besitze und nicht vom Mars komme.

Ein bisschen wie auf dem Mars

Ein bisschen wie auf dem Mars fühlte ich mich allerdings heute morgen um 5 Uhr, als ich die Schwestern zum Morgengebet in der Kapelle traf (sie beten dort gemeinsam dreimal am Tag) und rezitieren in Melodieform Psalmen aus der Bibel. Weil sie nicht immer ein Buch zur Hand nehmen, bin ich mir nicht sicher, ob es alles feststehende Gesänge sind, oder ob einige Passagen frei gesungen werden, sozusagen aus dem Herzen heraus? Auf jeden Fall ist für mich 5 Uhr morgens sehr früh, um in extrem hoher Tonlage Psalmen zu singen. Vielleicht ist es auch einfach nur (noch) ungewohnt.

Nachdem ich den heutigen Vormittag in der Schule unter anderem damit zugebracht habe, für die Kiddies Loombänder zu knüpfen, werde ich morgen zur Abwechslung meine Gitarre mitbringen und mit Ihnen (deutsche) Kinderlieder singen. Die Loombänder kamen auf jeden Fall großartig an. Leider hatten einige Kiddies sie in ihrer Begeisterung gleich wieder kaputtgemacht, was zur Folge hatte, dass alle Klassenkameraden mit dem Finger auf den Tollpatsch zeigten und „Madame Eva“ riefen und ich mich daran machte, das Loomband wieder zu reparieren.

Ich war heute aber auch bei den jüngsten, den Vierjährigen. Fotos konnte ich heute noch keine machen, weil ich einfach so viel um die Ohren hatte. Das werde ich morgen gerne nachholen. Bis dann!

Eva Habermann