Maria am Steuer

Christls Auto, in Deutschland würde man dazu Schrotthaufen sagen, hat mal wieder den Geist aufgegeben. Der Geist uns hingegen nicht: Als wir in das Remis (Taxi) steigen, um noch einigermaßen pünktlich zum Interview mit Padre Pepe zu kommen, ahnen wir nicht, dass diese Fahrt für den Remisero kein Zufall ist.

Christl brieft mich im Taxi über den 80-jährigen Padre, der allein durch eine glückliche Fügung – und die Unterstützung von Adveniat – die Militärdiktatur überlebte (eine andere Geschichte, die es lohnt, morgen zu erzählen). Aus dem Augenwinkel beobachte ich den verstohlenen Blick des Taxifahrers im Rückspiegel. Immer wieder fasst er sich auf die Brust. Bei Pepe angekommen, bitten wir ihn, uns in einer Stunde wieder abzuholen. Verlegen fragt er, ob der Padre dann eventuell seine Medalla Maligrosa, ein kleines Medaillon mit dem Konterfei der Jungfrau Maria, segnen könne …

Padre Pepe (rechts) weiht die Madalla Milagrosa von Remisero Juan Carlos

Eine knappe halbe Stunde später steht der Remisero wieder vorm Haus und wartet, und wartet, und wartet. Wir sagen nach der angekündigten Stunde Bescheid, dass es noch länger dauert, dass er später wiederkommen möge. Der Motor bleibt still. Als Padre Pepe die Medalla Maligrosa kurz vor Einbruch der Dunkelheit segnet, weint der Taxifahrer.

Auf dem Rückweg erzählt uns der grauhaarige Mann, dass er aufgrund einer Augenkrankheit nachts nicht mehr  fahren kann. Er habe gebetet, dass sein Chef ihm die Versetzung in die beliebte Tagschicht ermöglicht. Und es hat wider Erwarten geklappt. Wir sind seine ersten Kunden und der Weg führt den tief Gläubigen ausgerechnet zu Padre Pepe. „Heute ist wirklich ein ganz besonderer Tag“, sagt der Remisero. „Wie heißt Du?“, fragt Christl. „Juan Carlos“, antwortet er und legt die Hand auf die Brust – unter dem Hemd der Anhänger mit der Jungfrau Maria.

„Ich bin sicher, dass das Auto morgen wieder anspringt“, sagt Christl beim Blick auf den Schrotthaufen. Ich ehrlich gesagt nicht …

Carolin Kronenburg