Mexico – lindo y cruel

Nach drei Tagen Mexiko weiß ich wieder, dieses Land ist wunderbar und grausam zugleich: Wunderbar, weil der freundliche Herr an der Rezeption im Hotel Palace mich nach drei Jahren Abwesenheit trotzdem erkennt, herzlich begrüßt und meinen neuen Harrschnitt „muy elegante“ findet! Grausam, weil er traurig kommentiert, dass der internationale Tourismus wegen der Horrormeldungen zur Gewalt in Mexiko wegbleibt – seit dem Regierungsantritt von Felipe Calderon 2006 gibt es 40.000 Tote im Kampf Regierung gegen Drogenmafia zu beklagen.

Mexiko-Stadt, erstickender Moloch mit schweflig-gelber Luft, morgens schon scheint die Sonne deutlich gedämpft durch den Smog und ich freue mich, mit Elke Rischmüller und Pater Gabriel Beltran ins zwei Autostunden entfernte Tlaxcala fahren zu können. Elke Rischmüller, im früheren Leben Ingenieurin in Berlin und seit acht Jahren als Therapeutin und Ausbildern für Fußreflexzonenmassage (FRZ) in Mexiko lebend, hat mich zu einem Einführungskurs für diese Methode zur Erkennung und Heilung von Krankheiten ins Bistum Tula eingeladen. Ich freue mich auf das Wiedersehen, denn Adveniat hat den Aufbau des kleinen Gesundheitszentrums bei dem Heiligtum der Muttergottes von Ocotlan in Tlaxcala begleitet.

An der Quelle des Heiligtums der Muttergottes, wo viele Menschen das gesunde Quellwasser in Wasserflaschen zapfen, verbringe ich einen halben Tag mit drei Frauen, die den dreistufigen Kurs zur FRZ-Massage mitgemacht haben und nun selbst therapeutisch im Familien- und Bekanntenkreis tätig sind. Das schöne an der Methode: sie ist kostengünstig, effektiv und hat den ganzen Menschen mit seiner spirituellen und körperlichen Dimension „im Griff“.

Die drei Frauen sind völlig unterschiedlich: Erika, 30 Jahre, ist Zugehfrau, kommt aus einfachen Verhältnissen und möchte mit der FRZ-Massage den armen Menschen in ihrem Viertel helfen, die in der Regel keine Krankenversicherung haben und sich keinen Arztbesuch leisten können. Irene, Mitte 50, ist Katechetin, in der Gefängnisseelsorge aktiv und hat schon eine kleine Praxis in einem Raum ihrer Heimatpfarrei eingerichtet. Sie betreut insbesondere Ordensleute. Auch der Bischof war schon zur Therapie bei ihr. Beeindruckend ist ihr starker Glaube und ihre Bereitschaft, Menschen zu helfen. Irma, Ehefrau eines Arztes aus der Oberschicht in Talxcala, hat über ihre Zugehfrau Erika und über eine intensive Gebetspraxis zur Massage gefunden und ihren anfangs kritischen Mann von der Methode überzeugen können.

Mittlerweile unterrichtet das Team von Elke Rischmüller und Pater Gabriel, der für den spirituellen Teil der Methode zuständig ist, bei Kolping-Gruppen in Tuxtla Gutierrez und bei indigenen Gruppen in entlegenen Dörfern von Tula. Es spricht sich herum, dass Hände heilend wirken können!

Der Tag endet wunderbar für mich und versöhnt mich mit dem „Mexico lindo y cruel“ – es gibt köstlichen Tequila und eine klein Mariachi-Band spielt privat für uns auf! Mexico lindo y querido …!

Stefanie Hoppe
Referentin für Bildung und Pastoral bei Adveniat

Kommentar zu “Mexico – lindo y cruel

  • 30. Oktober 2012 at 08:50
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    Guten Tag, ich habe mehrere Berichte über das Gesundheitsprojekt in den auch Frau Rischmüller arbeitet gelesen. Ich bin seit 17 Jahre Heilpraktikerin,vom früheren Beruf Agraringenieurin (International) , spanischsprachig,war schon des öfteren in Mexiko. Ich hätte Interesse das Gesundheitsprojektes kennenzulernen , im Rahmen von Mithilfe , Praktikum oder Ähnlichem. Könnten Sie meine Anfrage an Frau Rischmüller weiterleiten, da ich keine Mailanschrift habe? Vielen Dank für Ihre Bemühungen und schöne Grüsse aus Bamberg, Manuela Wolf

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