Mexiko: Bienvenidos a Valle de Chalco

Rohbau der Pfarrkirche

Rohbau der Pfarrkirche

Am Freitag ist unsere Frauentruppe, Sabrina, Elena, Nathalie, Mirjam und Frau Könemann, nach einem kurzen Zwischenstopp in Neza weiter in die Gemeinde Valle de Chalco gereist. Ein sehr herzlicher Empfang der Gemeinde stimmte uns positiv auf das neue kulturelle Erlebnis. Schon am Anfang kamen auf beiden Seiten Fragen auf, durch die wir erahnen konnten, wie viel wir kulturell voneinander lernen könnten. Unsere Gastmutter Elsa empfing uns mit den Worten: „Ich verstehe kein Deutsch, aber ich verstehe die Deutschen“ – die Familie hat schon viele deutsche Freiwillige aufgenommen, weswegen sie Kommunikationsschwierigkeiten gelassen gegenüber steht. Es ist allerdings ihre typisch mexikanische Offenheit und Herzlichkeit, mit der sie uns am meisten für ihre Kultur begeistert.

Unser erster ganzer Tag hier startete schon faszinierend – mit einem Gang durch die Straßen und Gassen von Valle de Chalco, das schon sehr anders aussieht, als wir es aus Deutschland und auch aus anderen Teilen des Landes gewöhnt waren. Die Gebäude sind sehr einfach gehalten, die allermeisten sind grau und unverputzt, auch die Straßen nicht geteert. Wir fallen auf, wenn wir durch die Stadt laufen – an verschiedensten Stellen wurden Fotos und Videos von uns gemacht. Auffällig für uns waren unter anderem die vielen Hunde, die in den Straßen frei herumlaufen – es ist nicht unüblich, dass eine Familie bis zu vier Hunde hat, sagte Katharina, die in Valle de Chalco ein Jahr als Freiwillige mitarbeitet. Unsere Gastfamilie hat nur zwei Hunde, von denen einer – Sultan – uns den Vormittag über (wie alle Hunde unangeleint, bis in eine Kapelle hinein) begleitet hat.

Katechese in Verbindung mit sozialer Realität

Pfarrkirche ohne Dach

Pfarrkirche ohne Dach

In der Pfarrkirche, deren Dach bisher noch provisorisch aus einer Zirkuszeltplane besteht, konnten wir einen kurzen Einblick in die Kinderkatechese bekommen. Ca. 200 Kinder bombardierten uns mit Fragen zu deutschem Geld, Namen und Zahlen, aber auch der wirtschaftlichen Situation und der ökologischen Einstellung in unserem Land. Auch kulturell haben wir uns ausgetauscht: Unserem Gesang von „Er hält die ganze Welt in seiner Hand“ antworteten die Kinder mit einem mexikanischen Lied über die Unendlichkeit der Liebe Gottes. Anschließend präsentierten uns die Katechetinnen ihr Konzept, in dem sie religiöse Themen mit der sozialen Realität (Kinderrechte, Stellung der Frau, nachhaltiges Wirtschaften…) zu verbinden versuchen.

Auch durften wir ein Einblick in eine der vielen Basisgemeinden bekommen. Ihre Mitglieder trafen sich, um sich über ihren Glauben auszutauschen und Wortgottesdienst zu halten. Padre Abel, ein Priester der Diözese, nimmt ab und zu an diesen Treffen teil, um die Gemeinde zu unterstützen. So war er auch bei unserem Besuch anwesend und sprach mit ihnen über die Marienfrömmigkeit.

Die Gastfreundschaft überwältigte uns einmal mehr

Anschließend nahm uns der Padre mit zu einer mexikanischen Fiesta. Eine befreundete Familie richtete für ihren Sohn eine Feier zum 18. Geburtstag aus. Es wurde ausgelassen gefeiert, getanzt und getrunken. Besonders beeindruckt haben uns dabei die bonbonfarbenen Kleider der Tänzerinnen. Auch wir durften das Tanzbein schwingen und bekamen eine kurze Einführung in die Salsaschritte.

Der Sonntag startete mit einem Besuch bei einem geistig und körperlich Behinderten, dem zwei Laien aus der Gemeinde die Krankenkommunion brachten. Wir durften sie dabei begleiten und bekamen im Anschluss Cordon bleu zum Frühstück. Die Gastfreundschaft dieser Menschen überwältigte uns einmal mehr.

Gestärkt machten wir uns auf, die „tianguis“, einen Sonntagsmarkt, zu erobern. Die Vielfalt an Angeboten, Gerüchen und Eindrücken war überwältigend.

Danach nahmen wir an einer Messfeier an einem ungewöhnlichen Ort teil: mitten auf dem Markt des 24. Juni, auf dem viele Gemeindemitglieder arbeiten. Auch hier kam wieder die Sozialpastoral zum Ausdruck, die die Bedürfnisse der Menschen in den Mittelpunkt stellt. Nach einem kurzen Gespräch mit dem Marktleiter lud dieser uns zu einem gemeinsamen Mittagessen vor Ort ein.

Seit dem 11. Lebensjahr drogensüchtig

Nachmittags holte uns der Padre mit der Camioneta der Gemeinde in unserer Gastfamilie ab – die Camioneta, das ist ein kleiner Lastwagen, auf dessen Ladefläche wir bequem sitzen und die Sicht auf die geschäftigen Straßen der Stadt genießen konnten. Auf diese Weise fuhren wir zu NIEV – einem Drogenprojekt, das wohl zu den beeindruckendsten Projekten gehörte, die wir in Valle de Chalco besucht haben. Es handelt sich dabei um eine zivilgesellschaftliche Einrichtung, die von der Kirche in seelsorglicher und spiritueller Hinsicht Unterstützung erhält. In einem Haus leben dort ca. 70 junge Männer zwischen 15 und 25 Jahren zusammen, bekochen und versorgen sich selbst, putzen täglich ihr Haus, bekommen Unterricht und Möglichkeiten der Freizeitgestaltungsmöglichkeiten. Die jungen Männer, die dort ankommen, sind teilweise seit ihrem 11. Lebensjahr drogensüchtig und davon sichtlich gezeichnet. Das Leben im Haus ist nicht immer einfach: man schläft mit 15 Mann auf engste m Raum in einem Zimmer ohne Fenster. Bewohner dürfen im ersten Jahr das Haus nicht verlassen – so funktioniert der kalte Entzug, den man vielen Bewohnern deutlich anmerken konnte. Obwohl viele rückfällig werden und aus dem Teufelskreis der Drogen nur schwer oder gar nicht herauskommen, ist das Projekt für die Süchtigen so eine wichtige Stärkung und Wertschätzung, dass von den fünf freiwilligen Betreuern des Projektes zwei 6 Tage die Woche Tag und Nacht in dem Haus mitwohnen – denn dieses Projekt ist ihr Leben.

Zum Tagesabschluss saßen wir bei Tequila gemütlich mit unserer Gastfamilie zusammen, führten gute Gespräche und tanzten Salsa…

Sabrina, Elena, Nathalie