Mexiko: Die erste Begegnung mit Christinnen und Christen

Wie jeden Tag starteten wir um halb 8 mit einem gemeinsamen Morgengebet, in welchem wir Bezug nahmen auf die bevorstehenden Begegnungen des Tages. Nach der spirituellen Stärkung folgte ein wirklich herzhaftes mexikanisches Frühstück (Bohnen, Chili-Sauce, Bratkartoffeln etc.).

In der Uni angekommen, konnten wir zwischen zwei Themenblöcken wählen: Migration und Menschenrechte.

Die Ordensschwester Dolores Palencia erzählte von ihrer Arbeit mit Migrantinnen und Migranten auf dem Weg in die USA. Ihr bewegendes Zeugnis wird in diesem Blog noch einmal mit einem eigenen Text gewürdigt.

Fr. Miguel Concha Male OPDas Thema Menschenrechte wurde uns von Fr. Miguel Concha Male OP nahe gebracht. Der Dominikaner gründete vor über 20 Jahren das „Centro de Derechos Humanos Fr. Francisco de Vitoria OP“ und kämpft entschlossen für die Durchsetzung der Menschenrechte in Mexiko – trotz aller Widerstände der jeweils regierenden Parteien. Er und seine beiden Mitarbeiter kritisierten sehr engagiert das neoliberale System, welches die Grundlage für Korruption, Verarmung und Rechtlosigkeit bildet. Leider verging die Zeit zu schnell, so dass nicht alle Fragen beantwortet werden konnten.

Nach der Mittagspause ging es mit Studenten eines Missionsordens in einen Außenbezirk von Mexiko-Stadt. Auf einer ehemaligen Müllhalde errichteten hauptsächlich Migranten aus dem Süden ein eigenes Viertel. Die Wohnsiedlung wird von den Anwohnern autonom verwaltet, die für das endgültige Recht, dort wohnen zu dürfen, noch kämpfen. Seit vier Jahren gibt es dort eine katholische „Kapelle“, die aus Wellblech und Holz provisorisch gebaut ist.

Begegnung in MexikoHier fand die erste Begegnung mit Christinnen und Christen im Camp „libertad y patria“ statt. Nach diesem ersten Austausch wurden wir, in Kleingruppen aufgeteilt, von den Anwohnern durch ihre Heimat geführt. Inzwischen sind die Behausungen aus Pappe durch Steinwände abgelöst worden. Einer Familie steht ein Raum von lediglich 20 qm zur Verfügung, in dem sich Küche, Toilette, Schlaf- und Wohnzimmer vereinen. Die Katechetin Maria lud uns zu einem Glas Wasser in ihr Haus ein. Nach einem Fußballspiel auf dem örtlichen Bolzplatz fanden wir uns nochmals in der Kapelle ein.

Ausgelassene Stimmung nach Gesang und GebetUnsere Bitten und unseren Dank brachten wir vor dem Allerheiligsten zum Ausdruck. An das gemeinsame Beten und Singen schloss sich ein einfaches Abendessen an. Überwältigt von den vielen tiefgehenden Eindrücken machten wir uns mit zwei Kleinbussen auf den Heimweg. Die Stimmung war ausgelassen, bis wir nach 1,5 Stunden Fahrt erfuhren, dass wir uns verfahren hatten. Todmüde fielen wir alle ins Bett, in dem die Stechmücken schon sehnsüchtig auf uns warteten…

Bene und Miguel