Mexiko: Frauenbewegung im „Tal der Pfützen“

Am Montag ging es nach einem Frühstück im Kreis unserer Gastfamilie in “Valle de Chalco” um 10:00 h in die Gemeinde. Dort präsentierten uns die Koordinatoren der verschiedenen pastoralen Sozialprojekte ihre Arbeit.

Zu den sozialen Pastoralprojekten gehören auch Einkaufsläden.

Es gibt einen “Tafelladen”, in dem arme Familien Pakete mit Lebensmitteln des täglichen Bedarfs bekommen können und eine sogenannte “tienda económica”, in dem alle Lebensmittel günstiger angeboten werden. Außerdem wird ein “Bazar” mit second-hand-Kleidung betrieben sowie eine kleine Solidar-Apotheke, in der alle Leute im Ort alles für 10 Pesos (weniger als 1 Euro) bekommen können. Wer Medikamente übrig hat, spendet sie dort für den guten Zweck. Beeindruckend: Alle, die hier arbeiten, tun dies ehrenamtlich – manche mehrere Stunden am Tag!

Die theologische Botschaft, die hinter all dem steht, heisst: Wir wollen als Gemeinde bei den Menschen sein, mitten unter ihnen leben und das Evangelium von den Bedürfnissen der Armen her leben.

Blick auf Valle del Chalco

Katharina, die gerade für ein Jahr in Valle de Chalco lebt und arbeitet, stellte uns im Anschluss ihre Arbeit in einer Powerpoint-Präsentation vor. Sie gibt unter anderem Deutsch- und Englischunterricht und unterstützt ein Rehabilitationszentrum für (ehemalige) Drogenabhängige.

Zum Mittagessen kam der aktuelle Dioezesanadministrator, Mons. Noé Aguirre, hinzu. Er war sehr interessiert an unseren bisherigen Erfahrungen während der Studienreise und an unserem Theologietreiben in Deutschland. Da er vor ca. 50 Jahren einmal dort gewesen war, erinnerte er sich noch an einige deutsche Sätze.

Im Anschluss trafen wir auf eine zweite Basisgemeinde, eine reine Frauengruppe. Auch sie stellten uns ihre Arbeit vor, allerdings erzählten sie uns aufgrund der Kürze der Zeit nur etwas über den Ablauf ihrer Treffen. Was uns besonders beeindruckte, war, dass sie sich im Anschluss an jede Runde um ein Thema kümmern, das Frauen besonders betrifft.

Dabei tauschen sie sich z. B. über Gesundheitsfragen oder Familienthemen aus und kochen zusammen oder machen Handarbeiten. Auch diese Gruppe empfing uns sehr herzlich und war dankbar für das Interesse an ihrer Arbeit.

Das letzte Treffen an diesem Tag hat uns auf ganz andere Weise beeindruckt.

Wir trafen auf ein Team, das sich um mehr Aufklärung der Bevölkerung zum Thema HIV/AIDS bemüht. Dass eine solche Arbeit in Kirche möglich ist und die Offenheit der Gruppe in ihrem Handeln und Berichten hat uns beeindruckt.

Abends gab uns Padre Raúl die Möglichkeit, ihm Fragen zu stellen, die während der Tage in seiner Gemeinde unter uns aufgekommen waren, und das waren einige. Insgesamt waren wir total begeistert von allem, was er uns erzählt und gezeigt hat: Sein Ansatz einer Sozialpastoral, die sich auf die konkreten Bedürfnisse der Menschen richtet, um so einen Wandel von der Basis her zu bewirken, hat unseren Blickwinkel geweitet.

Nathalie