Mexiko: Im Griff des Verbrechens

Arbeitslosigkeit, Gewalt und organisiertes Verbrechen sind im Bundesstaat Veracruz bitterer Alltag. Reiner Wilhelm, Mexiko-Referent von Adveniat, besucht dort Hilfsprojekte.
Ein mit Schnee bedeckter Berg

Der Citlaltépetl oder die Spitze von Orizaba. Foto: Angélica Portales. CC BY-NC-ND 2.0

Nun bin ich in Veracruz angekommen, der Bundesstaat, der in den letzten Jahren und Monaten durch Entführungen und Morden, auch an Priestern, in die Schlagzeilen geraten ist. Als erstes besuchte ich die Diözese Coatzacoalcos, die 1984 gegründet wurde. Sie umfasst die Stadt, die von der Erdölindustrie geprägt ist, und ein weites Umland. Durch die Wirtschaftskrise sind viele Arbeitsplätze verloren gegangen. Sehr problematisch ist der starke Einfluss des organisierten Verbrechens: Morde und Entführungen sind inzwischen Alltag geworden.

Karte von Veracruz

Der Bundesstaat Veracruz an der Ostküste Mexikos.

Die Politik ist korrupt. So ist der letzte Gouverneur des Bundesstaates Veracruz, nachdem er sich über die Maßen bereichert hatte, spurlos verschwunden. Er gehört der ewig regierenden PRI-Partei an und wird von allen Seiten gedeckt. „Anderen hat man den Prozess gemacht, ihn lässt man laufen“, sagt Mons. Rutilio Muñoz, der Bischof. Die Straflosigkeit beträgt nahezu 100 Prozent. Viele der Kleinen und Mittleren Unternehmen mussten schließen, weil man die Schutzgelder nicht mehr zahlen konnte und die Entführungen und Erpressungen zugenommen hatten. Das hat auch Einfluss auf die Einnahmen der Diözese, insbesondere des Seminars und der pastoralen Aktivitäten. Die Hilfe Adveniats ist daher substantiell.

 

Weiter geht es nach in Orizaba, das auch zum Bundesstaat Veracruz gehört. Die Stadt liegt am Fuß des höchsten Berges Mexikos, dem Citlaltépetl oder der Spitze von Orizaba. Der erloschene Vulkan ist über 5.600 m hoch. Hier ist es kalt. Bewegten sich die Temperaturen zuvor auf 28-34 °C, so ist mir jetzt bei gerade einmal 16 °C ziemlich kalt.

Am Nachmittag konnte ich die Stadt Orizaba besuchen. Es sind eigentlich drei Städte, die zusammengewachsen sind: Orizaba, Rio Blanco und Mendoza. Während Orizaba eher intellektuell etwas zu bieten hat, sind die beiden anderen Städte durch die Arbeiterschaft und von Arbeitslosigkeit geprägt.

Bunte Häuser und Palmen

Die Innenstadt von Orizaba. Foto:
Angélica Portales. CC BY-NC-ND 2.0

In Mendoza befindet sich auch das Zentrum von Gewalt und Drogenhandel. Das ist bereits am Straßenbild zu bemerken, denn Orizaba ist sauberer als die anderen beiden Städte. Der Bürgermeister arbeite für seine Gemeinde und habe der Stadt ein neues Aussehen gegeben, so Bischof Eduardo Cervantes, der Bischof der gerade einmal 17 Jahren Diözese. Man erkenne daran, dass gute Arbeit und Korruptionsbekämpfung auch in Mexiko möglich sind.

 

Orizaba ist geprägt von der Arbeitswelt. Hier fanden Anfang des 20. Jahrhunderts Arbeiteraufstände statt, die sich gegen die Lebensbedingungen in den großen Textilfabriken richteten. Heute ist von dieser Industrie nicht mehr viel zu sehen. Dennoch sind Orizaba, Rio Blanco und Mendoza Arbeiterstädte geblieben, geprägt von der größten Brauerei des Landes, die von Heineken betrieben wird.

Die Diözese hat als Schwerpunkt ihrer Pastoral in den kommenden Jahren die Arbeit in all ihren Facetten in den Mittelpunkt gestellt. Man erarbeitet zur Zeit Konzepte, wie man dieses große Thema anpacken möchte.


Reiner Wilhelm

Reiner Wilhelm ist Mexiko-Referent
beim Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat.
Zurzeit befindet er sich auf Projektreise in Mexiko
und berichtet von vor Ort.

 

 

Fotos:
Die Innenstadt von Orizaba. Foto: Angélica Portales. CC BY-NC-ND 2.0
Der Citlaltépetl oder die Spitze von Orizaba. Foto: Angélica Portales. CC BY-NC-ND 2.0
Der Bundesstaat Veracruz an der Ostküste Mexikos. Foto: Explorando Mexico