Mexiko: Mayakultur und Touristenluxus

Große Kontraste erlebt Reiner Wilhelm, Mexiko-Referent von Adveniat, jeden Tag bei seiner Projektreise. Dieses Mal zwischen der jahrhundertealten Mayakultur und des modernen Luxus-Tourismus.

Die Maya-Pyramide Ek-Balam. Foto: Adveniat/Wilhelm

Heute geht’s von Cancún aufs Land. Das Ziel: Felipe Carrillo Puerto, eine Stadt mit dem Namen eines der wichtigsten Förderer der Mayakultur. Mitte des 19. Jahrhunderts versuchten die Maya ihre Unabhängigkeit wiederzuerlangen. Das Volk lehnte sich gegen die noch junge Republik auf, auch gegen die katholische Kirche. So sprengten sie gut 20 Kirchen in die Luft. Bis heute sind die Auswirkungen der Zerstörungen sichtbar. Eine Kirche entgeht der Zerstörung – die von Felipe Carrillo Puerto. Gleichzeitig entstand eine Parallelkirche: die „katholische Kirche der Maya“, die unabhängig von Rom ist. Heute wird sie als Ausdruck der Mayakultur vom mexikanischen Staat unterhalten und seine Priester von ihm bezahlt.

Weibliche Kreuze

Eine kleine weiße Kirche

Die Kirche Santuário de la Cruz Parlante. Foto: Adveniat/Wilhelm

Während unseres Besuchs des Santuario de la Cruz Parlante (des Heiligtums des sprechenden Kreuzes) tauchen wir in eine andere Welt ein: Neben dem magischen Baum der Maya, dem mehrere Meter dicken Ceybo, liegt eine Höhle mit Wasser und eine Kapelle. Diese dürfen wir nur ohne Schuhe betreten. Auf dem Altar stehen drei Kreuze, die mit Röcken bekleidet sind. Während die Maya-Priester uns zurückhaltend und still beäugen, erzählt uns Pater Jiri, der katholische Pfarrer des Ortes, dass die Kreuze weiblich seien und daher bedeckt werden müssten. Außerdem spielen die Farben und die Himmelsrichtungen eine wichtige Rolle.

Schnell wird klar: Die katholische Ortskirche weiß nicht so recht, wie sie mit den Mayas, mit ihrer Tradition und ihrem Glauben umgehen kann. Es liegt noch ein gutes Stück Weg vor beiden Seiten, um sich anzunähern und sich gegenseitig zu verstehen. Pater Jiri hält inzwischen auch die Eucharistie in einigen Tempeln der Mayas. Nicht anerkannt ist die Taufe, die nicht unter dem Zeichen der Trinität – also „im Namen des Vaters, des Sohne und des Heiligen Geistes“ – gespendet wird.

Auf dem Rückweg nach Cancún fahren wir kurz nach Valladolid, einem historischen Ort, dessen jahrhundertealte Steinkirche wir uns anschauten. In der Nähe liegt auch Ek-Balam, eine Maya-Pyramide. Ein wirklich imposantes Werk einer alten Kultur.

Hotelkapellen

Wieder in Cancún sehen wir die luxuriösen Hotelanlagen, die sich 28 km entlang des Strandes aneinanderreihen. Die Kirche hat übrigens in 20 Hotels Kapellen, wo regelmäßig Gottesdienste gefeiert werden und natürlich Hochzeiten.

Weißer Sandstrand

Cancúns weiße Sandstrände und Hotelanlagen. Foto: Adveniat/Wilhelm.

Die Strände hier sind die schönsten der Karibik und das Meer ist einzigartig. Ich kann verstehen, weshalb hier so viele Menschen Urlaub machen wollen. Täglich kommen 600 Flüge aus der ganzen Welt an. Es ist eine gut organisierte und durchgeplante Tourismusindustrie mit direkten Wegen zwischen Hotelanlage und Flughafen, so dass die Touristen weder etwas von der Stadt Cancún noch von seinen Menschen mitbekommt – oder gar von den Armenvierteln.

 


Reiner Wilhelm

Reiner Wilhelm ist Mexiko-Referent
beim Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat.
Zurzeit befindet er sich auf Projektreise in Mexiko
und berichtet von vor Ort.