Mimi, der Einbrecherschreck

Der Journalist Tobias Käufer, der schon häufiger über Adveniat-Projekte berichtet hat (unter anderem für die „Welt“ oder das „Hamburger Abendblatt“), ist heute in Léogâne vorbeigekommen, direkt aus Bogotá (Kolumbien), wo er seit sechs Jahren als Korrespondent für verschiedene Tageszeitungen und für das Online-Magazin „Blickpunkt Lateinamerika“ arbeitet.

Sie kann so unschuldig schauen: Mimi, die kleine Hauskatze in Schwesternhaus in Léogâne, Haiti. Gefährlich wird es, wenn sie auf Einbrecherjagd geht. Foto: Habermann

Sie kann so unschuldig schauen: Mimi, die kleine Hauskatze in Schwesternhaus in Léogâne, Haiti. Gefährlich wird es, wenn sie auf Einbrecherjagd geht. Foto: Habermann

Tobias Käufer wird mich morgen einen Tag lang begleiten und einen Bericht darüber schreiben, was ich hier mache, warum ich hier bin und wie ich die Gesamtsituation der Bevölkerung in Haiti sehe.
Nachdem er mit uns zu Abend gegessen hat, haben wir ihn mit sechs Leuten zu seinem zehn Minuten Fahrt entfernten Hotel gefahren – im Pickup-Truck. Zwei Leute vorne, der Rest auf Klappstühlen hinten auf der Ladefläche. Schwester Edna meinte, dass sei „sicherer“. Da ich noch nie nach Anbruch der Dunkelheit das Schwesternhaus verlassen habe, kann ich nicht wirklich beurteilen, wie gefährlich es hier ist und ob man sich nachts „draußen“ unwohl fühlt. Es war zumindest eines, nämlich: klitschnass! Kurz nachdem wir aufgebrochen waren, öffnete der Himmel seine Schleusen und es regnete, als hätte oben jemand vergessen, die Dusche abzustellen. Binnen sechzig Sekunden waren wir alle bis auf die Haut durchnässt.  Während der Fahrer das Auto über die Buckelpiste und durch die riesigen Pfützen lenkte, die in nur wenigen Minuten entstanden, trotzten wir auf der Ladefläche kichernd und kreischend dem Platzregen. Ganz besonders gelassen war dabei Schwester Edna, die schon zweiundsechzig Jahre alt ist. Ich hab sie selten vergnügter erlebt.
Nicht ganz so vergnügt war ich, als ich in der Nacht von gestern auf heute tätlich angegriffen wurde – von Mimi, unserer Katze. Mimi ist erst ein paar Wochen alt, und sie wird von den Schwestern und mir ein bisschen verhätschelt, weil sie so süß ist. Ich gebe ihr beim Essen meistens heimlich ein zwei Bissen von meinem Teller ab. Eigentlich füttert man die Katzen und Hunde in Haiti selten und dann auch nie mit Tierfutter, was es hier überhaupt nicht zu kaufen gibt. Die Tiere sollen lernen, auf die Jagd zu gehen und sich ihr Essen selber zu fangen. Dagegen hat Mimi sich aber bisher strikt verweigert.
Ich wollte also im Halbdunkel in die Küche gehen und mir etwas Wasser holen. Als ich an der Treppe vorbei ging, flog auf einmal in der Art von „Batman“ eine Art Knäuel durch die Luft und stieß dazu einen laut maunzenden Kampfschrei aus. Dieses Knäuel landete dann in meinem Nacken. Ich weiß nicht, wer sich mehr erschrocken hat, ich oder Mimi, die sich darüber erschrak, dass ich so erschrak (und dabei laut aufkreischte).
Sie sprang auf jeden Fall schnurstracks wieder von mir runter, beäugte mich missbilligend und machte einen Riesenbuckel. Sie hatte mich wohl für einen Einbrecher gehalten oder für ihre erste und bisher einzige ziemlich große Beute …