Mit dem Kardinal in den Wolken

Tegucigalpa. Bevor Kardinal Oscar Rodriguez Maradiaga den Hubschrauber besteigt, setzt er die roten Ohrenschützer auf und rückt das schwarze Käppi zurecht. “USS Intrepid” steht darauf. Maradiaga liebt die Fliegerei, man nennt ihn auch “Kardinal der Lüfte”. Mir wird etwas mulmig zumute. “Keine Sorge, schliesslich bist du mit Gottes Segen unterwegs”, hatte mir eine Freundin am Vorabend gemailt. Es ist noch früh am Morgen, dunkle Wolken verüstern den Himmel über der Luftwaffenbasis von Tegucigalpa. “Kann der Hubschrauber denn auch bei schlechter Sicht und bei Wind fliegen?” erkundige ich mich besorgt und erinnere mich an diverse Abstürze von Militärhubschraubern, über die ich in den letzten Jahren in Lateinamerika berichtet habe.

“Klar, das ist überhaupt kein Problem, ein Ex-Präsident hatte sogar mal einen Rotorausfall, und selbst so konnte der Hubschrauber noch sanft hinabgleiten und landete unbeschädigt in einem Maisfeld”, versucht  mich der Kardinal zu beruhigen. Gleichzeitig fachsimpelt er mit dem Piloten über Marke und Baujahr des US-Helikopters, der noch aus der Zeit des Vietnamkriegs stammt. Was mich nicht wirklich beruhigt.

Ein Offizier hält eine kurze Ansprache über Sicherheitsvorkehrungen, und nach mehrmaligem festen Zuknallen schliesst auch die Tür. Zum Glück hat sich Fotograf Achim Pohl den Platz direkt am Ausgang ausgesucht. Das ohrenbetäubende Knattern der Rotorblätter macht jede Unterhaltung unmöglich. Zuerst fliegen wir ganz knapp über dem Boden entlang zum Startplatz, dann imitiert der Weihbischof mit einem amüsierten Blick in meine Richtung mit seinen Händen Flügelflattern. Der Helikopter steigt rasant in die Höhe und legt sich scharf in die Kurve. Achim schiesst ein Bild nach dem anderen, ich versuche, im Gleichgewicht zu bleiben. Die Häuser werden kleiner, unter uns tauchen grüne Hügel auf. Plötzlich gibt es Turbulenzen, der Hubschrauber schaukelt hin und her wie auf der Kirmes. Erschreckt klammere ich mich an den Vordersitz und suche vergebens mit den Augen die Kabine nach Fallschirmen ab.

Einen Augenblick später ist alles wieder ruhig, und ich beginne, die schöne Aussicht über fruchtbare Täler, grüne Hügel und schlängelnde Flussläufe zu geniessen. Da geht der Pilot auch schon tiefer, unter uns taucht ein fast ausgetrockneter Flusslauf auf, ein paar Häuser sind zu sehen und ein ockerfarbener Fussballplatz. Fast senkrecht geht der Hubschrauber nieder und verwandelt den Platz in eine einzige Staubwolke. Sanft setzen wir in Texiguat auf, und ich freue mich über den staubigen Boden unter meinen Füssen.

Autorin: Sandra Weiss

Foto: Achim Pohl