„Mit dem Stipendium hat sich mir das Leben geöffnet!“

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Maria José Xiloj Chicoj, Stipendiatin des „Proyecto Ija’tz“ (Projekt Samenkorn). Fotos: Miriam Witsch

Ein Samenkorn trägt bereits alles in sich – aber es braucht auch die richtige Pflege, um sich zu entwickeln und zu erblühen. Mit diesem Gedanken gründete die deutsche Journalistin Christine Zauzich das Stipendiatenprogramm „Proyecto Ija’tz“ (Projekt Samenkorn) in Guatemala. Unterstützt wird es auch von Adveniat. Vier Ija’tz-Stipendiaten sind zurzeit zu Besuch in Deutschland und natürlich auch in der Adveniat-Geschäftsstelle vorbeigekommen. In unserem Blog berichtet Maria José von ihren Erfahrungen als Stipendiatin.

Mein Name ist Maria José Xiloj Chicoj. Ich bin Guatemaltekin aus dem Volk der Maya-Quiché. Ursprünglich komme ich aus Chichicastenango, einem Dorf im Quiché, das vor allem für seinen Tourismus bekannt ist.

Die nächsten vier Wochen werde ich in Deutschland verbringen. Ich bin Stipendiatin des „Proyecto Ija’tz“ (Projekt Samenkorn) einem Stipendiatenprogramm, das es mir ermöglicht Jura zu studieren. Gemeinsam mit drei anderen Stipendiaten, werde ich verschiedene Spendergruppen besuchen – Menschen, die das Projekt Samenkorn unterstützen. Diesen Menschen wollen wir berichten was in Guatemala passiert und wie wir uns ausbilden.

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Die „Samenkorn“-Stipendiaten aus Guatemala zu Gast bei Adveniat.

Dank des Stipendiums, kann ich heute, mit 24 Jahren, in eine Zukunft mit Hoffnung und Perspektiven blicken. Das war nicht immer so. Meine Eltern haben sich getrennt, als ich noch sehr klein war. Meine Mutter hat mich alleine groß gezogen und immer für mich gekämpft. Sie hat als Haushaltshilfe gearbeitet, um mir zumindest die Primarschule zu finanzieren. Anfangs konnte sie sich auch noch das Schulgeld meiner Sekundarschulausbildung leisten, doch dann fehlte das Geld – doch ich wollte weiter lernen!

„Die Schwestern haben mich sehr unterstützt“

Zu meinem Glück haben mir Verwandte den Kontakt eines anderen Samenkorn-Stipendiaten gegeben. Ich wurde selber zur Stipendiatin und konnte in einer Schule von Ordensschwestern meine Sekundarschulausbildung abschließen. Die Schwestern haben mich sehr unterstützt und bestärkten mich auf Grund meiner guten Noten darin ein Studium zu beginnen. Ich entschied mich für ein Jura-Studium.

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Adveniat-Mitarbeiterin Carmen Martinez gibt den jungen Studenten eine spanischsprachige Führung durch die Adveniat-Kapelle.

Zum einen, weil ich in meiner Familie Ungerechtigkeit erlebt habe. Zum anderen, sehe ich Guatemala als ein Land, in dem wir uns ständig mit Ungerechtigkeit und Straflosigkeit auseinandersetzen müssen. Ich habe den Wunsch dem etwas entgegenzusetzen – als Juristin. Ich kann das System zwar nicht von heute auf morgen umkrempeln, aber durch meinen Beruf vielleicht dazu beitragen, dass wir mehr Gerechtigkeit, mehr Justiz und mehr Gewaltentrennung in unserem Land bekommen.

Ich blicke hoffnungsvoll in die Zukunft. Dank des Stipendiums hat sich mir das Leben geöffnet, denn ich habe das erste Mal in meinem Leben erkannt, dass ich alle Möglichkeiten habe. Obwohl die Arbeitsmarktlage in Guatemala weiter schwer ist, erhoffe ich mir auch für meine berufliche Zukunft gute Chancen.

Kurse zur Persönlichkeitsstärkung und Bewusstmachung der indigenen Kultur

Dank unserer Ausbildung und vor allem unserer intensiven Begleitung beim „Projekt Samenkorn“, können wir uns weiter qualifizieren. Mit Kursen zur Persönlichkeitsstärkung und der Bewusstmachung unserer indigenen Kultur, werden wir gut vorbereitet, um auf dem Arbeitsmarkt mit persönlichen und fachlichen Kompetenzen zu bestehen.

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Maria José Xiloj Chicoj, Ana Aracely Carrillo Chacaj, Erwin Amilton Calel Coló und Aníbal Garcia Calachij.

Für mich persönlich wünsche ich mir eine Berufung in meinem Beruf zu haben und ihn nicht nur rein proffesionell als Job zu sehen. Jungen Menschen in Deutschland würde ich gerne sagen, dass auch sie Hoffnung und einen starken Willen haben sollen. In jeder Gesellschaft, in jedem Land auf der Welt gibt es Licht und Schatten.

Daher: Nutzt eure Chance! Schaut nicht nur auf die Schattenseiten eurer Gesellschaft. Wenn euch etwas nicht passt, sagt nicht ihr könnt daran nichts ändern. Entwickelt euch als Person, damit sich die Gesellschaft dahingehend verändert, dass sie gerechter und besser für alle wird.

Text: Maria José Xiloj Chicoj, deutsche Bearbeitung: Miriam Witsch