Neue Zeiten, neue Medien

Im Fokus der Kamera: Rios Erzbischof Kardinal Dom Orani Joao Tempesta und der deutsche Medienbischof Gebhard Fürst (links)

Im Fokus der Kamera: Rios Erzbischof Kardinal Dom Orani Joao Tempesta und der deutsche Medienbischof Gebhard Fürst (links)

Delegation aus Deutschland besucht Medienabteilung der Erzdiözese von Rio de Janeiro

„Wir als Kirche wissen, dass jede Epoche neue Kommunikationsmedien mit sich bringt. Erst kam das Radio, dann das Fernsehen, und nun die neuen Medien.“ Rio de Janeiros Erzbischof Kardinal Dom Orani Joao Tempesta setzt beim Dialog mit den Gläubigen verstärkt auf neuen Medienformen im Internet.

„Der Kontakt mit den Menschen ist in dieser neuen Zeit äußerst personalisiert, geht direkt auf die Menschen ein. Wir dürfen nicht versäumen, diese Medien zu nutzen, denn wir würden uns schuldig machen, wenn wir diese Chancen ungenutzt ließen. Man kann mit ihnen Gutes und Schlechtes tun – wir tun Gutes.“

Die Medienarbeit in Dom Oranis Diözese gilt in Brasilien als die Fortschrittlichste überhaupt. Über soziale Netzwerke hält die Kirchenleitung engen Kontakt zu den Gläubigen und präsentiert ihre Arbeit gleichzeitig weit über ihre Grenzen hinaus. Grund genug für den Medienbischof Dr. Gebhard Fürst, Vorsitzender der Publizistischen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz, sich die Medienarbeit der Diözese vor Ort anzuschauen.

Mit dabei sind auch Adveniat Hauptgeschäftsführer Prälat Bernd Klaschka, Adveniat Brasilienreferent Norbert Bolte, die Journalistin Dr. Ute Stenert von der DBK sowie die RBB-Programmdirektorin Dr. Claudia Nothelle. Bereits seit einer Woche reist die Gruppe durch Brasilien. Das Ziel der Studienreise ist es, sich über die Medienarbeit der katholischen Kirche in dem riesigen Land genau zu informieren. Stationen der Reise waren dabei die Megastadt Sao Paulo, Vitoria, die Hauptstadt Brasilia sowie die Amazonasregion um Santarem.

Aufwind mit Papst Franziskus

Was den Einsatz digitaler Medien angeht, gibt es keinen besseren Ort als Rio de Janeiro. Die Feuertaufe für das neue digitale Medienkonzept der Erzdiözese von Rio war der Weltjugendtag 2013. „Zum Weltjugendtag haben wir alle möglichen Medien eingesetzt. Aber am wichtigsten war die digitale Abwicklung der Organisation sowie die Anbindung der Jugendlichen dank der neuen Medien. Wir konnten in Real Time die neuesten Infos versenden, konnten sämtliche organisatorischen Abläufe direkt den Jugendlichen mitteilen.“

Da passte es gut, dass der damals gerade erst wenige Wochen amtierende Papst Franziskus ein den neuen Medienformen aufgeschlossener Mensch sei. „Der Heilige Vater weiß, wie wichtig diese neuen Medien sind. Zwar steht er als Privatperson den neuen Medien nicht so nah, aber in seiner Funktion als Papst hat er eine sehr schöne Arbeit in diesem Bereich initiiert. Zudem hat er Mitarbeiter, die sich um diesen Bereich kümmern. Durch seine mediale Ausrichtung kann er die Werte des Evangeliums leichter vermitteln.“

Lernen von lateinamerikanischer Spontaneität

Adveniat-Hauptgeschäftsführer Bern Klaschka sieht die neue Medienausrichtung der Kirche äußerst positiv. „Johannes Paul II. war ein politischer Papst, besonders für Europa. Papst Benedikt war ein theologischer Papst. Und Franziskus ist ein pragmatischer, pastoraler Papst, der sich den Menschen seelsorgerisch zuwendet und sagt: Hier sind wir und wir begleiten Euch. Ein Papst, der nicht erst alles durch einen Diskurs oder eine Diskussion laufen lässt, bevor er sich überhaupt aufmacht. Er ist da spontaner. Die Lateinamerikaner sind spontaner und pragmatischer.“

Auch Bischof Dr. Fürst zeigte sich beeindruckt von der medialen Ausrichtung der brasilianischen Kirchengemeinden. „Es ist uns bekannt, dass in Brasilien die Medien in der kirchlichen Kommunikation eine große Rolle spielen. Überrascht hat mich auf der Reise aber die Vielfalt. Es gibt Diözesen, die auf das Radio setzen, mit kleinen Basisstationen die Netzwerke bilden. Zum anderen hat mich das große Engagement überrascht, mit der dieses schwierige Geschäft gemacht wird. Der unverstellte Zugang zur Arbeit von Kirche mit den neuen Medien, mit Radio und Fernsehen spüre ich hier stärker als bei uns in Europa und in Deutschland.“

Natürlich seien die brasilianischen Strukturen nicht eins zu eins auf Deutschland zu übertragen – das 24 Mal größere Brasilien steht bei der Kirchenarbeit anderen Herausforderungen gegenüber als das kleine Deutschland, gibt Bischof Fürst zu bedenken. „Aber wir können lernen, dass man mit Engagement in diesen Bereichen tätig wird, dabei auch mal Fehler macht, aber trotzdem vorangeht. Und vor allem mutig an die Aufgabe geht. In Deutschland wägt man oft im Vorfeld zu sehr ab, ob Dinge funktionieren können. Hier arbeitet man mit Freude, und das hat deshalb indirekt auch Erfolg.“

Voneinander lernen: Zurzeit informiert sich der deutsche Medienbischof Dr. Gebhard Fürst im Rahmen einer Dialogreise über die Medienarbeit der katholischen Kirche in Brasilien und Projekte von Adveniat. Begleitet wird der Bischof von Rottenburg-Stuttgart von Adveniat-Hauptgeschäftsführer Prälat Bernd Klaschka, Brasilien-Referent Norbert Bolte, Dr. Ute Stenert, Referentin für Rundfunk und Medienethik bei der DBK, und Dr. Claudia Nothelle, RBB-Programmdirektorin und Beraterin der Publizistischen Kommission der DBK.