Nicaragua: Es gibt kein Bier im Land

Ein Bier zur Ankunft? Leider nein. Die Bedienung im „Hotel Camino Real“ schüttelt den Kopf, als wir unsere Bestellung aufgeben. Wir sind eben, nach 24 Stunden unterwegs im Flugzeug, in Nicaragua angekommen. Heute gebe es nur nicht alkoholische Getränke. „Tut mir leid, heute sind bei uns Kommunalwahlen“, sagt sie.

Eindeutig ein "Archivbild"

Merkel oder Steinbrück? Dass man in Deutschland am Wahlabend kein Bier trinken darf – erscheint uns eher seltsam. Wenn nicht am Wahlabend wann dann… könnte man meinen? Aber die Bedienung bleibt eisern, über das „ley seca“, das „trockene Gesetz“ wird nicht diskutiert. Also dann: Zwei Wasser bitte!

Heute, zwei Tage nach der Wahl erkennen wir, warum das vielleicht doch keine so abwegige Entscheidung war. Auf dem Weg zu einem Interview kommen wir im Örtchen San Nicolás de Oriente vorbei. Ein komischer Geruch von verkokeltem Plastik liegt in der Luft, die Menschen, die an der Straße vor ihren Häusern sitzen, inspizieren unser Auto mit kritischen Blicken. Nach einigen Metern sehen wir warum: Auf der Straße vor dem Rathaus wurde ein Haufen Asche zusammen gekehrt, im Innenhof steigt Rauch auf.

Ein Aschehaufen hinter verschlossenen Toren

Ein Aschehaufen hinter verschlossenen Toren

„Die Liberalen haben die Wahl gegen die Sandinisten verloren“, raunt uns ein Mann mit Schnurrbart und Zigarettenkippe im Mundwinkeln zu. „Es haben nur 300 Stimmen gefehlt, da gab es Ärger.“ Die Liberalen sind in das Rathaus gestürmt, haben vor Wut über den Machtverlust die Fenster zerschlagen, Computer, Möbel und Papiere herausgeschafft und angezündet. „Das hätte auch noch schlimmer ausgehen können. Die Stimmung war sehr aggressiv.“

Als Achim ein Foto von den Zeugnissen der nächtlichen Randale machen will, formieren sich sofort zahlreiche Männer aus dem Dorf, verschränken ihre Arme vor der Brust und gucken düster. Achim packt seine Kamera ein. „Das sieht irgendwie nicht so aus, als würden die uns zu einem Bier einladen“, sagt er und steigt wieder ins Auto.

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Von Gaby Herzog (Text) und Achim Pohl (Foto). Die Journalisten recherchieren Bildungsthemen und besuchen Projekte in Nicaragua, der Dominikanischen Republik und in Honduras für Adveniat.

Kommentar zu “Nicaragua: Es gibt kein Bier im Land

  • 14. Januar 2013 at 18:13
    Permalink

    Da freut man sich vermutlich auf ein schönes kaltes Bierchen und dann so was 🙂

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