Ordensschwestern in Bordellen

Brief vom 10. Januar 2011

Mit ihrem Schleier fallen sie sofort auf, wenn sie ein Bordell betreten. Aber lieber arbeiten sie auf der Straße. Dort haben sie mehr Erfolg. Die Männer, die zu ihnen kommen, verstummen spätestens dann, wenn die Frauen ihnen vor Augen halten, dass die Prostituierten, die die Männer besuchen, auch deren Töchter, Schwestern oder Ehefrauen sein könnten. Die Augen der Schwestern sind klar, ihre Gestik deutlich und ihre Arbeit überzeugend. „Wir glauben immer an den inneren Schatz der Frauen. Sie haben einen guten Kern. Frauen prostituieren sich oft, weil die Väter ihrer Kinder sie verlassen haben und sie keine Ausbildung haben, um auf anderen Wegen ihre Familie zu erhalten.“ Es gäbe auch junge Mädchen, die sich prostituieren, um Geld für Konsumgüter wie Kleidung und Handys zu beschaffen. Aber diese seien die Minderheit.

Ihre Arbeit beginnt damit, auf die Prostituierten zuzugehen, und durch das Gespräch das Bewusstsein zu wecken für die eigene Situation. Nach medizinischen und psychologischen Untersuchungen können Frauen Aufnahme im Haus der Schwestern bekommen. Dort können sie über zwei Jahre eine Ausbildung machen, die ihnen später einen Einstieg in den beruflichen Alltag ermöglicht. „Sehr wichtig ist aber, die Frauen dann nicht einfach auf die Straße zu setzen, sondern sie auf dem Weg in den Alltag hinein zu begleiten. Sonst ist die Gefahr groß, dass sie sich wieder zu prostituieren beginnen,“ meint die Schwester, die bereits jahrelange Erfahrung hat.

Der numerische Erfolge ihrer Arbeit ist gering. 15 Frauen können im Haus untergebracht werden. „Aber jede Frau, die von der Prostitution weg kommt, ist ein gewonnenes Leben.“ Die Ordensfrauen faszinieren mich. Von der Kirche wenig unterstützt, vom Staat mit leeren Versprechungen auf der Straße stehen gelassen, geben sie nicht auf. Selbst in Keuschheit lebend sehen sie den Tatsachen ins Auge und leben ihre Berufung, denjenigen Frauen in Liebe zu helfen, die von den meisten verachtet werden. In einem Land, wo eines der lukrativsten Unternehmen der Unterhalt eines Stundenhotels (Motels) ist.

Magdalena Holztrattner