Papst-Fieber in Boliven

Bolivien Papst

Im wahrsten Wortsinn atemberaubend: Der Ausblick von El Alto auf La Paz. Foto: Carolin Kronenburg

Liebe Freunde und Freundinnen von „Francisco in Bolivien“ (so heißt die offizielle Website der Regierung),

jetzt bin ich auch schon fast ins Papst-Fieber eingetaucht. Im Grunde ist alles viel einfacher, als ich das auf meine deutsche Weise sehe (und was ich an Lateinamerika so schätze). Die Organisation ist ein Desaster – beispielsweise habe ich meine Akkreditierung vor Wochen beantragt und schließlich erst im 5. Anlauf bekommen … Aber eigentlich ist das alles egal, wir feiern, weil es Spaß macht und das Leben es wert ist, und das ist wahr und ich kann es spüren in diesen Tagen hier in Santa Cruz. Es ist immer noch verdammt kalt, gestern hat es mit kurzen Unterbrechungen den ganzen Tag geregnet, aber was macht’s? Gar nichts, weil heute der Papst kommt. Das ist genug Sonnenschein für diese Woche und für noch einige mehr.

Im wahrsten Wortsinn atemberaubend: Der Ausblick von El Alto auf La Paz. Foto: Carolin Kronenburg

Im wahrsten Wortsinn atemberaubend: Der Ausblick von El Alto auf La Paz. Foto: Carolin Kronenburg

Es tut gut, sich wieder auf die wichtigen Dinge im Leben zu besinnen. Und das ist es, was ich wirklich liebe an dieser Kirche: dass sie sich – bei allen konservativen Tendenzen – nicht nur um sich selber dreht, sondern um die Menschen (nach meiner Einschätzung ein bisschen weniger als vor 20 Jahren – aber vielleicht kannte ich mich damals einfach nicht so gut aus wie heute).

Wird schon schief gehen …

Jeder hat noch einen Geheimtipp wo es am besten ist, sich aufzustellen, wie man noch an Ausweise kommt, etc. Ich glaube, am Mittwoch und Donnerstag wird alles chaotisch werden, und doch irgendwie funktionieren … Ich denke natürlich an alles, was nicht klappt, und was alles passieren könnte, aber hoffentlich – wie immer – wird unmöglich alles auf einmal davon eintreffen. Ich freue mich schon.

Heute um 9 Uhr öffnet der päpstliche Campus in El Alto für den Empfang des Papstes um 16 Uhr! Die Autobahn ist seit acht Uhr geschlossen – wie permanent im Fernsehen bekannt gegeben wird. Alle sind ganz aufgeregt, es gibt kein anderes Gesprächsthema mehr, und alle hoffen,dass es aufhört zu regnen. Wer Santa Cruz kennt, kann sich die Kälte im Moment kaum vorstellen. Habe gerade die dritte Decke an der Rezeption geholt, weil zwei nicht reichen, und sitze mit Wollrolli und Fleecepulli plus T-Shirt hier, aber meine Nase ist fast eingefroren. Morgen soll es wärmer werden und außerdem kommt der Papst nach Santa Cruz – das wärmt von innen.
Liebe Grüße
Irene

————

Mittendrin beim Papstbesuch in Bolivien - Dr. Irene Tokarski. Foto: Carolin Kronenburg

Mittendrin beim Papstbesuch in Bolivien – Dr. Irene Tokarski. Foto: Carolin Kronenburg

Die Autorin dieses Textes, Dr. Irene Tokarski, ist Theologin und arbeitet als Leiterin der Arbeitsstelle Christliche Sozialethik in der Stiftung Jubileo, die Partner von Adveniat ist. Die gebürtige Augsburgerin lebt seit 18 Jahren in La Paz in Bolivien und hat sowohl in der staatlichen wie kirchlichen Entwicklungshilfe gearbeitet. Während der Papstreise steht sie vielen bolivianischen und deutschen Medien als Interview-Partnerin zur Verfügung und hält uns bei Adveniat täglich auf dem Laufenden.