Papstbesuch Paraguay: Ein ganzes Land in Euphorie

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Den Papst Willkommen heißen! Fotos: Yvonne Kölsch

Ich möchte hier berichten, wie ein ganz besonderer Besuch ganz Paraguay – mich inklusive – in Euphorie und Vorfreude versetzt und unseren Alltag komplett umgekrempelt hat. Im April diesen Jahres wurde bestätigt, dass der Papst Franziskus Paraguay besuchen wird. Von diesem Tag an hat dieses Land Unglaubliches geleistet. In knapp vier Monaten wurde organisiert, es wurden Ideen entwickelt und wieder verworfen, neu begonnen, ein Chor aus 500 Stimmen Paraguays gegründet, die Straßen erneuert, die Stadt dekoriert und ein majestätischer Altar aus Mais und Kokosnüssen gebaut.

Auch 80.000 junge Menschen haben sich bereit erklärt, in den Begegnungen einen Dienst zu leiste, um die Menschenmassen in Schach zu halten. Die Liste der Vorbereitungen ist endlos lang und im sonst so ruhigen Gebäudekomplex der Erzdiözese wimmelte es am großen Tag des Besuchs morgens bis abends nur so von Menschen. Jede und jeder war mit einer anderen Aufgabe betraut, doch alle mit dem gleichen Ziel: Dem kommenden Besucher einen unvergesslichen Empfang zu bereiten, der die Dankbarkeit und Freude über den Besuch ausdrückt.

Wir haben Tage, Nächte und Wochenenden durchgearbeitet

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Der Papst bei seinem Besuch in Paraguay.

In den letzten Wochen verstärkte sich die Vorfreude des kommenden Besuchs nochmals. Wir haben unsere Tage, Nächte und Wochenenden durchgearbeitet und unser Durchhaltevermögen bis an die Grenze geführt. Unser Team war für die Presseausweise der über 2.500 Journalisten zuständig. Es gab so viel zu tun und der Tag X rückte immer näher.

In den letzten Tagen fieberte die gesamte Nation nur noch der Ankunft entgegen. „Heute landet der Papst! In zwei Stunden landet er!!!“ Alle Medien berichteten fast ausschließlich davon. Dann war es endlich so weit. Der Zeitpunkt, auf den wir alle so sehr gewartet und hingearbeitet hatten. Die Straßen waren von Menschenmassen überflutet, die alle den Heiligen Vater willkommen heißen wollten. Die Handys erhoben sich, um DEN Moment für immer festzuhalten. Wir ließen alles stehen und liegen und rannten an den Straßenrand. Jeden Augenblick würde er im Papamobil vorbeifahren. Ich kann die Energie nicht beschreiben die in der Luft lag, doch es war sensationell.

Zwölf Stunden Stehen in Schlamm und Kälte

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Zwölf Stunden Standen die Menschen in Nässe und Kälte, um sich einen Platz für die Messe mit dem Papst zu sichern.

Der Papst blieb zwar nur knapp drei Tage in Paraguay, doch es war durchgehend eine absolut euphorische Stimmung. Es fanden 15 Begegnungen statt. Ich hatte das Glück, an mehreren teilnehmen zu können. Das größte Ereignis war die zentrale Messe am Sonntagmorgen, zu der über 1.5 Millionen Menschen kamen. Am Samstagabend öffneten sich schon die Tore des Militärgeländes, in dem die Messe stattfinden würde. Und viele Menschen haben mehr als zwölf Stunden stehend im Schlamm in der Nacht und die Kälte ausgeharrt, um in der Messe dem Papst so nah wie möglich zu sein.

Ich habe in diesen Tagen gesehen, was der Glaube alles ermöglicht. Wir sind mit Freunden um 5 Uhr morgens zum Gelände zwischen Tausenden gepilgert. Einige waren ohne Schuhe, andere voller Schlamm, denn aufgrund des vielen Regens der letzten Woche hatte sich alles in ein Schlammmeer verwandelt. Doch wie durch ein Wunder kam zur Messe die Sonne zum Vorschein. Als der Papst sich im Papamobil seinen Weg durch das Menschenmeer zum Altar bahnte, ging ein Jubeln durch die Masse und wenn man bedenkt, dass 1.5 Millionen Menschen diesem Moment entgegenfieberten … das Gefühl war einfach unglaublich.

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Endlich: Die Messe mit dem Papst beginnt.

Diese Erfahrung hat uns alle für die Mühen und all die Arbeit mehr als reichlich belohnt und ist wahrhaftig als Geschenk Gottes zu sehen. Ich persönlich hätte nie im Leben daran gedacht, dass ich so etwas in meinem Freiwilligen Sozialen Jahr aus nächster Nähe miterleben würde. Und ich hätte mir keinen schöneren Abschluss meines Auslandsjahres vorstellen können.

Paraguay hat mir definitiv seine Einzigartigkeit und Lieblichkeit demonstriert.

Danke!

Text: Yvonne Kölsch

 

Weltwärts: Paul, Ronja, Yvonne und Rebecca (v.l.)

Weltwärts: Paul, Ronja, Yvonne und Rebecca (v.l.)

Gemeinsam mit der Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg (DPSG) bietet Adveniat Freiwilligendienste an. Die DPSG ist ein anerkannter Träger des entwicklungspolitischen Dienstes “weltwärts”. Im August 2014 haben sich vier junge Deutsche auf den Weg nach Lateinamerika gemacht. Zwei von ihnen arbeiten in Adveniat-Projekten in Argentinien, zwei in Paraguay.