Papstreise Bolivien: Gott macht Großes aus Unscheinbarem

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„Gott macht Großes aus Unscheinbarem“ – Mit diesem Satz endete heute die Predigt von Francisco am Platz des Cristo Redentor – und ich glaube, es ist der Satz, der mir von diesem Papstbesuch bleiben wird.

Es war ein unglaublich dichter Tag, der mich wirklich beeindruckt hat. Die Messe mit wohl einer Million Menschen – Telesur sprach sogar von zwei, viele kamen nicht mehr rein. Die Predigt zur Brotvermehrung, war kurz aber hat mich tief bewegt: Entscheidend ist, was jeder von uns gibt. Und aus diesen unscheinbaren Beiträgen bewirkt Gott das ganz große Werk der Erlösung, nicht mit einem Zauberstab, sondern in Verwandlung dessen, was wir geben.

Gott macht aus unseren Beiträgen etwas Bedeutendes 

Es ist nichts Spektakuläres, in dem was Francisco rüber bringt, es ist die Art und Weise, so selbstverständlich. Ich konnte spüren, wie er sich selbst dazurechnet: seinen Beitrag sieht er als unzulänglich und unbedeutend, und das nicht nur in gespielter Bescheidenheit, sondern zutiefst überzeugt. Nur Gott kann und will daraus etwas Bedeutendes machen. Kein Beitrag ist zu klein, um ihn zutiefst zu verwandeln.

Am Nachmittag bei einem Treffen mit Priestern, Ordensleuten und Seminaristen sagte ein befreundeter Priester zu mir: „Er hat´s ihnen richtig gegeben“. Aber Francisco hat uns allen die Leviten gelesen bezogen auf unsere Überheblichkeit, weil wir studiert haben, weil wir uns als etwas Besseres fühlen, uns nicht den Menschen für die wir da sein sollten unterordnen. Barmherzigkeit und nicht Gesetzestreue.

Seine Sätze sind wie eine Erlösung

Und bei seiner Ansprache danach blieb mir der Mund offen stehen, als er vom Veränderungsprozess (proceso de cambio) sprach. Ein Begriff, der fest von der MAS-Regierung besetzt ist. Und er sagt einfach, dass er diesen Begriff in Bolivien gehört hat und dass er ihm gefällt. Und dann gibt er eine Erklärung dazu, die im Grunde vieles in Frage stellt, was Evo daraus macht: Francisco spricht von gemeinsamer Konstruktion, von Beteiligung aller und Pluralität! Super! Ich musste an jenen Satz denken, dass man die Wahrheit wie einen wärmenden Mantel anbietet, und nicht wie einen nassen Lumpen dem anderen ins Gesicht schlägt. Darin ist Francisco ein Meister. „Im Namen Gottes bitte ich Euch unsere Erde zu bewahren – das ist vielleicht die drängendste Aufgabe, die wir heute haben“, sagte er – und seine Sätze sind wie eine Erlösung, angesichts der halbherzigen Erklärungen, die wir kennen.

Die Autorin dieses Textes, Dr. Irene Tokarski, ist Theologin und arbeitet als Leiterin der Arbeitsstelle Christliche Sozialethik in der Stiftung Jubileo, die Partner von Adveniat ist. Die gebürtige Augsburgerin lebt seit 18 Jahren in La Paz in Bolivien und hat sowohl in der staatlichen wie kirchlichen Entwicklungshilfe gearbeitet. Während der Papstreise steht sie vielen bolivianischen und deutschen Medien als Interview-Partnerin zur Verfügung und hält uns bei Adveniat täglich auf dem Laufenden.