Peru: Auf Mission mit Padre Juan – Liveticker

Mission accomlished

23.45 Uhr: Das Handy auf Padre Juans Nachttisch blinkt: SMS von den deutschen Journalisten. „Juan, hast du zufällig einen Geldbeutel von uns gefunden?“

23.00 Uhr: Nach tatsächlich drei Besuchen bei Jugendgruppen und drei Einladungen zu typisch peruanischen Süßkartoffeln, Hühnchen, Obst und Chicha setzt Padre Juan die drei etwas abgekämpft aber zufrieden aussehenden deutschen Journalisten in ein Taxi zum Hotel. Er winkt ihnen noch nach. Für diesen Tag ist er sie schonmal los, die drei schrägen Vögel. Morgen früh geht es für ihn mit drei Erstkommunionsfeiern weiter.

19.40 Uhr: Padre Juan springt kurz aus dem Auto, um ein paar Jungs auf der Straße zu begrüßen. „Die Jungs sind in Jugendbanden. Auf die muss ich ein bisschen aufpassen. Ab und zu gehe ich etwas essen mit ihnen. Geld bekommen sie nicht von mir.“

19.30 Uhr: Nach einer kurzen Dusche geht es weiter. Padre Juan will heute noch mindestens drei Jugendgruppen besuchen, die sich in der Pfarrei engagieren. Aber mit diesen deutschen Journalisten im Schlepptau dauert einfach alles so lange. Dass denen die 300 Fotos, die sie heute geschossen haben, nicht schon längst ausreichen …

_MG_161218.00 Uhr: Padre Juan steht im Trikot von Alianca Lima auf dem Fußballplatz. Trotz 15-Stunden-Tag gönnt er sich einmal in der Woche diesen Luxus. Manchmal mit Jugendlichen aus der Pfarrei. Heute mit der „Alt-Herren-Truppe“ der Katecheten. Wie er spielt, der Padre? Na, wie Pizarro, rufen uns seine Team-Kollegen lachend zu.

17.15 Uhr: Oscar drückt auf Play und die Musik schallt wieder hinaus bis auf die Straße.

17.00 Uhr: Cut. Die Hip-Hop-Musik ist aus, die Panflöten beiseite gelegt, die Fitnessgeräte ruhen. Die Breakdancer, Theatermacher und Musiker stehen mit aufmerksamer Miene vor einem Adventskranz. Padre Juan hat die gesamte Bande zusammengetrommelt. Ein kurzer geistlicher Impuls, ein kurzes Innehalten. Die zweite Kerze am Adventskranz wird entzündet. Die Jugendlichen hören Padre Juans Gebet aufmerksam zu.

_MG_911516.30 Uhr: Erneut vom hupenden Straßenverkehr ausgespuckt landen die drei Journalisten mit Padre Juan wieder an der „Casa de los talentos“. Mittlerweile ist Leben auf den fünf Etagen. Unter dem Dach machen die Jugendlichen Breakdance und toben sich an den Fitnessgeräten aus. Im Erdgeschoss ist Theaterkurs und im Keller machen die Jungs mit Baggeyjeans und Kappe peruanische Folksmusik mit Gitarre und Panflöten. „So habe ich mir das immer gewünscht“, sagte Padre Juan. „Alles unter einem Dach. Jeder kann hier das machen, was ihm entspricht“. – Anstatt auf der Straße rumzulungern.

16.15 Uhr: Padre Juan verabschiedet sich noch immer. Er verabschiedet jeden einzelnen mit Umarmung und Küsschen. Und er kennt jeden mit Namen. „Die Seelsorge ist meine Hauptaufgabe hier. Die Menschen wollen reden. Und manches kann einfach nicht warten, sonst ist es zu spät.“

16.00 Uhr: Padre Juan verabschiedet sich.

15.00 Uhr: Padre Juan besucht mit den drei Journalisten im Schlepptau eine der zahlreichen Gruppen, die sich in der Pfarrei regelmäßig treffen. Heute Nachmittag sind die Senioren eingeladen. In der Runde sitzen viele Indigenas, wie Rosita. Die vor Jahrzehnten nach Lima geflüchtet sind. Das Thema heute: Gesundheitspastoral.  Danach treffen sich Mütter mit ihren Kindern mit Behinderung um gemeinsam zu spielen und zu basteln.

14.00 Uhr: Die drei deutschen Journalisten kehren deutlich beeindruckt und leicht bedrückt von dem kurzen Ausflug in das Leben der Menschen auf den Hügeln von Chorrillos in die Pfarrei zurück.

_MG_975212.30 Uhr: Die Gruppe besucht weitere Familien. Das Leben ist hart dort oben. Die Häuser sind winzig, notdürftig gebaut und können bei jedem Regenschauer den Sandhügel hinabrutschen. Auch die Familienverhältnisse seien schwierig, erklärt Ana-Maria. Missbrauch, Gewalt, überforderte alleinerziehende Mütter. „Was ich meinen Kindern mitgeben will“, sagt eine junge Mutter, „ist, dass sie niemandem vertrauen dürfen. Auch der Familie nicht“.

12.15 Uhr: Die Gruppe kommt an einem kleinen grünen Haus an. Ana-Maria besucht eine Familie mit acht Kindern. Die Pfarrei hat Geld aufgebracht, um der Familie Wasserleitungen legen zu lassen. Ein Segen. Denn die Kinder haben mittlerweile durch den mit Müll verschmutzten Sand und die Trockenheit starke Hautkrankheiten.

11.45 Uhr: Die Kleingruppe hat ihren Weg mittlerweile zu Fuß fortgesetzt. Keuchend und schwitzend kämpfen sich die Journalisten mit ihrem Equipment den sandigen Berg hinauf. Hier und da sind Treppen aus Autoreifen angelegt. Was für die drei Deutschen ein kleines Abenteuer ist, ist für die Bewohner des Viertels Nuevo Almanecer (Neuer Sonnenaufgang) Alltag. Jedes Kilo Mais und jeden Liter Wasser müssen sie zu Fuß zu ihren Hütten hinauftragen. Fließendes Wasser gibt es nicht. Noch nicht. Bei einigen der Familien soll sich das nun ändern.

11.35 Uhr: Der kleine Bus kämpft sich vollbeladen die sandigen Pisten hinauf.

11.30 Uhr: Die Reise beginnt – in einem der tausenden Mikrobusse, die erst losfahren, wenn wirklich jeder Zentimeter Platz gefüllt ist.

11.15 Uhr: Ana-Maria nimmt die deutschen Journalisten mit auf einen Streifzug durch die Pfarrei. Sie deutet auf eine der winzigen Hütten, die irgendwo oben kurz unter den Wolken am sandigen Berghang kleben. „Dort oben werden wir eine Familie besuchen.“ Beeindruckt und mit leicht skeptischem Blick auf ihre Taschen voll Technik blicken die drei Journalisten in die Höhe.

11.00 Uhr: Padre Juan übergibt die drei Gringos an Ana-Maria, die Psychologin und Sozialarbeiterin der Pfarrei. Er selbst hat um 12 Uhr die nächste Messe.

10.25 Uhr: Padre Juan verabschiedet sich mit einer herzlichen Umarmung und seinem freundlichen breiten Lachen von Rosita. Die Journalisten nutzen die Gelegenheit und springen mit Fotoapparat und Videokamera um die beiden herum. Für Padre Juan nach wie vor recht gewöhnungsbedürftig. Er schmunzelt und lässt sie gewähren.

_MG_906110.17 Uhr: Besuch bei Rosita. Die etwa 80-Jährige Indigena ist während des Bürgerkriegs aus den Anden nach Lima geflohen. Sie hat bis heute keine anerkannte Identität. Was auch bedeutet, dass sie keinerlei Sozialleistungen bekommt. Sie wohnt in einer alten Hütte aus Holz und Blech. Padre Juan erklärt ihr, dass bald eine Anwältin zu ihr kommen wird, die für die Pfarrei arbeitet. Die wird sich um offizielle Papiere für sie kümmern.

10.08 Uhr: Padre Juan hat seinen Talar abgestreift und die Journalisten am Jugendzentrum wieder eingeladen.

9.00 Uhr: Während Oscar sich freut, dass die deutschen Journalisten seine Ausführungen auf Spanisch tatsächlich zu verstehen scheinen, hält Padre Juan in der benachbarten Kapelle seine erste Messe für heute.

8.45 Uhr: Oscar gibt den Journalisten eine Einführung in die Arbeit des Jugendzentrums. Der kleine stämmige Peruaner ist Organisator und Chorleiter. Seine Stimme ist in allen fünf Stockwerken des Hauses zu hören. Hier gibt es Breakdance, Theater, Balett, Stelzenlaufen, Meditation, Folklore-Orchester und und und.

_MG_99188.35 Uhr: An der „Casa de los talentos“ angekommen hat der Wagen noch nicht angehalten, da kleben schon die ersten Kindernasen an der Autoscheibe. Einen kurzen Moment werden die merkwürdigen Gringos skeptisch beäugt. Dann stürmen die caramelfarbenen kleinen Rotznasen los und begrüßen die drei Gäste mit Umarmungen und Küsschen. Auch Padre Juan schleift eine Traube kleiner Menschen hinter sich her in das Jugendzentrum.

8.25 Uhr: Padre Juan schlängelt sich mit der Ladung Journalisten hupend durch die Rush-Hour der peruanischen Vorstadt von Lima – Chorrillos.

8.17 Uhr: Drei leicht gerötete Gringos springen aus dem Taxi und entschuldigen sich wild gestikulierend für die Verspätung – el traffico! Padre Juan empfängt sie mit einem breiten Grinsen:“ Tranquilo, tranquilo – ihr seid ja jetzt da“.

8.15 Uhr: Padre Juan kramt in den Hosentaschen und schaut auf sein Handy. Kein Anruf der deutschen Journalisten. Eigentlich mag er sowieso keine Kameras. Aber für Adveniat macht er mal eine Ausnahme.

8.10 Uhr: Padre Juan wartet noch immer. Von den Deutschen ist er eigentlich anderes gewohnt. Vielleicht liegt es auch daran, dass sie Journalisten sind.

8.00 Uhr: Padre Juan wartet auf ein Team deutscher Journalisten.

Text: Mareille Landau, Fotos: Achim Pohl