Pin-Up-Papst: Ikone zwischen Gewinnspielen

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Als ich mir gestern am Essener Hauptbahnhof die Wartezeit auf den Regionalexpress nach Bochum vertreiben wollte, stöberte ich im lokalen Zeitschriftenladen nach einer passenden Lektüre. Schnell stieß ich hier auf „MEIN PAPST“. Das Titelblatt, aufgemacht wie die Bild-Zeitung mit vielen Fotos und großer Schlagzeile „Franziskus ist einer von uns!“, soll wohl potentielle Leser locken. Da ich derzeit ein Praktikum bei Adveniat mache und unser Papst selbst Lateinameriker ist, stieß sie auch auf mein Interesse. Der Preis von 1,80 Euro ist dabei durchaus akzeptabel.

Mein Papst

Papstalltag und Anekdoten zum Schmunzeln

Nach dem Kauf lege ich erst einmal vier beigelegte spirituelle Postkarten und ein beidseitig bedrucktes „Pin-Up“-Poster zur Seite. Die Zeitschrift selbst bietet äußerst interessante Einzelheiten über das Kirchenoberhaupt. Die Redakteure stellen ihn durchweg als bescheiden und „bürgernah“ dar. Schlichtheit und Tradition scheinen ihm wichtig zu sein. Eine kurze Anekdote bringt mich sogar zum schmunzeln. Ein junger Kardinal soll Franziskus förmlich als „heiliger Vater“ angesprochen haben, dieser nannte den Kardinal daraufhin „heiligen Sohn“ und bat ihn, ihm beim Frühstück Gesellschaft zu leisten. Hätte auch mir passieren können, denke ich da nur. Wie spricht man einen Papst denn sonst an?

Zahlreiche kurze Artikel bieten historische Informationen zum Papstamt und Vatikan. Komprimiert kriegt man einen Einblick in Papst Franziskus‘ Alltag.

Wie würde die Zeitung wohl Franziskus gefallen?

Was mich jedoch die ganze Zeit beim Lesen stört, ist der Gedanke, wie wohl Franziskus selbst reagieren würde, legte man ihm „Mein Papst“ als Morgenlektüre vor. Ich kann mir nur vorstellen, dass ihm die Zeitschrift nicht so richtig gut gefallen würde. Die Redakteure idealisieren Franziskus, rauben ihm damit fast das Menschliche und distanzieren ihn so immer weiter vom normalen Gläubigen, dem er doch so nah sein möchte.

Dann überraschen mich noch die zahlreichen Rätsel, die die letzten Seiten füllen. Fast jedes ist mit einem Bild von Franziskus geschmückt, doch gleichzeitig auch mit Fotos von Geldscheinen, welche den Leser zur Teilnahme an Gewinnspielen ermutigen sollen. Der materielle Gewinn steht hier klar im Vordergrund. Bescheidenheit sieht für mich eigentlich anders aus.

Text: Gereon Kuriewicz, Student der Religionsiwissenschaften und derzeit Praktikant in der Abteilung Öffentlichkeit bei Adveniat