Schutz für Flüchtlinge aus Venezuela

Die Bischöfliche Kommission Adveniat hat auf ihrer Reise nach Ecuador eine Flüchtlingsunterkunft in Quito besucht. Dort leben derzeit 31 Flüchtlinge in einem Zentrum, das von Maristenbrüdern betreut wird. „Der Einsatz und Schutz für Flüchtlinge aus Venezuela ist eine wesentliche Aufgabe für Adveniat“, betonte Weihbischof Reinhard Hauke, stellvertretender Vorsitzender der Adveniat-Kommission.

Die Adveniat-Delegation mit den Flüchtlingen aus Venezuela und Bischof Mario Moronta (Bildmitte) aus San Cristóbal de Venezuela.

In der Einrichtung traf die Delegation auch auf den stellvertretenden Vorsitzenden der Venezolanischen Bischofskonferenz, Bischof Mario Moronta Rodríguez von San Cristóbal de Venezuela sowie auf den Apostolischen Nuntius in Venezuela, Andrés Carrascosa Coso. Mehrere Flüchtlinge aus Venezuela berichteten von ihren Erfahrungen auf der Flucht aus dem Land sowie von den Gründen für ihre Flucht. „Ich habe 31 Jahre als Lehrer in einer kirchlichen Schule gearbeitet“, berichtete ein Flüchtling. „Aber der Lohn von mir und meiner Frau reichte einfach nicht mehr zum Überleben für meine Familie.“ Durch den anhaltenden Verfall der venezolanischen Währung sei das Geld kaum noch etwas wert gewesen, berichtete der frühere Lehrer, der bei „Fé y Alegría“ gearbeitet hatte. Als sein Sohn ankündigte, er wolle das Land verlassen, um im Ausland Geld für die Familie zu verdienen, habe er selbst das Kreuz auf sich genommen und seinem Sohn gesagt, er solle sein Examen an der Universität beendigen.

  
Flüchtlinge aus Venezuela berichteten über ihre Erlebnisse auf der Flucht und ihre jetzige Lebenssituation in Ecuador. Auch der Apostolische Nuntius in Ecuador, Erzbischof Andrés Carrascosa, hörte aufmerksam zu.

Mehr als zwei Stunden berichteten die Flüchtlinge von der Gastfreundschaft in Ecuador, aber auch von den Problemen, gültige Papiere zu erhalten. Seit Jahren hat die venezolanische Regierung kaum noch Reisepässe ausgestellt, und keiner der Flüchtlinge, die im Maristenzentrum in Quito leben, verfügt über einen gültigen Reisepass. Um eine qualifizierte Arbeit zu bekommen, sind gültige Papiere aber Grundvoraussetzung. „Ich bin studierter Elektroingenieur“, berichtete ein junger Mann, der seine Familie in Maracaibo zurücklassen musste. „In Quito verdiene ich ein wenig Geld, indem ich in den Nachbarschaft Fernseher oder Klimaanlagen repariere. Dabei werden in Ecuador qualifizierte Fachleute doch gesucht.“

Bischof Mario Moronta aus Venezuela ermutigte die Flüchtlinge, durchzuhalten. Jeder von ihnen wolle zurückkehren, doch es werde einen langen Atem brauchen, bevor Venezuela wieder ein blühendes Land werde.  Mehr als eine halbe Million Menschen aus dem krisengeschüttelten Venezuela sind derzeit in Ecuador. Das Land Ecuador zählt 16,7 Millionen Einwohner. Kirchliche Einrichtungen und Orden betreuen viele der Flüchtlinge. Adveniat unterstützt sie dabei.

Zum Gottesdienst mit Bschof Mario Moronta in der „Basilica del Voto Nacional“ in Quito, Ecuador, waren Hunderte Flüchtlinge aus Venezuela gekommen.

In einem Gottesdienst in der „Basilica del Voto Nacional“, an dem Hunderte Flüchtlinge aus Venezuela teilnahmen, betonte Moronta, die Kirche kenne keine Grenzen, daher sei es auch nicht notwendig, dass sie Reisepässe anerkenne. Die Hilfe, die die Kirche an vielen Orten den Flüchtlingen gebe, sei Ausdruck dieser Überzeugung. Bei der Gabenbereitung des emotionalen Gottesdienstes brachten Flüchtlingsfamilien Zeugnisse ihres Weges aus Venezuela zum Altar: Rucksäcke, Laufschuhe, Reisepässe und Universitätsdiplome sowie Erinnerungen an ihre Heimat: Fahnen und typische Speisen sowie das Bild der Jungfrau von Coromoto, der Patronin Venezuelas.

Beim Gottesdienst in der Basilika: Adveniat-Geschäftsführer Stephan Jentgens.

Zu den Konzelebranten gehörten auch die vier Weihbischöfe aus der Adveniat-Kommission: Reinhard Hauke (Erfurt), stellv. Vorsitzender der Bischöflichen Kommission Adveniat, Dr. Udo Bentz (Mainz), Matthias König (Paderborn) und Rolf Steinhäuser (Köln).

Text: Christian Frevel
Fotos: Jürgen Escher/Adveniat