Paraguay: Sie haben weniger als das Nötigste

Das erste Mal in meinem Leben habe ich hautnah miterlebt, was es für Menschen bedeutet Hunger zu leiden. So wenig zu haben, dass es für das Nötigste nicht genügt. Dabei wirkt das kleine Stückchen Land von Ernesto Juarez und seiner Familie so idyllisch. Im Schatten der Bäume liegt es im Herzen des Chaco im Gebiet Campo Loa. Die Kinder der Nivaclé-Familie tummeln sich vor der Hütte, das Kleinste liegt friedlich in der Hängematte und schläft.

Doch als Ernesto uns sein Häuschen zeigt, wird schnell klar, dass die Lebensbedingungen dieser Familie mehr als schwer sind. Die Hütte ist aus Wellblech, Holz und Planen gebaut. Ein Raum innen und ein überdachter Bereich außen. Insgesamt vielleicht 20 Quadratmeter. Hier wohnt die Familie mit 14 Personen. „Dort schlafen wir zu viert“, sagt er und deutet auf eine schwarze Plane auf dem Boden unter dem Vordach. Die unzähligen kleinen Löcher im Wellblech hat er mit Kaugummi notdürftig zugeklebt. „Wenn es regnet tropft uns Nachts immer das Wasser ins Gesicht“, sagt der 72-Jährige mit einem verlegenen Lächeln. Seine Frau steht daneben und nickt. Im Innern der Hütte liegen ein paar dünne Matratzen auf dem Boden – hier schlafen seine Kinder und Enkelkinder.

Seine Frau Isabel bereitet gerade über dem Feuer etwas zu Essen vor. Es gibt eine Suppe aus Tomaten mit ein paar winzig kleinen Nudeln. Ein Topf. Halb gefüllt, für 14 Personen.

Und trotzdem wirkt diese Familie so friedlich, ja von Außen betrachtet sogar zufrieden. Die Eltern sind froh, dass sie momentan überhaupt etwas haben. Im Moment ist es ganz gut. Es hat geregnet und die Felder werfen etwas ab. Ernesto hat Glück, dass er ein Stückchen Land besitzt. Aus der staubtrockenen Erde sprießen im Abstand von ein bis zwei Metern ein paar winzig kleine Pflanzen aus der Erde. Daneben liegen einige Melonen, die momentan genügend Wasser haben, um zu reifen und die Ernesto demnächst ernten und verkaufen kann. Doch während der Dürrephase, die im Chaco teilweise bis zu elf Monate dauert, hat die Familie schwer zu kämpfen. „Manchmal haben wir so wenig zu essen, dass wir nur den Kindern etwas geben können. Wir essen dann nichts“, sagt Ernesto.

Text und Fotos: Mareille Landau