Sorge um die Menschen am Rand der Gesellschaft

Erzbischof Schick mit Bruder Henri Erzbischof Schick und Prälat Klaschka sind zu unserer Gruppe gestoßen – mit Hindernissen. Der Bamberger Erzbischof hatte seinen Anschlussflug in Chicago verpasst und kam erst heute Morgen. Prälat Klaschka, Adveniat-Geschäftsführer, ist bereits gestern eingetroffen, doch auch sein Anschluss hatte Verspätung. So war gestern wenig Zeit, um Eindrücke in Haiti zu sammeln, zumal es in strömen regnete und unser Allradwagen nicht weiterhalf, da zwei Lastwagen in einer riesigen Pfütze, ach wo, einem Schlammloch stecken geblieben waren. Da hieß es, eine Stunde Umweg zu fahren…

Gemeinsam mit dem Erzbischof von Bamberg, der ja auch Vorsitzender der Kommission „Weltkirche“ der Deutschen Bischofskonferenz ist, fuhren wir in Cap Haitien in das Projekt für Behinderte, das von den „Missionaries of The Poor“ betreut wird. Diese in Jamaica gegründete Ordensgemeinschaft sorgt sich vor allem um die Menschen, die von der Gesellschaft ausgeschlossen werden: Alte, Gebrechliche, Behinderte. Bruder Henri Lozano führt über das weitläufige Gelände, auf dem Häuser für Alte und Gebrechliche Menschen sowie für behinderte Kinder befinden. Sie werden hier aufopfernd von den Ordensmännern betreut. Die Brüder stammen aus Indien, Jamaica und von den Philippinen, und sie verrichten ihren Dienst still, abgeschirmt vom hektischen Leben draußen vor den Mauern der Einrichtung.

Ein US-amerikanischer Arzt, der eine Zeit freiwillig in der Einrichtung für die behinderten Kinder mitarbeitet, ist voll des Lobes: Ja, es gebe große Fortschritte bei den Kindern. Ja, die Arbeit sei professionell. Nein, sonst gebe es keine Einrichtung, die diese Arbeit leiste.

Erzbischof Schick, der direkt von einer 12tägigen China-Reise nach Haiti kommt, beweist Einfühlungsvermögen, Sprachtalent und bewundernswerte Kondition. Jürgen Eckert, sein Pressesprecher und Mitglied unserer Delegation, berichtet, dass der Erzbischof in Bamberg fast jeden Morgen beim joggen zu sehen sei – aber da müsse man schon sehr früh aufstehen. Die Gruppe im Armenviertel Sainte Philomène

Am Nachmittag sind wir gemeinsam in der Pfarrei Sainte-Philomène, zu der ein riesiges Armenviertel gehört. Die Familien haben ihre Häuser nahezu planlos an die Hänge gebaut, immer wieder gebe es Erdrutsche, durch die Teile dieser Häuser mit in die Tiefe gerissen würde, erklärt und der Katechist der Gemeinde.

Der Fußweg den Berg hinauf in die Siedlung ist steil und bei diesem feucht-heißen Wetter schweißtreibend. Verwundert sehen uns die Leute an, die staunend registrieren, dass Weiße sich offensichtlich auch ohne die Sicherheits-Garde der UN-Truppen in die Armenviertel trauen, und wir schauen unsererseits bewundernd auf die Schulkinder, die, ihre Rucksäcke auf dem Rücken, lachend und offensichtlich mühelos den Beg hinauflaufen, den wir mühsamen Schrittes zur Hälfte erklommen haben.

Am abend sitze ich auf der Terrasse unserer Unterkunft, eines Hotels, das eigentlich geschlossen ist (offensichtlich gibt es weder Touristen noch Geschäftsleute, die sich nach Cap Haitien verirren), und suche nach einem Internet-Zugang. Wenn ich mich ganz in die Ecke des Parkplatzes setze, erwische ich eine offene WLAN, in die ich mich einfach einklinke, nicht wissend, wer da mein Türöffner in die Welt des Internets ist. Aber immerhin: So kommt mein Blog ins Netz.

 

Christian Frevel