Tag der Ausbildung: Warum Luisa Journalistin geworden ist

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Peru hat einen guten Ruf im investigativen Journalismus. Immer wieder haben engagierte Journalisten die Raenke der Maechtigen aufgedeckt. Die wenigsten der Journalismus-Studierenden verschreiben sich dieser Königsdisziplin des Journalismus, auch in Peru. Luisa García Tellez ist eine der wenigen. Seit zwei Jahren arbeitet sie – zuerst als Praktikantin – beim Investigativ-Journalismus-Projekt „IDL-Reporteros“ und hat mit ihren 23 Jahren bereits Furore gemacht: Ihre Artikelserie über die intransparenten Regeln im peruanischen privaten Pensionskassensystem, und wie die Pensionskassen tricksen zu ungunsten der Pensionierten, haben die Menschen in Peru aufgerüttelt und mit zu einer neuen Gesetzesvorlage geführt.
Luisa García erzählt, wie sie zum Journalismus gefunden hat.

“Ich kam zum Journalismus, weil ich Geschichten schreiben wollte. Mit 16 Jahren war mir die gesellschaftliche Rolle dieses Berufs nicht bewusst, aber mich faszinierte der kommunikative Prozess vom Schreiben zum Lesen. In diesem Alter, war das das Einzige, worüber ich mir im Klaren war. Und so begann ich das Studium der Literaturwissenschaft an der Universidad Nacional Mayor de San Marcos und das Studium der Journalistik an der Pontificia Universidad Católica del Perú. Zunächst habe ich mich mehr der Literatur zugewendet, aber das änderte sich nach und nach. Durch meine universitären Studien begann ich mich für einen speziellen Typ des Journalismus zu interessieren, den des investigativen. Die beinahe besessene Arbeit, die Anstrengung, das Rätsel einer Geschichte zu lösen, das versteckt bleiben will, und der Moment, in dem sich die Puzzleteile zusammenfügen, erschienen mir faszinierend.

Im letzten Jahr meines Journalistikstudiums, absolvierte ich ein vorberufliches Praktikum in einer investigativen Redaktion. Und sofort interessierte ich mich für eine spezielle Thematik: die Wirtschaft. Wie kam ich von der Literatur zur Wirtschaft? Das frage ich mich selbst bis heute.

Dank eines Kurses an der Uni wurde ich aufmerksam auf ein Thema, das Millionen Menschen in meinem Land betrifft: das private Rentensystem, ein bis dahin komplett unbekanntes Feld für mich, sodass ich mit meinen Recherchen bei Null anfangen musste. Und wenn Leser fiktionaler Literatur sich gewöhnlich durch die Geschichte einer Figur berühren lassen, so vermutete ich auch hier Millionen von Lesern. Nach und nach erschien mir die Literatur zwar als wunderbares Feld, allerdings für den eigenen Genuss; und der Journalismus eine permanente Herausforderung, die auch andere betraf.

Ich beendete mein Studium im Dezember 2012, und seither habe ich über kein anderes Thema geschrieben, weil es genau so interessant wie unerschöpflich ist. Und was noch hinzugefügt werden muss: Ich versuche gerade, mir zwei Ideen anzueignen und praktisch umzusetzen.

Die erste Idee: Die Reporter machen Probleme öffentlich und führen darüber Nachweise, aber müssen keine Lösungen erzwingen. Die zweite Idee: „Die Erzählweise einer Story muss Dich packen“, sagte mir vor einigen Monaten ein Literaturprofessor; und das ist das Prinzip der Empathie mit den Lesern, das alle Reporter hoffentlich immer präsent haben.

Davon ausgehend kann ich schlussendlich ohne Zweifel bestätigen, dass der Journalismus der beste Weg ist, Geschichten zu rekonstruieren und zu erzählen (und das war es, was ich mit 16 Jahren gerne wollte). Geschichten schreiben, die den Bürgen helfen, für sich selbst Änderungen in die Wege zu leiten, die ihre Lebensqualität verbessern, und die ihnen helfen, glücklicher zu sein.

Autorin: Luisa García Tellez

Foto: Hildegard Willer