Amerika-Gipfel: Was Europa und die USA von Lateinamerika lernen können

Eine Woche lang haben sich die Delegationen aus Nord-, Zentral und Südamerika sowie der Karibik im kolumbianischen Cartagena ausgetauscht. Hart wurde gerungen, diskutiert und kritisiert. Ein echter Amerika-Gipfel eben.

Und doch war diesmal für den europäischen Betrachter etwas anders als bei den Gipfeltreffen in Europa oder den USA. Es flogen keine Molotow-Cocktails wie in Davos oder Brüssel. Keine (bezahlten) Berufsdemonstranten versuchten die Veranstaltung zu stören. Webseiten wurden nicht gehackt, keine Innenstädte demoliert. Ganze zwei Feuerwerkskörper explodierten dieser Tage, von den internationalen Nachrichtenagenturen zu "Sprengsätzen" aufgebauscht. Tatsächliche Bilanz: Sachschäden: keine, Personenschäden: keine. Das Großaufgebot der kolumbianischen Polizei, offensichtlich auf Freundlichkeit getrimmt, hatte angespannte aber ruhige Tage in Cartagena.

Amerika-Gipfel: Wie Uncle Sam einen Ruf zerstört

Wer Cartagena schon vor dem Amerika-Gipfel gekannt hat, reibt sich verwundert die Augen. Blitzsaubere Strände, autofreie Straßen und weit und breit keine Bettler zu sehen. Die Organisatoren haben ihr "Bestes" gegeben, um die schönste Seite der kolonialen Touristenmetropole zu zeigen. Bettler, so hört man von den Nachbarn meines Hotels, seien schon vor ein paar Tagen aus dem Verkehr gezogen worden. Sie hat man während des Events direkt von der Straße geholt und in Billighotel ge- oder besser gesagt versteckt. Die Strände gereinigt, die Altstadt für den allgemeinen Verkehr gesperrt.

Amerika-Gipfel: Abgeschirmt und unter sich

Der Weg zum Hotel ist eine Herausforderung. Es sind zwar nur fünf Minuten vom Kongresszentrum bis zum "Casa Sweety", so heißt die nette Herberge, aber die sind gepflastert von kleinen Pausen. Dann nämlich, wenn sich die unzähligen Autokarawanen der 33 Delegationen beim 6. Amerika-Gipfel ihren Weg durch die viel zu engen Gassen in Cartagena schlängeln. Für Autos, vor allem nicht für die, die viel Platz brauchen und gleich in Kolonnen kommen, ist diese koloniale Altstadt nicht gemacht.

Amerika-Gipfel: Nur wer twittert, gewinnt…

Schon an den Flughäfen beginnt die Betreuung: Freundliche junge Damen und Herren warten mit einem Schild welches das Logo des Amerika-Gipfels trägt. Diplomaten, Journalisten und Hilfskräfte aus insgesamt 33 Ländern sollen Kolumbien von seiner besten Seite kennenlernen. Dafür hat das südamerikanische Land als Gastgeber der 6. Auflage des kontinentalen Gipfeltreffens viel Geld in die Hand genommen.

Journalisten, das wissen die Marketingstrategen, sind eben Multiplikatoren. Fühlen sie sich im Land wohl, strahlt das auf die Berichterstattung aus, bringt vielleicht neue Touristen ins Land. Wohl auch deshalb fiel die Wahl der Gastgeber auf Cartagena als Austragungsort. Die Kulisse der Kolonialstadt ist perfekt für schöne Fernsehbilder. US-Präsident Barack Obama in der historischen Altstadt der Stadt an der Karibikküste - von solchen Bildern träumt jeder Tourismusmanager. In den nächsten Tagen werden dieser Bilder um die Welt gehen, zumindest um die US-amerikanische und die lateinamerikanische.