!Buenos Aires tiene muchas caras!

!Buenos Aires tiene muchas caras! – Buenos Aires hat viele Gesichter. Seit drei Tagen bin ich nun hier und lerne immer wieder eine neue Seite dieser Stadt kennen. Ein Puzzle, das sich langsam zu einem Bild zusammenfügt, das diese Metropole gleichermaßen attraktiv wie erschreckend macht: Koloniale Prunkbauten, herrlich lebendige touristische Viertel wie der berühmte Stadtteil San Telmo, aber eben auch die vielen Villas, die Hunderttausende von Einwanderern schlucken und sie wie ein schwarzes Loch aus dem Leben der schicken Großstadt heraussaugen. Weiterlesen

Zu Gast in der Obdachlosengemeinde von São Paulo

Schon bei den verschiedenen Fahrten durch São Paulo waren sie unübersehbar: Die Obdachlosen der Millionenstadt. Es sind Zehntausende, und sie kampieren unter Brücken, auf den Gehsteigen, auf dem Grünstreifen der Stadtautobahn. Manche haben einen Einkaufswagen, in dem sie ihre wenigen Habseligkeiten vor sich herschieben, andere liegen ohne Schutz auf einem Stück Pappe und schlafen.

Es war der frühere Erzbischof von São Paulo, Dom Paulo Evaristo Arns, der die Sorge um die Obdachlosen für so wichtig erachtete, dass er in der Kurie der Erzdiözese ein Bischofsvikariat für das „Volk auf der Straße“ (o vicariato do povo da rua“ einrichtete. 1997 wurde mit der „Casa de Oração“ ein Gebets- und Versammlungshaus für die Obdachlosengemeinde errichtet. Padre Julio Lancelotti, der Bischofsvikar für das „Volk auf der Straße“, empfängt uns am Eingang zum Gemeindehaus. Aufgrund seines kompromisslosen Einsatzes ist bereits mehrfach angezeigt worden, sah sich Schmäh- und Verleumdungskampagnen ausgesetzt. Und noch immer sieht er seine Aufgabe auch politisch: „Das Volk schreit nach Erbarmen“, zitiert er den Psalmenvers – und bezieht dies auch bewusst auf die Situation der Obdachlosen. Immer wieder geschieht es, dass Ordnungskräfte (der Polizei oder private) Obdachlose schlagen, misshandeln – und es gab auch Morde. Mehrfach sind die Obdachlosen zu hunderten, angeführt von Padre Julio und unterstützt durch viele andere Gemeinden in São Paulo, protestierend durch die Innenstadt gezogen, um für Schutz und bessere Übernachtungsmöglichkeiten zu demonstrieren. Weiterlesen

Eröffnung der Adveniat-Aktion 2011

Pünktlich zum Beginn des Gottesdienstes kam die Sonne über der Favela „Futuro Melhor“ im Viertel Cachoeirinha heraus. Als Kardinal Odilo Scherer, der Erzbischof von São Paulo, die Eucharistiefeier zur Eröffnung der Adveniat-Jahresaktion begann, lachte die Sonne den Bewohnern des Viertels ins Gesicht. Ein Strahlen zeigte sich auch auf den Gesichtern der vielen Menschen, die dieses Ereignis in Brasilien vorbereitet hatten: Nach 18 Monaten Vorbereitung konnte via Zweites Deutsches Fernsehen ein Stück brasilianischer Realität, Ausdruck weltkirchlichen Miteinanders, in deutsche Wohnstuben gebracht werden. Weiterlesen

Kongress mit Adveniat-Lied und Adveniat-Torte

Der Kongress in Aparecida geht zu Ende. Es ist ein Abschluss „der so wohl nur in Lateinamerika möglich ist“, sagte Erzbischof Robert Zollitsch, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz. Zollitsch meinte damit den Gottesdienst am morgen in der Wallfahrtsbasilika „Nossa Senhora Aparecida“, der den Abschlusstag eingeleitet hatte. Die Messe war ein großes Fest der Glaubensfreude, und sie war Dank und Würdigung für das 50-jährige Wirken von Adveniat in Lateinamerika. Ein szenischer Wagen wurde durch die Basilika gerollt und verdeutlichte die Projektarbeit von Adveniat vor allem in den Bereichen der Bildung, der Transport- und Kommunikationsmittel und des Aufbaus kirchlicher Infrastruktur. Und dazu wurde das neue Adveniat-Lied gespielt, mit der Musik von Reinhard Horn und dem Text von Hans-Jürgen Netz: „An der Seite der Armen ein Licht anzünden, im Dunkel dieser Welt, an der Seite der Schwachen zur Hilfe werden im Elend dieser Welt …“ Jugendorchester und Chor der „PEMSA“ Aparecida hatten das Lied einstudiert es und bereits gestern abend beim festlichen Konzert für alle Teilnehmer aufgeführt: Eine größere Überraschung hätten die brasilianischen Gastgeber den deutschen Gästen kaum bereiten können. Weiterlesen

Wie brutal können Gegensätze sein?

Ausblick auf Rios Zuckerhut.

Ausblick auf Rios Zuckerhut.

Brasilien ist auf dem besten Weg zu einer ernst zunehmenden Wirtschaftsmacht. Bestes Beispiel: Rio de Janeiro. Moderne Hochhausarchitektur, mehrspurige Stadtautobahnen, auf denen Autokolonnen Samba tanzen, internationale Firmenlogos, die nachts die Strassen beleuchten – schnell erkennbare Zeichen mit eindeutiger Signatur: Brasilien geht es gut. Und die Brasilianer, allen voran ihre Präsidentin Dilma Rousseff, wollen diesen Kurs verfestigen.

Aber: Wie brutal können Gegensätze sein? Da ist die saftig grüne Stadt mit Palmen, exotischen Pflanzen. Das sind Berghügel, zwischen denen sich Hochhäuser wie Schlangengewächse empor hangeln. Ein Paradies umgürtelt von einem breiten, unüberschaubaren Meer von Wellblech, den Favelas. Ohne Straßenbau, ohne Kanalisation, ohne fließendes Wasser. Was sich hier abspielt, ist weit entfernt von Großstadtromantik. Hier herrschen der Drogenkrieg, die Macht der Kriminalität und Prostitution. Eine Ordnung neben der Ordnung. Betäubende Schwüle, dröhnender Lärm aus Musikboxen, der Geruch von Alkohol, Haschisch vernebeln den Blick auf gewohnte Regeln. Weiterlesen

Überleben in El Chorrillo

Häuser im Armutsviertel El Chorrillo, Panama Stadt

In dem von Adveniat finanzierten Pick Up mit Doppelkabine lässt es sich gut und sicher reisen – meinen wir. Der Besuch in dem von den Mercedariern geführeten Sozialwerk der Pfarrei für Kinder und Alte inmitten des berüchtigten Problemviertels El Chorrillo, nahe der Altstadt von Panama-City, war sehr eindrucksvoll. Die beiden Padres aus Spanien leben in einem Ambiente, wo sie täglich aus nächster Nähe mit Gewalt und Übergriffen konfrontiert sind.

Wir drei Frauen und Padre Francisco sind auf dem Rückweg durch die löchrigen und vermüllten Straßen dieses Barrio, als plötzlich von der Seite her ein junger Kerl gegen das Auto knallt, der Padre deshalb langsamer fährt und dann – schneller als man überhaupt denken kann – der Griff von einem anderen Jungen in das geöffnete Wagenfenster, der zielsicher die Handtasche vom Boden des Wagens herauszerrt und wie ein Blitz davonrennt in einen Hauseingang hinein. Der Padre hält an, ruft auf seinem Handy die Polizei und geht unerschrocken durch das Gewimmel von Kindern und herumlungernden Jugendlichen in das Haus hinein. Weiterlesen