Guatemala: Unsichtbare Gewalt

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Friedlich sieht er aus, der Basketballplatz gegenüber der Kirche Santa Catarina Pinula. Doch bei Dunkelheit ist es der gefährlichste Ort im Viertel. Fotos: Achim Pohl

Guatemala ist nach Honduras und zusammen mit El Salvador das gefährlichste Land Lateinamerikas. Auf den ersten Blick wirkt es nicht so. Auf dem Platz gegenüber der großen Kirche in Santa Catarina Pinula findet gerade ein Basketballspiel statt. Um das Feld sitzen Zuschauer und nippen an ihrer Cola. Nebenan wird in kleinen Grüppchen Fußball gespielt, manchmal rollt der Ball zu Kleinkindern, die mit ihren Dreirädern unterwegs sind. Gefährlich wirkt das alles nicht.

„Alleine traue ich mich nicht rüber“, sagt mir Marina und schaut von den Treppenstufen der Kirche zum gegenüberliegenden Platz. Die junge Frau wohnt in dem Viertel und engagiert sich in der Gemeinde von Santa Catarina Pinula. „Es ist der gefährlichste Ort hier im Viertel.“ Das sei vor allem bei Dunkelheit so, aber auch jetzt wäre niemand sicher. Die gemütliche Wochenendstimmung trügt. Das Viertel um die Kirche ist ein Rotlichtviertel und Drogenumschlagplatz Nummer eins. Niemandem ist anzusehen, ob er zu einer der berüchtigten Jungendbanden gehört, die in Guatemala alle Menschen in Angst versetzen. Innerhalb von Sekunden könne die friedliche Stimmung umschlagen. „Früher war das nicht so. Da konnten wir auch abends noch mit unseren Freunden auf der Straße spielen. Jetzt treffen wir uns nur noch drinnen“, erzählt Marina.

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Kolumbien: Arbeiter für den Frieden

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Padre Dario im Interview mit Thomas Milz in der Krypta, die derzeit saniert wird. Fotos: Jürgen Escher

Leichter Nieselregen heißt uns willkommen, graue Wolken liegen über Bogotá, der ersten Station unserer Kolumbienreise. Vor der Basilika der Herz Jesu Kirche im armen Süden Bogotás begrüßt uns Padre Darío Echeverry González, ein Claretinerpater, der hier als Kaplan tätig ist. Und derzeit als Bauleiter. Die Kirche ist von Gerüsten umgeben, Bauarbeiter bessern die Fassade aus. Die massive, rund vier Meter große Holztür, liegt im Eingangsbereich der Kirche.

Die Kirche, die in Kolumbien unter dem Namen „Voto Nacional“ bekannt ist, repräsentiert ein wichtiges Stück Geschichte für das südamerikanische Land. „Zwischen 1898 und 1902 tobte in Kolumbien der Krieg der tausend Tage, ein Bürgerkrieg, der mit der Abtrennung Panamas von Kolumbien endete“, erzählt uns Padre Darío. Mehr als 100.000 Menschen seien ihm zum Opfer gefallen, eine nationale Katastrophe. In Erinnerung an die Opfer wurde 1902 der Bau der Kirche in Auftrag gegeben. Padre Darío führt uns in die Krypta, wo Bauarbeiter gerade dabei sind, den Boden abzutragen. Knietief steht Wasser in den engen Gängen.

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Die Autofahrt nach Miragoâne

Seit fast zwei Stunden ruckeln wir bereits über buckelpistenähnliche Straßen zur Schule „St. Michel“ in Miragoâne, im Süden Haitis gelegen. Ohweia! Da bin ich schon reisekrank, bevor ich ankomme. Gestern bin ich tatsächlich nicht zum Schreiben gekommen, weil ich gerade so ein tolles Buch lese: „Ein ganzes halbes Jahr“, und da will ich permanent wissen, wie es weitergeht, und ich kann das Buch einfach nicht aus der Hand legen …

Ein Haus der an Straße nach Miragoâne: Motorräder und Taxisbusse sind in haiti wichtige Transportmittel, viele Menschen müssen aber auch schwere Lasten zu Fuß transportieren.

Ein Haus der an Straße nach Miragoâne: Motorräder und Taxisbusse sind in haiti wichtige Transportmittel, viele Menschen müssen aber auch schwere Lasten zu Fuß transportieren.

Eine Schwester begleitet mich dorthin, damit, falls es auf der Straße zu anderen Schwierigkeiten kommen sollte als meiner Übelkeit, wie zum Beispiel eine Demonstration gegen die aktuellen politischen Verhältnisse, jemand dabei ist der a) Kreolisch spricht und b) mir helfen kann. Die Örtchen, oder besser gesagt Häuseransammlungen, durch die wir fahren, sind sämtlich vermüllt. Die Häuser sehen so aus, als wären sie noch im Rohbau, sind aber dennoch bewohnt. Manchmal sind man noch Ruinen von Häusern, die beim Erdbeben 2010 zerstört wurden. Die Bewohner halten sich fast alle an der Straße vor ihren Häusern auf. Manche haben trotz ihrer dunkelbraunen Hautfarbe einen fahlen Teint und gelbliche Augen und sehen sehr krank aus. Wie üblich, verbrennt hier und da ein Haufen Müll auf offener Straße. Am Straßenrand steht eine Frau und sieht, dass ich weiß bin. Sofort beginnt sie, wild zu gestikulieren, um mir zu bedeuten, dass sie Hunger hat. Hunger haben hier viele.

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Argentinien: Somos gente pobre con corazón grande – Wir sind arme Leute mit einem großen Herzen

1Stella Maris, üblicherweise auf den Namen Panqui hörend und vor vielen Jahren aus Paraguay nach Argentinien ausgewandert, bringt die Botschaft des Tages in einleuchtenden Worten auf den Punkt. Einleuchtend: das passt zum Festgeheimnis dieses Pfingsttages. Der 8. Juni korrespondiert auf der nördlichen Halbkugel mit dem Winterdatum des 8. Dezember – ebenfalls ein besonderer Feiertag im Kirchenjahr. Hier in Argentinien dürfen wir einen strahlenden Tag erleben, eine strahlende Sonne leuchtet vom blau-weißen Himmel. Kein Wunder, dass die argentinische Flagge genau diese Symbole und Farben darstellt. Aber heute, an Pfingsten, geht es nicht nur um Argentinien. Wir sind in Moreno zusammengekommen, einer Trabantenvorstadt von Buenos Aires. Die Gottesdienstteilnehmer versammeln sich in der Capilla San José, hauptsächlich Immigranten aus Paraguay, auch einige Bolivianer und Peruaner sind da – und eben die Besucher aus Deutschland.

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Brasilien – Weltmeister der sozialen Unterschiede

Im Stadion "Arena Castelao" in Fortaleza wird auch die deutsche Elf bei der Fußball-WM 2014 spielen - Hubertus Gärtner von der Neuen Westfälischen Zeitung macht sich auf der Adveniat-Pressereise dafür warm. Foto: Bastian Henning

In der Arena Castelao in Fortaleza wird auch die deutsche Elf bei der Fußball-WM spielen – Hubertus Gärtner von der Neuen Westfälischen Zeitung macht sich auf der Adveniat-Pressereise dafür warm. Foto: Bastian Henning

Fortaleza. Wer in einer Woche etwa 20.000 Kilometer zurücklegt und dabei in den vier brasilianischen Millionenmetropolen Rio de Janeiro, Sao Paulo, Recife und Fortaleza Station macht, der muss am Ende wohl zwangsläufig ein wenig müde und erschöpft sein. So geht es nun auch mir, der ich in den vergangenen Tagen im Land des WM-Gastgebers unterwegs gewesen bin. Veranstalter der Pressereise  war die katholische Hilfsorganisation Adveniat. Ihr Anliegen ist es, gerade vor dem Beginn der kommenden Fußball-Weltmeisterschaft den Blick nicht nur auf Sport und Glamour, sondern  auch auf die sozialen Probleme zu lenken, von denen es in Lateinamerika leider immer noch viel zu viele gibt.

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Brasilien: Raus aus dem Paradies!

DSC_3648Gleich kann zu Mittag gegessen werden, aber vorerst tuckert das rote Fischerboot gemächlich noch ein kleines Stück weiter in die Flussmündung. Stolz steht Lailson am Bug dieses kleinen Kahns, der ihn durch sein Revier fährt, denn er ist der Präsident der Colonia Z08 – so heißt das Fischereigebiet im Schatten des neuen Hafens von Suape.

DSC_3633Wer sich mit dem freundlichen 55-Jährigen aufmacht, dieses Stückchen Erde Brasiliens zu erkunden, dem offenbart sich schnell ein traumhaftes Terrain. Sandstrände wie im Hochglanz-Reiseprospekt, Mangroven, aus denen die Vögel empört gen Himmel flattern, weil das Boot auf dem tiefblauen Wasser ihrem Baum zu nahe kommt. Natur pur – auf der einen Seite der Mündung des Rio Ipojuca.

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