Brasilien: Dem wahren Kölner ist alles Rhein

Ehemalige Lastkräne am Amazonasufer in Belém.

Dem wahren Kölner ist alles Rhein. Deswegen kann ihn selbst der Amazonas nicht wirklich beeindrucken. Die alten, restaurierten Kräne in der Hafenanlage von Belem, der Zweimillionenstadt in der Flussmündung des Amazonas? Na ja, ganz nett, aber die Kräne Rheinauhafen am Südkai sind erstens größer und zweitens viel schön hergerichtet. Die pittoresken weißen Flussschiffe in Santarem, etwa 1000 Kilometer westlich den Fluss hinaus gelegen? Nichts gegen die KD mit ihrer weißen Flotte! Und Papageien im tropischen Regenwald? Also bitte, davon gibt’s in Kardinal Meisners Garten doch auch schon mehr als genug. Weiterlesen

Brasilien: Heiligs-Cleverle in Aparecida

Läge sein Einsatzort im Schwäbischen, dann würden sie Dom Darci Nicioli dort ein Cleverle nennen. Vielleicht sogar ein Heiligs-Cleverle. Denn der Redemptoristenpater kümmert sich um fromme Angelegenheit, nur halt in Brasilien und nicht auf der Schwäbischen Alp. Er arbeitet im Range eines Weihbischofs als Wallfahrtsdirektor des Nationalheiligtums Aparecida, des größten Wallfahrtsort im ganzen Land mit jährlich mehr als elf Millionen Besuchern. Zum Vergleich: In Deutschland hält das bayerische Altötting mit einer knappen Million Pilgern den Spitzenplatz unter den Marienwallfahrtsorten. Weltweit braucht sich mit Aparecida im Bundesstaat Sao Paolo nur noch mit Guadalupe in Mexiko zu messen, wo pro Jahr 18 Millionen Pilger zusammenkommen sollen. Sollen – wie Dom Darci eigens betont. Die Kollegen oben in Mexiko arbeiten nämlich bloß mit Schätzungen, während er in Aparecida akribisch rechnen lässt: Jeder Fußwallfahrer, jedes Auto, jeder Bus wird von einer eigens dafür zuständigen Zählbrigade erfasst. Übers Jahr entsteht so ein genaues Profil der Pilgerströme. Dom Darci weiß damit, zu welcher Jahreszeit, an welchen Tagen der Ansturm der Massen am größten ist und kann seine Logistik darauf ausrichten: Verpflegung ordern, Getränke bereitstellen, die Zahl der Ordner festlegen. Das alles will schließlich gut geplant sein, damit der Besuch bei Unserer Lieben Erschienenen Frau glattgeht und zu einem ungetrübten Festtag für die Pilger wird. Für einen gläubigen Katholiken, also eigentlich für fast jeden Brasilianer, ist der Aufenthalt in Aparecida ein Highlight, eine Kombination von frommem Erlebnis beim Defilée vorbei am Gnadenbild der Schwarzen Muttergottes und danach beim Essen, Trinken, Shoppen in der kreuzförmig gestalteten riesigen Mall oder beim Besuch des Vergnügungsparks samt Fahrgeschäften und Geisterbahn – alles auf kirchlichem Gelände rings um die gigantische Wallfahrtskirche gelegen. Der 1954 begonnene und bis heute nicht vollendete Neubau für eine kleine seit 1717 verehrte Marienstatuette gehört zu den größten Kirchen der Christenheit. Fassungsvermögen: 30.000 Gläubige, wie Dom Darci stolz erklärt. Weiterlesen

Brasilien: Nichts für schwache Nerven

Tag Zwei unserer Pressereise mit Adveniat steht an. Ein Blick auf das Programmheft erinnert mich daran: Der heutige Tag wird nichts für schwache Nerven. Schon früh am Morgen brechen wir mit dem Bus auf in den Stadtteil Santa Teresa. Hier besuchen wir die Favelas Morro do Foguteiro und Morro dos Prazeres, einem der ältesten Armenviertel der Stadt. In beiden Siedlungen ist seit ein paar Jahren die Befriedungspolizei, die Unidade de Polícia Pacificadora (UPP), stationiert. Seitdem haben sich die Drogenbanden zurückgezogen und es herrscht Frieden – das erzählen uns zumindest die Menschen, die wir dort treffen. Weiterlesen

Brasilien: Christentum handfest

Als touristischer Hotspot ist Rio de Janeiro unschlagbar. Das weiß auch, wer zum ersten Mal in die Stadt kommt – und gar nicht in erster Linie auf Sightseeing aus ist, sondern auf Informationen über den bevorstehenden Weltjugendtag im Juli und über soziale Projekte, die Adveniat in Rio unterstützt. Denn wenn die Antwort auf die Frage „Wo geht’s denn hin?“ lautet, „nach Rio“, werden die Augen regelmäßig groß, der Blick sehnsüchtig und der Tonfall neidisch bis spöttisch: „Ach ja, und so was heißt dann Dienstreise…!“
Aber ist es einem zu verdenken, dass man am Strand von Copacabana flaniert, unter der Statue des Cristo Redentor, des Wahrzeichen von Rio auf dem 700 Meter hohen Hügel Corcovado, steht, auf den Zuckerhut gegenüber schaut und dann einfach nur noch „Wow“ sagt? Weiterlesen

Brasilien: In medias res

Ganz sanft setzen die Räder des Flugzeugs auf dem Rollfeld auf. Die Uhr zeigt 04:50 Uhr an – eigentlich noch viel zu früh zum Aufstehen. Doch was soll’s, nach 12 Stunden Flug quer über den Atlantik kann man sich auch schon einmal die Beine vertreten. Am Flughafen von Rio de Janeiro erwartet uns schon Klemens Paffhausen, Brasilien-Referent bei Adveniat, unser Übersetzer und Reiseleiter. An seiner Seite: Roberto José dos Santos. Er ist Koordinator der Kommission für religiöse Betreuung von jugendlichen Straftätern der Erzdiözese Rio. Denn unsere ersten beiden Stationen sind zwei Jugendgefängnisse auf der „Ilha do Governador“, derselben Insel, auf der der Flughafen liegt – ein krasser Einstieg, wenn man bedenkt, dass der gemütliche Alltag zuhause in Deutschland nicht einmal 24 Stunden entfernt ist. Weiterlesen