Maria am Steuer

Christls Auto, in Deutschland würde man dazu Schrotthaufen sagen, hat mal wieder den Geist aufgegeben. Der Geist uns hingegen nicht: Als wir in das Remis (Taxi) steigen, um noch einigermaßen pünktlich zum Interview mit Padre Pepe zu kommen, ahnen wir nicht, dass diese Fahrt für den Remisero kein Zufall ist.

Christl brieft mich im Taxi über den 80-jährigen Padre, der allein durch eine glückliche Fügung – und die Unterstützung von Adveniat – die Militärdiktatur überlebte (eine andere Geschichte, die es lohnt, morgen zu erzählen). Aus dem Augenwinkel beobachte ich den verstohlenen Blick des Taxifahrers im Rückspiegel. Immer wieder fasst er sich auf die Brust. Bei Pepe angekommen, bitten wir ihn, uns in einer Stunde wieder abzuholen. Verlegen fragt er, ob der Padre dann eventuell seine Medalla Maligrosa, ein kleines Medaillon mit dem Konterfei der Jungfrau Maria, segnen könne … Weiterlesen

Ein Kaffee für die Seele

Krasser Gegensatz: vom beschaulichen Vincente Lopez nach Merlo Moreno. 500.000 Menschen leben in der armen Trabantenstadt am Rande von Buenos Aires. Ich wohne bei der Sozialarbeiterin und Religionspädagogin Christl Huber. Christl wohnt in einem kleinen, bescheidenen Haus. Die Stühle auf der Terrasse sind immer besetzt. „Tomas un café?“, fragt Christel jede Frau, die bei ihr Hilfe sucht. Der Tag der Mutter, die mit der todbringenden Droge Pacco um das Leben ihrer beiden Söhne kämpft, ist nach dem Kaffee noch immer schwarz. Aber ein bisschen wärmer. Weiterlesen

Lektion 1: Argentinische Volksmusik

Adveniat-Mitarbeiterin Carolin Kronenburg bloggt aus Buenos Aires, Argentinien

Samstag, 29. Januar 2011

Bei -1 Grad Celsius in Frankfurt gestartet, erwarten mich in Buenos Aires 35 feuchtheiße Grad Celsius. 12.000 Kilometer von Deutschland entfernt ist Hochsommer. Ferienzeit – die Schüler haben von Anfang Dezember bis einschließlich Februar frei. In der Landeshauptstadt (Capital Federal) leben drei Millionen Menschen – die sich übrigens porteños nennen. Der Großraum, Gran Buenos Aires, zaehlt über 12 Millionen Einwohner.

Die ersten zwei Tage wohne ich bei der sechsköpfigen Familie Rosales im schönen Stadtviertel Vincente Lopes, im Norden von Buenos Aires. Die Eltern haben in Deutschland, in München, studiert, die Kinder besuchen die Deutsche Schule in Buenos Aires. Wir sprechen über die politische und wirtschaftliche Situation des Landes, die großen Gegensätze zwischen Arm und Reich, die besonders auch in der Landeshauptstadt sichtbar werden. Tochter Ana hat Psychologie studiert und ist Sozialarbeiterin, ich werde sie in den kommenden Wochen bei der Arbeit besuchen. Weiterlesen