Argentinien: Der “cura villero” von Carcova

Padre Pepe (Mitte)  und Aladio Alberto Aquilles (rechts) auf der Baustelle der Kapelle "San Cayetano te Eseranza" im Gespräch mit einem Bauarbeiter.

Padre Pepe (Mitte) und Aladio Alberto Aquilles (rechts) auf der Baustelle der Kapelle „San Cayetano te Eseranza“ im Gespräch mit einem Bauarbeiter.

Der mit Marienbildern beklebte Fiat, zugegebenermaßen ein schon älteres Modell, stoppt vor der Bahnstation von Pedro Leon Suarez, am Stadtrand von Buenos Aires. Padre Pepe steigt aus, die Haare zerzaust, ein dichter Bart – er wäre der perfekte Jesus-Darsteller auf Osterfestspielen.

Wir fahren in die nahe gelegene “Villa” Carcova, eines der gefährlichsten Elendsviertel von Buenos Aires. Hier lebt Padre Pepe seit seiner Rückkehr nach Buenos Aires vor rund sechs Monaten. Seit 15 Jahren ist er “embedded”, lebt er als “Villapadre” mitten unter den ärmsten Menschen der sonst so gerne ihren Reichtum zeigenden Hauptstadt. Weiterlesen

WJT: Favela Santa Marta – Ohne Angst, von einer Kugel erwischt zu werden


Die blauen und gelben Papierdrachen tanzen im Wind über den Dächern der rotgemauerten Häuschen. Die Schnüre enden bei Kindern in Badeshorts, die von einem auf das andere Wellblechdach ihrem flatternden Windvogel hinterherspringen. Kennt man den Film „City of God“, fühlt man sich mitten drin in der Kinoszenerie über die Jugendgangs in den Favelas von Rio de Janeiro – mit einem Unterschied: Die Kinder tragen keine Waffen. Und auch die crackverkaufenden Drogenbosse mit den Schnellfeuergewehren fehlen. Weiterlesen

Zu Gast in der Obdachlosengemeinde von São Paulo

Schon bei den verschiedenen Fahrten durch São Paulo waren sie unübersehbar: Die Obdachlosen der Millionenstadt. Es sind Zehntausende, und sie kampieren unter Brücken, auf den Gehsteigen, auf dem Grünstreifen der Stadtautobahn. Manche haben einen Einkaufswagen, in dem sie ihre wenigen Habseligkeiten vor sich herschieben, andere liegen ohne Schutz auf einem Stück Pappe und schlafen.

Es war der frühere Erzbischof von São Paulo, Dom Paulo Evaristo Arns, der die Sorge um die Obdachlosen für so wichtig erachtete, dass er in der Kurie der Erzdiözese ein Bischofsvikariat für das „Volk auf der Straße“ (o vicariato do povo da rua“ einrichtete. 1997 wurde mit der „Casa de Oração“ ein Gebets- und Versammlungshaus für die Obdachlosengemeinde errichtet. Padre Julio Lancelotti, der Bischofsvikar für das „Volk auf der Straße“, empfängt uns am Eingang zum Gemeindehaus. Aufgrund seines kompromisslosen Einsatzes ist bereits mehrfach angezeigt worden, sah sich Schmäh- und Verleumdungskampagnen ausgesetzt. Und noch immer sieht er seine Aufgabe auch politisch: „Das Volk schreit nach Erbarmen“, zitiert er den Psalmenvers – und bezieht dies auch bewusst auf die Situation der Obdachlosen. Immer wieder geschieht es, dass Ordnungskräfte (der Polizei oder private) Obdachlose schlagen, misshandeln – und es gab auch Morde. Mehrfach sind die Obdachlosen zu hunderten, angeführt von Padre Julio und unterstützt durch viele andere Gemeinden in São Paulo, protestierend durch die Innenstadt gezogen, um für Schutz und bessere Übernachtungsmöglichkeiten zu demonstrieren. Weiterlesen

Eröffnung der Adveniat-Aktion 2011

Pünktlich zum Beginn des Gottesdienstes kam die Sonne über der Favela „Futuro Melhor“ im Viertel Cachoeirinha heraus. Als Kardinal Odilo Scherer, der Erzbischof von São Paulo, die Eucharistiefeier zur Eröffnung der Adveniat-Jahresaktion begann, lachte die Sonne den Bewohnern des Viertels ins Gesicht. Ein Strahlen zeigte sich auch auf den Gesichtern der vielen Menschen, die dieses Ereignis in Brasilien vorbereitet hatten: Nach 18 Monaten Vorbereitung konnte via Zweites Deutsches Fernsehen ein Stück brasilianischer Realität, Ausdruck weltkirchlichen Miteinanders, in deutsche Wohnstuben gebracht werden. Weiterlesen

Kongress mit Adveniat-Lied und Adveniat-Torte

Der Kongress in Aparecida geht zu Ende. Es ist ein Abschluss „der so wohl nur in Lateinamerika möglich ist“, sagte Erzbischof Robert Zollitsch, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz. Zollitsch meinte damit den Gottesdienst am morgen in der Wallfahrtsbasilika „Nossa Senhora Aparecida“, der den Abschlusstag eingeleitet hatte. Die Messe war ein großes Fest der Glaubensfreude, und sie war Dank und Würdigung für das 50-jährige Wirken von Adveniat in Lateinamerika. Ein szenischer Wagen wurde durch die Basilika gerollt und verdeutlichte die Projektarbeit von Adveniat vor allem in den Bereichen der Bildung, der Transport- und Kommunikationsmittel und des Aufbaus kirchlicher Infrastruktur. Und dazu wurde das neue Adveniat-Lied gespielt, mit der Musik von Reinhard Horn und dem Text von Hans-Jürgen Netz: „An der Seite der Armen ein Licht anzünden, im Dunkel dieser Welt, an der Seite der Schwachen zur Hilfe werden im Elend dieser Welt …“ Jugendorchester und Chor der „PEMSA“ Aparecida hatten das Lied einstudiert es und bereits gestern abend beim festlichen Konzert für alle Teilnehmer aufgeführt: Eine größere Überraschung hätten die brasilianischen Gastgeber den deutschen Gästen kaum bereiten können. Weiterlesen

Wie brutal können Gegensätze sein?

Ausblick auf Rios Zuckerhut.

Ausblick auf Rios Zuckerhut.

Brasilien ist auf dem besten Weg zu einer ernst zunehmenden Wirtschaftsmacht. Bestes Beispiel: Rio de Janeiro. Moderne Hochhausarchitektur, mehrspurige Stadtautobahnen, auf denen Autokolonnen Samba tanzen, internationale Firmenlogos, die nachts die Strassen beleuchten – schnell erkennbare Zeichen mit eindeutiger Signatur: Brasilien geht es gut. Und die Brasilianer, allen voran ihre Präsidentin Dilma Rousseff, wollen diesen Kurs verfestigen.

Aber: Wie brutal können Gegensätze sein? Da ist die saftig grüne Stadt mit Palmen, exotischen Pflanzen. Das sind Berghügel, zwischen denen sich Hochhäuser wie Schlangengewächse empor hangeln. Ein Paradies umgürtelt von einem breiten, unüberschaubaren Meer von Wellblech, den Favelas. Ohne Straßenbau, ohne Kanalisation, ohne fließendes Wasser. Was sich hier abspielt, ist weit entfernt von Großstadtromantik. Hier herrschen der Drogenkrieg, die Macht der Kriminalität und Prostitution. Eine Ordnung neben der Ordnung. Betäubende Schwüle, dröhnender Lärm aus Musikboxen, der Geruch von Alkohol, Haschisch vernebeln den Blick auf gewohnte Regeln. Weiterlesen