Kolumbien: Opfer und Täter Tür an Tür

Auf dem Gelände des neuen Zentrums: Padre David Fernandez und Adveniat-Bischof Franz Josef Overbeck. Foto: Christian Frevel

Als Padre David Fernandez vor gut zwei Jahren nach Bosa kam, zählte Stadt etwa 48.000 Einwohner. Inzwischen sind es mehr als 100.000, und das weitere Wachstum kann man mit Händen greifen. „Überall werden Wohnhäuser errichtet, täglich ziehen Menschen hierher. Unsere Gemeindestrukturen reichen längst nicht mehr aus.“

Kolumbien: Gespräche über Frieden und Aussöhnung

Gruppenbild nach einem langen Gespräch über die Situation in Kolumbien: Adveniat-Bischof Franz-Josef Overbeck und Bischof Luis Augusto Castro Quiroga, der Vorsitzende der Kolumbianischen Bischofskonferenz, zusammen mit Prälat Bernd Klaschka, Monika Lauer-Perez und Stephan Jentgens von Adveniat.

Gruppenbild nach einem langen Gespräch über die Situation in Kolumbien: Adveniat-Bischof Franz-Josef Overbeck und Bischof Luis Augusto Castro Quiroga, der Vorsitzende der Kolumbianischen Bischofskonferenz, zusammen mit Prälat Bernd Klaschka, Monika Lauer-Perez und Stephan Jentgens von Adveniat.

Adveniat-Bischof Franz-Josef Overbeck ist in Kolumbien unterwegs, um sich über die Situation des Landes und die Arbeit der Kirche zu informieren. Zudem besucht er Adveniat-Projekte und spricht mit Projektpartnern. Die Reise findet statt im Kontext der diesjährigen Adveniat-Aktion, die die Arbeit der Kirche in Lateinamerika für Frieden und Gerechtigkeit in den Mittelpunkt stellt. 

Luis Augusto Castro Quiroga ist ein in Sachen Verhandlungen um Frieden erfahrener Mann. Der aktuelle Vorsitzende der Kolumbianischen Bischofskonferenz hat selbst mehrfach an Verhandlungen zwischen der Regierung Kolumbiens und der FARC-Guerilla teilgenommen, zumeist in vermittelnder Position. Die Kirche in Kolumbien ist vielen Jahren bemüht, den seit 1964 anhaltenden Bürgerkrieg beenden zu helfen, und zum ersten Mal in den mehr als 50 Jahren bewaffneten Konflikts scheint es jetzt, dass die Verhandlungen Chancen auf eine Einigung haben. Weiterlesen

Kolumbien: Friedensarbeiter an der Basis

Margarita Martines und Gloria Viuda Hidalgo (Laien einer Coppas-­ Gruppe) besuchen die im Rollstuhl sitzende Luz Angelica Guevera. Fotos: Jürgen Escher

Wir sind in Pasto angekommen, der letzten Station unserer Kolumbienreise. Die auf 2.500 Metern Höhe in einem Tal der Anden gelegene Stadt war lange durch ihre Abgeschiedenheit vom Rest Kolumbiens abgetrennt. Erst seitdem die Pan-Americana-Autobahn sich auf dem Weg an die nur 90 Kilometer entfernte Grenze zu Ecuador an Pasto entlang vorbeischlängelt, fand die Region wieder den Anschluss.

Doch der vom fernen Bogotá aus gesteuerte Staat ist immer noch weit entfernt. Unter Ex-Präsident Álvaro Uribe flossen sogar über Jahre kaum öffentliche Gelder in die von der Opposition regierte Region. Die Ergebnisse der Vernachlässigung sind überall: schlechte Schulen, mangelhaft ausgestattete Hospitäler, kaum Ausbildungs- oder Arbeitsplätze, Sozialwohnungen nur für Anhänger der Regierung, dazu mit Schlaglöchern übersäte Wege. Weiterlesen

Kolumbien: Arbeiter für den Frieden

JE_Blog_1_Kolumbien_3

Padre Dario im Interview mit Thomas Milz in der Krypta, die derzeit saniert wird. Fotos: Jürgen Escher

Leichter Nieselregen heißt uns willkommen, graue Wolken liegen über Bogotá, der ersten Station unserer Kolumbienreise. Vor der Basilika der Herz Jesu Kirche im armen Süden Bogotás begrüßt uns Padre Darío Echeverry González, ein Claretinerpater, der hier als Kaplan tätig ist. Und derzeit als Bauleiter. Die Kirche ist von Gerüsten umgeben, Bauarbeiter bessern die Fassade aus. Die massive, rund vier Meter große Holztür, liegt im Eingangsbereich der Kirche.

Die Kirche, die in Kolumbien unter dem Namen „Voto Nacional“ bekannt ist, repräsentiert ein wichtiges Stück Geschichte für das südamerikanische Land. „Zwischen 1898 und 1902 tobte in Kolumbien der Krieg der tausend Tage, ein Bürgerkrieg, der mit der Abtrennung Panamas von Kolumbien endete“, erzählt uns Padre Darío. Mehr als 100.000 Menschen seien ihm zum Opfer gefallen, eine nationale Katastrophe. In Erinnerung an die Opfer wurde 1902 der Bau der Kirche in Auftrag gegeben. Padre Darío führt uns in die Krypta, wo Bauarbeiter gerade dabei sind, den Boden abzutragen. Knietief steht Wasser in den engen Gängen. Weiterlesen

Ein echter Esquivel fürs Büro

„Adolfo Perez Esquivel 1980 – 2005″ steht auf der Fahne am Haus mit der Nummer 730 in der Calle Piedras. Das Banner erinnert an das Jahr 1980, in dem Esquivel überraschend den Friedensnobelpreis gewann. Nach dem 25-jährigen Jubiläum hat man sie einfach hängen lassen. Esquivel war vom norwegischen Auswahlkomitee für seinen Kampf gegen die Militärdiktatur ausgezeichnet worden. Dieses Jahr wird der Nobelpreisträger 80 Jahre alt. Freudig aufgeregt gehe ich die drei Stufen zur Haustür hoch und drücke auf den verrosteten Klingelknopf: „Soy Carolina Kronenburg de Adveniat“, brülle ich aus Leibeskräften in die Sprechanlage, in der Hoffnung, den Straßenlärm zu übertönen. Kurze Zeit später begrüßt mich der 79-Jährige herzlich, wie es in Argentinien üblich ist, mit einem Kuss auf die Wange. Wir nehmen am runden Besuchertisch in der zweiten Etage des alten Hauses Platz. Gesprächsthemen sind die aktuelle politische Situation in Argentinien und in den Nachbarländern, die soziale Ungerechtigkeit im Land, die Rolle der Kirche auf dem Weg zu mehr Gerechtigkeit und die Definition von Frieden. Weltbewegende Wünsche für sein 80. Lebensjahr hat der ehemalige Professor für Architektur, Malerei und Bildhauerei nicht. „So weiterleben wie bisher und weiter Kunst betreiben können“, sagt er bescheiden. Das wünscht er auch Adveniat zum 50. Geburtstag: Das Hilfswerk für die Menschen in Lateinamerika möge weiter aus dem Glauben heraus in die Welt wirken! Am Ende des Interviews holt Esquivel ein Blatt Papier und einen Stift hervor und zeichnet mit weichen und geschwungenen Linien das Konterfei einer Frau. „Für Dich: Eine kleine Erinnerung an unser Gespräch“, sagt er und lacht. Künftig habe ich also einen echten Esquivel im Büro hängen! Weiterlesen