Kinderalltag in Rio: Maria Clara aus „Complexo 18“

Maria Clara stapft angestrengt den Hügel hoch. Zwischen Steinen, Matsch und Müll setzt sie ihre kleinen Füßchen in den bunten Flipflops. Jeden Wochentag macht die Zweijährige um kurz vor sieben an der Hand ihrer Mutter den Aufstieg.

Mittagessen in der Kinderkrippe Pintinho Dourado (Goldenes Küken): Für mache Kinder sind die Mahlzeiten das einzige Essen, das sie bekommen. Die KiTa wird vom Verein Kinder in Rio getragen, der Mitglied im Aktionsbündnis "Rio bewegt. Uns." ist.

Mittagessen in der Kinderkrippe Pintinho Dourado (Goldenes Küken): Für mache Kinder sind die Mahlzeiten das einzige Essen, das sie bekommen. Die KiTa wird vom Verein Kinder in Rio getragen, der Mitglied im Aktionsbündnis „Rio bewegt. Uns.“ ist.

Denn dann geht es in die Kita. Sie liegt nicht weit weg von ihrem Haus, aber der große Hügel ist eine enorme Hürde für die Kleine. Viele Kinder steigen zu dieser Zeit den Hügel hinauf, an der Hand ihrer Eltern oder älteren Geschwister. Die, die niemanden haben, der sie bringt, können nicht zur Kita kommen – der Aufstieg ist zu beschwerlich und zu gefährlich. Nicht nur wegen der Rutschgefahr. Weiterlesen

Kolumbien: Die Geiseln der Coca

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Bischof Omar hat einen Traum: ein Coca-freies Catatumbo. Gemeinsam mit Bauern (hier im Bergdorf Pacelli) entwickelt der Bischof einen alternativen Plan zum Anbau landwirtschaftlicher Produkte in der Region. Fotos: Jürgen Escher

„Die Coca-Pflanze öffnet hier ständig neue Wege“. Omar Alberto Sánchez, Bischof von Tibú und Ende des Jahres im Rahmen der Adveniat-Jahresaktion zu Gast in Deutschland, sitzt am Steuer seines Landrovers „Hercules“. Und wundert sich. Links und rechts der Schlaglochpiste, über die wir seit Stunden hinwegrumpeln, entdeckt der Bischof neue, ihm bisher unbekannte Wege. „Wo neue Coca-Pflanzungen entstehen sollen, müssen erst mal neue Wege angelegt werden.“

Wir sind in der Region Catatumbo unterwegs, dem Einzugsgebiet des gleichnamigen Flusses an der Grenze von Kolumbien und Venezuela. Einst wurde hier Kakao, Kaffee und Zuckerrohr angebaut. Mitte der 90er Jahre hielt dann die Coca-Pflanze Einzug in die entlegene Region. Weiterlesen

Kolumbien: 500 Bilder für 500 Ermordete

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Ulrike Purrer mit einer Jugendgruppe zu Besuch in der „Casa de la Memoria“. Fotos: Jürgen Escher

Das Zentrum Tumacos gleicht einem Ameisenhaufen. Straßenhändler bieten Früchte an, die allgegenwärtigen Motorräder befördern die Menschen als Taxiersatz für wenig Geld von einem Ende der Insel zum nächsten. Wir sollen die Fahrer nicht fotografieren, warnt unsere Gastgeberin Ulrike Purrer, Leiterin der Jugendarbeit der Diözese. Einige der Motorradfahrer seien gleichzeitig für viele der Ermordungen verantwortlich, stünden im Dienste der sich bekämpfenden Gruppen.

In einem schmalen Gebäude liegt die „Casa de la Memoria“, eine Gedenkstätte für die Opfer der anhaltenden Gewalt in Tumaco, die mit finanzieller Unterstützung von Adveniat aufgebaut wurde. Viermal so hoch wie im Landesdurchschnitt ist die Mordrate in der Stadt, kaum ein Jahr vergeht ohne 200 bis 300 Morde. In der „Casa“ hängen die Bilder von 500 Ermordeten. Ulrike Purrer ist heute mit ihrer Jugendgruppe vor Ort, zum ersten Mal besuchen die Jugendlichen die Gedenkstätte. Weiterlesen

Kolumbien: Leben als Ausnahmezustand

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Treffen mit Jugendlichen der Jugendpastoral in der „Casa de la Memoria“ (rechts: Ulrike Purrer). Fotos: Jürgen Escher

Die zweite Station unserer Kolumbienreise liegt im äußersten Süden, an der vom Rest des Landes isolierten Pazifikküste. Aus der Luft betrachtet liegt die 80.000 Einwohner zählende Küstenstadt Tumaco traumhaft, ein von Urwald umgebener Ort mit Badestränden. Doch bereits im Landeanflug können wir die armen Pfahlbauten sehen, die in die Mangroven hinein gebaut wurden.

Tumaco liegt auf zwei Inseln inmitten einer Bucht. Die große Mehrheit der Menschen hier sind Afrokolumbianer, die in den letzten Jahrzehnten aus den Urwaldregionen in die Stadt gezogen sind. Hier haben sie ihre Holzhütten auf Pfählen in die Uferregionen gebaut, wo sie unter prekären hygienischen Bedingungen leben. Weiterlesen

Guatemala: Unsichtbare Gewalt

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Friedlich sieht er aus, der Basketballplatz gegenüber der Kirche Santa Catarina Pinula. Doch bei Dunkelheit ist es der gefährlichste Ort im Viertel. Fotos: Achim Pohl

Guatemala ist nach Honduras und zusammen mit El Salvador das gefährlichste Land Lateinamerikas. Auf den ersten Blick wirkt es nicht so. Auf dem Platz gegenüber der großen Kirche in Santa Catarina Pinula findet gerade ein Basketballspiel statt. Um das Feld sitzen Zuschauer und nippen an ihrer Cola. Nebenan wird in kleinen Grüppchen Fußball gespielt, manchmal rollt der Ball zu Kleinkindern, die mit ihren Dreirädern unterwegs sind. Gefährlich wirkt das alles nicht.

„Alleine traue ich mich nicht rüber“, sagt mir Marina und schaut von den Treppenstufen der Kirche zum gegenüberliegenden Platz. Die junge Frau wohnt in dem Viertel und engagiert sich in der Gemeinde von Santa Catarina Pinula. „Es ist der gefährlichste Ort hier im Viertel.“ Das sei vor allem bei Dunkelheit so, aber auch jetzt wäre niemand sicher. Die gemütliche Wochenendstimmung trügt. Das Viertel um die Kirche ist ein Rotlichtviertel und Drogenumschlagplatz Nummer eins. Niemandem ist anzusehen, ob er zu einer der berüchtigten Jungendbanden gehört, die in Guatemala alle Menschen in Angst versetzen. Innerhalb von Sekunden könne die friedliche Stimmung umschlagen. „Früher war das nicht so. Da konnten wir auch abends noch mit unseren Freunden auf der Straße spielen. Jetzt treffen wir uns nur noch drinnen“, erzählt Marina. Weiterlesen

Kolumbien: Arbeiter für den Frieden

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Padre Dario im Interview mit Thomas Milz in der Krypta, die derzeit saniert wird. Fotos: Jürgen Escher

Leichter Nieselregen heißt uns willkommen, graue Wolken liegen über Bogotá, der ersten Station unserer Kolumbienreise. Vor der Basilika der Herz Jesu Kirche im armen Süden Bogotás begrüßt uns Padre Darío Echeverry González, ein Claretinerpater, der hier als Kaplan tätig ist. Und derzeit als Bauleiter. Die Kirche ist von Gerüsten umgeben, Bauarbeiter bessern die Fassade aus. Die massive, rund vier Meter große Holztür, liegt im Eingangsbereich der Kirche.

Die Kirche, die in Kolumbien unter dem Namen „Voto Nacional“ bekannt ist, repräsentiert ein wichtiges Stück Geschichte für das südamerikanische Land. „Zwischen 1898 und 1902 tobte in Kolumbien der Krieg der tausend Tage, ein Bürgerkrieg, der mit der Abtrennung Panamas von Kolumbien endete“, erzählt uns Padre Darío. Mehr als 100.000 Menschen seien ihm zum Opfer gefallen, eine nationale Katastrophe. In Erinnerung an die Opfer wurde 1902 der Bau der Kirche in Auftrag gegeben. Padre Darío führt uns in die Krypta, wo Bauarbeiter gerade dabei sind, den Boden abzutragen. Knietief steht Wasser in den engen Gängen. Weiterlesen