Argentinien: Ruinen einer Utopie?

1Unsere Reise hat uns heute nach San Ignacio Mini in Missiones geführt. Hier haben 1698 die Jesuiten eine ihrer berühmten Reduktionen gegründet. Die Ruinen gehören inzwischen zum Weltkulturerbe, eine Anlage, die auch heute noch zum Staunen bringt.

3Ca. 4000 Indigene fanden damals Zuflucht vor den portugiesischen Sklavenfängern. Eine straff organisierte Gemeinschaft, in der die gewählten Katziken (Gemeinderäte) die Rechtssprechung innehatten. Zu ihren Aufgaben gehörte es auch, die Arbeit zu überwachen, die Sauberkeit zu überprüfen, Haare zu schneiden, das Essen zu probieren und die Anwesenheit der Kinder bei der Arbeit zu überprüfen. Vom nahegelegenen Parana-Fluss schleppten die Menschen die Sandsteine an, aus denen die Häuser, das Rathaus und die riesige Kirche gebaut sind. Die Jesuiten lehrten die Menschen Instrumentenbau und lernten selbst die Sprache der Guarani. Nur zwei Ordensmänner lebten in der Gemeinschaft und formten eine Sozialwesen, in dem die europäische und die einheimische Kultur gewaltfrei zusammenwirkten. Eine Utopie, die mit dem Verbot des Jesuitenordens in sich zusammenbrach – die Indigenen waren ihres Schutzes beraubt und flohen zurück in die Wälder. Die Natur holte sich das Territorium zurück. Nach vielen Jahren üppiger Vegetation sind die Ruinen seit kurzer Zeit wieder zugänglich. Weiterlesen

Argentinien: „Fortschritt, dass hieß für die Regierungen, uns Indigenen das Land zu rauben und uns zu töten“

1111Die Überlandstraße führt von Formosa aus ins Nirgendwo. Wenigstens für uns, die wir aus Mitteleuropa dichte Besiedelung und kleine Landschaften gewohnt sind. Ins Nirgendwo. Immer schnurstracks geradeaus, nach Nordosten, in Richtung der Provinz Chaco. Doch wir werden erwartet. Sehnlich. Sieben Kilometer vor der Provinzgrenze biegen wir nach gut zwei Stunden Geradeausfahrt ab vom Highway. Da steht ein betonierter Schuppen. Er hat keine Fenster und ist gelb angestrichen. Auf dem Gelb prangt schwarzl das Abbild von Che Guevara, einer Ikone des Gerechtigkeitskampfes längst vergangener Zeiten. Weiterlesen

Argentinien: Der Papst und die Frauen

Wichtige Menschen treffen wir in diesen Tagen auf unserer Reise „auf den Spuren von Papst Franziskus“ in Argentinien. Ein leibhaftiger Friedensnobelpreisträger ist dabei, Bischöfe natürlich, Professoren und meinungsbildende Journalisten. Und dann sind da zwei eher zufällige Begegnungen mit zwei Frauen, die mich besonders beeindrucken:

444Andrea Gómez arbeitet an der Pforte der UCA, der katholischen Universität in Buenos Aires. Sie soll Papst Franziskus gut kennen, höre ich. Als ich sie nach dem Heiligen Vater frage, sagt sie strahlend: „Für mich ist und bleibt er Jorge“. Einmal im Monat kam er, als er noch Erzbischof von Buenos Aires war, zu ihr und ihrem Mann zum Mittagessen. „Immer mit der U-Bahn“, betont Andrea. Zurückgebracht habe ihr Mann ihn dann im Auto. Auch heute stehen sie noch in regelmäßigem Kontakt: „Wir telefonieren alle drei bis vier Wochen“, sagt sie strahlend, ehe sie doch ein wenig wehmütig ergänzt: „Ich habe einen Freund verloren, die Welt hat einen Papst gewonnen.“ Weiterlesen

Argentinien: Somos gente pobre con corazón grande – Wir sind arme Leute mit einem großen Herzen

1Stella Maris, üblicherweise auf den Namen Panqui hörend und vor vielen Jahren aus Paraguay nach Argentinien ausgewandert, bringt die Botschaft des Tages in einleuchtenden Worten auf den Punkt. Einleuchtend: das passt zum Festgeheimnis dieses Pfingsttages. Der 8. Juni korrespondiert auf der nördlichen Halbkugel mit dem Winterdatum des 8. Dezember – ebenfalls ein besonderer Feiertag im Kirchenjahr. Hier in Argentinien dürfen wir einen strahlenden Tag erleben, eine strahlende Sonne leuchtet vom blau-weißen Himmel. Kein Wunder, dass die argentinische Flagge genau diese Symbole und Farben darstellt. Aber heute, an Pfingsten, geht es nicht nur um Argentinien. Wir sind in Moreno zusammengekommen, einer Trabantenvorstadt von Buenos Aires. Die Gottesdienstteilnehmer versammeln sich in der Capilla San José, hauptsächlich Immigranten aus Paraguay, auch einige Bolivianer und Peruaner sind da – und eben die Besucher aus Deutschland. Weiterlesen

Argentinien: Wo Padre Jorge seine Zeitung kaufte – Auf den Spuren von Papst Franziskus durch Buenos Aires

IMG_8013„Die ersten waren drei Mexikaner“, erinnert sich Eugenia. Gut ein Jahr ist es her, dass ihr Chef sie eines Tages angerufen habe und gesagt habe: „Eugenia, ich habe hier eine Anfrage von Touristen, die sich auf die Spuren von Papst Franziskus machen wollen: überleg dir bitte mal, was du ihnen zeigen kannst.“ Eugenia, die seit acht Jahren als Touristenführerin in Buenos Aires arbeitet, war verblüfft, doch: gefragt getan! Zwar räumt sie ein, dass die Mexikaner noch eine etwas improvisierte Tour erlebten, doch inzwischen ist der „Circuito Papal“ durch die argentinische Metropole nicht nur zum professionellen Angebot für „Papst-Touristen“ geworden, sondern sogar der Renner. „Durch Padre Jorge (so nennt Eugenia Papst Franziskus noch immer liebevoll) haben wir viel mehr Nachfragen“, sagt sie. Aus Europa würden vor allem Italiener und Spanier den Spuren des ersten lateinamerikanischen Papstes folgen wollen. Weiterlesen