Ein Wundermittel namens Sprühsahne

Der Sonntag begann mit der morgendlichen Messe. Ich saß da und fragte mich eine Viertelstunde lang, warum ich nichts verstehe, oder nur ein paar Worte. Nuschelt der Pfarrer? Dann kam ich drauf: Die Messe wurde auf Kreolisch gehalten! Das ist echt krass: Man denkt, es sei Französisch, als würde jemand den Klang der französischen Sprache perfekt imitieren, es ist aber keins, und man denkt, man hat was an den Ohren…

Léogâne liegt südwestlich der haitianischen Hauptstadt Port-au-Prince - und war damit nahe des Epizentrums des Erdbebens von 2010. Vom Schwesternhaus, in dem Eva-Habermann einen Monat zu Gast ist, bis zur Hauptstadt von Haiti benötigt man mit dem Auto knapp eine Stunde.

Léogâne liegt südwestlich der haitianischen Hauptstadt Port-au-Prince – und war damit nahe des Epizentrums des Erdbebens von 2010. Vom Schwesternhaus, in dem Eva-Habermann einen Monat zu Gast ist, bis zur Hauptstadt von Haiti benötigt man mit dem Auto knapp eine Stunde.

So hab ich also nichts verstehend die Messe verbracht. Nach der Messe merkte ich, dass es schwierig wurde, wenn ich mich abseits der Schwestern nahe der Kirche aufhielt, da ich sofort von Mitgliedern der Gemeinde mit bittenden Händen und den Worten „Ich habe Hunger“ angebettelt wurde. Ich gab ihnen die paar Bonbons, die ich noch in der Tasche hatte. Mein Geld hatte ich bei der Kollekte in der Messe abgegeben. Man kann als Einzelperson leider nicht jedem helfen. Aber wenn Viele helfen, wie zum Beispiel in der Adveniat-Kollekte in Deutschland, dann kann Vieles geschehen.
Zuhause (im Schwesternhaus) angekommen, begann ich dann sowohl einen Apfelkuchen zu backen, als auch den Nudelauflauf nach dem Rezept meiner Mutter zu machen. Innerhalb von ein paar Minuten füllte sich die Küche mit sehr neugierigen Kindern und mit nicht weniger neugierigen Ordensfrauen. Ich fühlte mich wie ein Showkoch à la Lafer, Lichter, Lecker. Jeder einzelne Schritt wurde aufmerksam verfolgt. Es gab keine Waage zum Abwiegen der Zutaten, also habe ich mit Tassen das Ganze berechnet. Ich verzweifelte etwas an dem Backofen, der auch im Ofenrohr mit Gas und einer Flamme von unten beheizt wird, so dass mein Apfelkuchen binnen kürzester Zeit vor sich hinblubberte, als würde man einen Pudding kochen.
Da funktionierte das mit dem Nudelauflauf schon besser. Zu meiner Verwunderung ist der Kuchen dann doch noch irgendwann fest geworden. Pfeffer für den Nudelauflauf musste erstmal aufwendig gesucht werden, da er schlichtweg nicht benutzt wird in der haitianischen Küche. Der zehnjährige Jules sagte bekümmert, das auf der Packung aufgedruckte Haltbarkeitsdatum sei abgelaufen. Ich beschloss, dass das nicht so schlimm sei, ich habe noch nie davon gehört, dass Pfeffer schlecht werden könne. War er auch nicht.
Der große Hit war bei den Kindern allerdings die Sprühsahne (die eigentlich ZUM Kuchen gereicht werden sollte). Ich hatte im Supermarkt in Port-au-Prince der Einfachheit halber Sprühsahne gekauft. So was gibt es in Haiti schlichtweg nicht. Die Begeisterung war groß und die Sprühsahne schon alle, bevor der Kuchen überhaupt serviert war, da alle (auch die Schwestern) begeistert Sprühsahne pur aßen. Ich hätte mir also sämtliche Kochkünste, was das Dessert betraf, sparen können und alle Anwesenden mit zehn Dosen Sprühsahne entzücken können. Ich glaube, das mache ich das nächste Mal – ist auf jeden Fall einfacher als Kuchenbacken.
Sprühsahne findet man auch wirklich nur in Port-au-Prince im „Supermarché Caribian“, dem größten Supermarkt in Haiti. Shelda bekam dann später noch mit Schwester Edna Ärger, weil sie wohl am Vortag für vier Stunden spurlos verschwunden war und ein Rendezvous hatte, während wir in Port-au-Prince waren. Ich fragte Schwester Edna, was sie erwarte? „Shelda ist fünfzehn. Da soll so was vorkommen.“
Der pinke Nagellack, den ich aus der Hauptstadt mitgebracht hatte, konnte Shelda zwar kurz aus ihrem Frust reißen, aber den Rest des Tages schmollte sie allen gegenüber. Das heißt: allen Erwachsenen gegenüber, weil wir alles dürfen und sie „nichts.“ Tja, die Schwestern können (wie so manche deutsche Mutter) mitunter recht streng sein. Liebevoll, aber eineindeutig: „Nein“ bedeutet dann ein „Nein“ und nicht ein „vielleicht doch“. Weiterlesen

Waschtag in Haiti

Zeit für Gespräche über Gott und die Welt: Schauspielerin Eva Habermann beim Waschtag im Schwesternhaus in Léogâne in Haiti, geminsam mit den Novizinnen des Ordens.

Zeit für Gespräche über Gott und die Welt: Schauspielerin Eva Habermann beim Waschtag im Schwesternhaus in Léogâne in Haiti, gemeinsam mit den Novizinnen des Ordens.

Nach dem heutigen Waschtag, der jeden Mittwoch stattfindet, bin ich mit mir im „Reinen“ , habe butterweiche Hände von der Seife und saubere Fingernägel wie nie zuvor, und ganz wichtig: Ich weiß Bescheid über Gott und die Welt. Das ist der Vorteil, wenn man mit Novizinnen Wäsche wäscht, die sind nämlich sehr gesprächig.

Also: Hier auf dem Terrain leben insgesamt zehn Waisenkinder im Alter von drei bis 17 Jahren. Sie wurden von den Schwestern quasi adoptiert aus christlicher Nächstenliebe. Ansonsten kümmern sich die Schwestern um die religiöse Erziehung in der Schule, die sich ebenfalls auf dem Terrain befindet. Weiterlesen

„Madame Eva“ und Haitis Kinder

Eva Habermann mit Kindern im Projekt "Foyer de l'Espérance" in Carrefour während ihres Besuches in Adveniat-Projekten im Frühjahr 2014 in Haiti.   Foto: Martin Steffen

Eva Habermann mit Kindern im Projekt „Foyer de l’Espérance“ in Carrefour während ihres Besuches in Adveniat-Projekten im Frühjahr 2014 in Haiti. Foto: Martin Steffen

Die Idylle hier im Schwesternhaus in Léogâne wird nur gestört durch einen kleinen strubbeligen Hund, der mich jedes Mal, wenn er mich sieht, bedrohlich anknurrt, obwohl er sich größentechnisch auch für meine Handtasche als Aufpasshund eignen würde. Ob ihm das bewusst ist?

Ich erhole mich gerade von einem „intensiven“ Vormittag in der Schule „École Nôtre Dame des Anges“. Die Schwestern hatten mich den Kindern als „Madame Eva“ angekündigt, die eine „Fremde“ sei, aber dennoch eine „Freundin“. „Fremde“ (oder auch: Ausländerin) bezieht sich darauf, dass ich elf Flugstunden unterwegs war um hierherzukommen und darauf, dass es „Weiße“ hier schlichtweg nicht gibt. Weder zum Reden noch zum Anfassen. Weiterlesen

Gelandet in Haiti

Schwester Alta mit einer Zeitschrift, in der über den ersten Besuch von Eva Habermann in Haiti berichtet wird. Foto: Habermann

Schwester Alta mit einer Zeitschrift, in der über den ersten Besuch von Eva Habermann in Haiti berichtet wird.   Foto: Habermann

Endlich gelandet in Haiti. Es ist 9 Uhr morgens. Am Flughafen ist sehr viel Gewusel – die Einzige, die ich gerade nicht entdecke, ist Schwester Alta. Na, hoffentlich hat das alles funktioniert mit der Abholung?! Stattdessen sind hier sehr viele Taxifahrer, die mir bereits halb den Koffer aus der Hand reißen und ihn in ihr Taxi verschleppen möchten. „No, no merci…!“ Mein Französisch ist mir auch gerade abhanden gekommen, aber zum Protestieren reicht es gerade noch – mein Kopf ist leer, und ich bin etwas müde von der Reise… Weiterlesen

Eva Habermann: Auf dem Weg nach Haiti

Hab ich alles dabei? Das frag ich mich nunmehr schon seit zwei Tagen. Moskitonetz, Moskitospray, Geschenke für die Ordensschwestern, Loom-Bänder zum Selbstbasteln für die Kiddies, meine Hausapotheke? Was gibt es dort wohl- was gibt es nicht?

Bereits im April 2014 war die Schauspielerin Eva Habermann in Adveniat-Bildungsprojekten in haiti. Jetzt macht sie sich für einen Monat in das Land auf, um dort Ordensfrauen in einem Bildungsprojekt zu unterstützen.

Bereits im April 2014 war die Schauspielerin Eva Habermann in Adveniat-Bildungsprojekten in Haiti. Jetzt macht sie sich für einen Monat in das Land auf, um dort Ordensfrauen in einem Bildungsprojekt zu unterstützen.

Ich war zwar im April schon einmal kurz in Haiti, aber ich habe damals nicht in einem Kloster gewohnt. Unter „Kloster“ darf man sich jetzt kein Haus eines kontemplativen (rein betenden) Ordens vorstellen, diese Schwestern sind fleißig wie die Bienen und arbeiten und wergeln von früh bis spät. Weiterlesen

Eva Habermann arbeitet in Adveniat-Projekt in Haiti

Schauspielerin Eva Habermann mit Schwester Alta in der vom Erdbeben zerstörten Schule in Lógâne. im Aveniat-Projekt wird die Schauspielerin einen Monat lang ehrenamtlich mitarbeiten.

Eva Habermann, bekannt aus vielen Fernsehserien und Filmen, war bereits im vergangenen Frühjahr mit Adveniat in Haiti. Seit Jahren spendet die Schauspielerin Gewinne aus Fernsehshows für Projekte in dem karibischen Land, insbesondere zur Verbesserung der Situation der Kinder. Während der Reise durch das Land lernte sie verschiedene Adveniat-Projekte kennen. Anschließend urteilte sie: „Die Ordensfrauen haben mich beeindruckt. Sie sind ein Hoffnungszechen für das Land. Viele leisten schon seit Jahren inmitten von Elend und Armut Dienst und strahlen doch immer Zuversicht aus.“ Und Eva Habermann kündigte an: „Ich möchte im kommenden Winter vier Wochen in einem Adveniat-Projekt in Haiti mitarbeiten, am liebsten bei Ordensfrauen.“ Weiterlesen