Auf den Straßen der Tarahumara

Staub wirbelt auf während der Pick-up die schmalen, holprigen Wege bezwingt. Es sind die Wege hinein in die Sierra Tarahumara im Norden Mexikos, das Land der Rarámuri-Indianer. Neben mir erstreckt sich die Schlucht bis zu 1.800 Meter Tiefe, an manchen Stellen nur eine Armlänge vom Autoreifen entfernt.  „Man muss verrückt sein hier lang zu fahren“, sind meine Gedanken, und ich spreche ein kleines Gebet. Die Höhe ist schwindelerregend, die Luft kühl.

Norberto fährt sicher und lächelt mich von der Seite an. „Tan bonita las Barrancas del Cobre“ sagt er, so schön sei das und meint damit die faszinierende Weite und Schönheit der Kupferschlucht. Dies ist seine Heimat, die Wege sind ihm vertraut.
Für mich hingegen ist es der Beginn einer Reise in eine andere Welt. Fern von den Alltagssorgen in Deutschland scheinen hier Raum und Zeit eine andere Bedeutung zu haben. Das Gebirge zählt mit einer Länge von 50 km zu den größten Schluchtensystemen Nordamerikas. Manche Gipfel erreichen Höhenzüge bis zu 2.400 m über dem Meeresspiegel. In diesem Gebiet wohnen ca. 60.000 Tarahumaras, oder Rarámuri, wie sie sich selbst nennen. Das Wort bedeutet „Jene, die schnell laufen“.
Davon konnte ich mich selbst überzeugen beim diesjährigen Ultramarathon in Urique. Dort kamen 300 Rarámuriläufer und 82 Läufer aus 14 anderen Ländern zusammen um eine der schwersten Herausforderungen anzunehmen: 80 km auf steinigen Wegen, bergauf und bergab, bei ca. 30 Grad. Weiterlesen

Paraguay: Sie haben weniger als das Nötigste

Das erste Mal in meinem Leben habe ich hautnah miterlebt, was es für Menschen bedeutet Hunger zu leiden. So wenig zu haben, dass es für das Nötigste nicht genügt. Dabei wirkt das kleine Stückchen Land von Ernesto Juarez und seiner Familie so idyllisch. Im Schatten der Bäume liegt es im Herzen des Chaco im Gebiet Campo Loa. Die Kinder der Nivaclé-Familie tummeln sich vor der Hütte, das Kleinste liegt friedlich in der Hängematte und schläft.

Doch als Ernesto uns sein Häuschen zeigt, wird schnell klar, dass die Lebensbedingungen dieser Familie mehr als schwer sind. Die Hütte ist aus Wellblech, Holz und Planen gebaut. Ein Raum innen und ein überdachter Bereich außen. Insgesamt vielleicht 20 Quadratmeter. Hier wohnt die Familie mit 14 Personen. „Dort schlafen wir zu viert“, sagt er und deutet auf eine schwarze Plane auf dem Boden unter dem Vordach. Die unzähligen kleinen Löcher im Wellblech hat er mit Kaugummi notdürftig zugeklebt. „Wenn es regnet tropft uns Nachts immer das Wasser ins Gesicht“, sagt der 72-Jährige mit einem verlegenen Lächeln. Seine Frau steht daneben und nickt. Im Innern der Hütte liegen ein paar dünne Matratzen auf dem Boden – hier schlafen seine Kinder und Enkelkinder. Weiterlesen