Mexiko: Indigenenpastoral? Das ist doch ganz einfach!

Podiumsdiskussion beim Internationalen Kongress mit Gerhard Kruip (3.v.r.)

Heute gab es auf dem Kongress zur Stadtpastoral in Mexiko eine Diskussionsrunde zur Präsenz der Indigenen in den großen Städten. Ich war als Moderator eingeteilt und besprach mich vorher mit den Vortragenden, wie ich sie vorstellen sollte. Ihre Antwort: keine akademischen Titel oder Publikationen (obwohl sie auch diese durchaus vorzuweisen haben), sondern ihre Verbundenheit mit dem indianischen Volk sollte ich hervorheben, aus dem sie kommen und für das sie sprechen. Ihre Beiträge waren denn auch weniger wissenschaftlich als erfahrungsbezogen und vor allem im Falle der Gruppe aus Oaxaca/Mexiko sehr wohl parteiisch: Sie nahmen eindeutig Stellung zu den Konflikten in Oaxaca, gegen die staatliche Repression, gegen den Hunger, gegen Exklusion und Diskriminierung, gegen Teile der katholischen Kirche, besonders aus der Hierarchie, die sie genauso missachten, wie die mexikanische Oberschicht, die auf die Indigenen herabschaut. Sicher ist die Situation in Lateinamerika nicht überall gleich, aber sicherlich fühlen sich Indigene in den großen Städten oft ausgeschlossen. Sie werden auch oft mehr oder weniger direkt diskriminiert, haben wenige Chancen auf einen Arbeitsplatz oder eine qualitätsvolle Berufsausbildung und leiden unter großer Armut. Und trotz aller theologischen Neuansätze in Richtung einer „indianischen Theologie“ habe ich den Eindruck gewonnen, dass sich die Kirche in ihrer pastoralen Arbeit in der Stadt wenig bis gar nicht um diese indigenen Gruppen kümmert, jedenfalls nicht so, dass sie sie bei ihrem Versuch begleiten und unterstützen würde, ihre eigene, indianisch geprägte Religiosität in der Stadt weiterzuführen und weiterzuentwickeln, um so trotz aller Veränderungen, die das Leben in der Stadt mit sich bringt, ihre eigene Identität zu bewahren. Auf die Frage, mit welcher Methode man denn pastoral auf die Indigenen zugehen sollte, antwortete Manuel Arias, Priester der Diözese Oaxaca, das sei doch ganz einfach, man solle den Indigenen zuhören, ihre Lebenswelt zu verstehen versuchen, sie als Subjekte ihres eigenen Lebens und ihrer eigenen Religiosität ernst nehmen, alles weitere würde sich dann im Dialog mit ihnen ergeben. Weiterlesen

Chile: Durch das Mapucheland

Seitdem wir in Concepcion den Bio-Bio-Fluss überquerten, sind wir in dem traditionellen Siedlungsgebiet der Mapuche unterwegs. Bis 1881 widerstanden die Mapuche den spanischen und nach der Unabhängigkeit chilenischen Bemühungen, südlich des mächtigen Flusses zu siedeln. Erst danach begann die Besiedlung Südchiles. Bis heute akzeptieren die Mapuche ihre darauf folgende Entmündigung nicht.

Die Polizei räumt eine blockierte Straße im "Mapuche-Land".

Unser Wagen muss stoppen, vor uns ist die Straße blockiert. Mapuche haben einige der riesigen Eukalyptusbäume entlang der Straße gefällt und diese damit blockiert. Die Polizei ist mit gepanzerten Fahrzeugen vor Ort, es könnte zu Zusammenstößen mit Mapuche kommen, die im Widerstand gegen die Regierung aktiv sind, meint unser Fahrer. Doch wir sehen erst einmal nur Polizisten, die mit Motorsägen die Straße wieder freizugeben bemüht sind. Weiterlesen

Auf den Straßen der Tarahumara

Staub wirbelt auf während der Pick-up die schmalen, holprigen Wege bezwingt. Es sind die Wege hinein in die Sierra Tarahumara im Norden Mexikos, das Land der Rarámuri-Indianer. Neben mir erstreckt sich die Schlucht bis zu 1.800 Meter Tiefe, an manchen Stellen nur eine Armlänge vom Autoreifen entfernt.  „Man muss verrückt sein hier lang zu fahren“, sind meine Gedanken, und ich spreche ein kleines Gebet. Die Höhe ist schwindelerregend, die Luft kühl.

Norberto fährt sicher und lächelt mich von der Seite an. „Tan bonita las Barrancas del Cobre“ sagt er, so schön sei das und meint damit die faszinierende Weite und Schönheit der Kupferschlucht. Dies ist seine Heimat, die Wege sind ihm vertraut.
Für mich hingegen ist es der Beginn einer Reise in eine andere Welt. Fern von den Alltagssorgen in Deutschland scheinen hier Raum und Zeit eine andere Bedeutung zu haben. Das Gebirge zählt mit einer Länge von 50 km zu den größten Schluchtensystemen Nordamerikas. Manche Gipfel erreichen Höhenzüge bis zu 2.400 m über dem Meeresspiegel. In diesem Gebiet wohnen ca. 60.000 Tarahumaras, oder Rarámuri, wie sie sich selbst nennen. Das Wort bedeutet „Jene, die schnell laufen“.
Davon konnte ich mich selbst überzeugen beim diesjährigen Ultramarathon in Urique. Dort kamen 300 Rarámuriläufer und 82 Läufer aus 14 anderen Ländern zusammen um eine der schwersten Herausforderungen anzunehmen: 80 km auf steinigen Wegen, bergauf und bergab, bei ca. 30 Grad. Weiterlesen

Brasilien: Gedenkmarsch Guarani-Kaiowa

Ein sonniger Morgen, strahlend blauer Himmel – Mittwoch, 30. November  2011. Indigene der Ethnie Guarani-Kaiowá kommen von überall her, vom Norden, Süden, Osten und Westen des Bundesstaates Mato Grosso do Sul. Verwandte der Ethnie Terena, Vertreter anderer indigener Völker des Bundesstaates, der APIB (Articulação dos Povos Indigenas do Brasil, Verband der Indigenen Völker Brasiliens), der COIAB (Coordenação das Organizações Indigenas da Amazônia Brasileira, Koordination der Indigenen Organisationen des Brasilianischen Amazoniens), ARPINSUL (Articulação dos Povos Indigenas da Região Sul, Verband der Indigenen Völker der Region Süden) kommen dazu, sowie Aktivisten von Sozial- und Studentenbewegungen und offizielle Vertreter verschiedener Bundesorgane aus der Hauptstadt Brasília. Weiterlesen

Besuch im Orinoco-Delta

typische Behausung, San Francisco del Guayo, Foto: viajeros.com

Gegen 5.30 h brachen wir, der Bischof von Tucupita, die Verwalterin des Apostolischen Vikariats und ich, zum Besuch des Orinocodeltas auf. In der Anlegestelle Volcán bepackten wir unser Schnellboot, das uns nach Guayo bringen sollte. Dank des starken Motors und des guten Wetters kamen wir bereits nach 3 ½ Stunden Bootsfahrt in San Francisco de Guayo in der Nähe des Atlantik an. Normalerweise macht man den Weg in sechs bis acht Stunden, je nach Wetterlage und Schwere des Bootes. In Guayo wurden wir von einer Schwester in der Missionsstation herzlich Willkommen geheißen. Weiterlesen

Bolivien: Marsch über den Cumbre-Pass

Die Sicht in dem eisigen Nebel beträgt gerade einmal 10 Meter. Wir sind etwa 3 Kilometer unterhalb des Cumbre-Passes, dem 4.650 Meter hohen Eingangstor zu der Hochebene, über die man La Paz erreicht. Die uns entgegen kommenden Lautsprecherwagen kündigen die nicht allzu weit entfernte Spitze des Protestmarsches gegen den Bau der Interoceanica-Fernstraße durch den Naturpark TIPNIS an. dann hören wir sie, ohne sie zu sehen. Auf den seitlich hoch aufragenden Felsen haben Sympathisanten in den letzten Tagen Unterstützungsbotschaften für die seit 65 Tagen marschierenden Indios geschrieben. „Hände weg von TIPNIS“ ist da zu lesen, aber auch ein „Evo se queda“. Weiterlesen