Argentinien: Ruinen einer Utopie?

1Unsere Reise hat uns heute nach San Ignacio Mini in Missiones geführt. Hier haben 1698 die Jesuiten eine ihrer berühmten Reduktionen gegründet. Die Ruinen gehören inzwischen zum Weltkulturerbe, eine Anlage, die auch heute noch zum Staunen bringt.

3Ca. 4000 Indigene fanden damals Zuflucht vor den portugiesischen Sklavenfängern. Eine straff organisierte Gemeinschaft, in der die gewählten Katziken (Gemeinderäte) die Rechtssprechung innehatten. Zu ihren Aufgaben gehörte es auch, die Arbeit zu überwachen, die Sauberkeit zu überprüfen, Haare zu schneiden, das Essen zu probieren und die Anwesenheit der Kinder bei der Arbeit zu überprüfen. Vom nahegelegenen Parana-Fluss schleppten die Menschen die Sandsteine an, aus denen die Häuser, das Rathaus und die riesige Kirche gebaut sind. Die Jesuiten lehrten die Menschen Instrumentenbau und lernten selbst die Sprache der Guarani. Nur zwei Ordensmänner lebten in der Gemeinschaft und formten eine Sozialwesen, in dem die europäische und die einheimische Kultur gewaltfrei zusammenwirkten. Eine Utopie, die mit dem Verbot des Jesuitenordens in sich zusammenbrach – die Indigenen waren ihres Schutzes beraubt und flohen zurück in die Wälder. Die Natur holte sich das Territorium zurück. Nach vielen Jahren üppiger Vegetation sind die Ruinen seit kurzer Zeit wieder zugänglich. Weiterlesen

Delegation: Steinerne Zeugnisse der alten Freiheit

Die steinernen Zeugnisse der untergegangenen Jesuitenreduktionen sind beeindruckend. Obwohl nur noch Ruinen, zeigen sie die Größe und die kluge Planung der Arbeit der Jesuiten bei den Guaraní-Indianern, wie sie die Struktur und die Traditionen der Indígenas beibehielten, ihnen den katholischen Glauben nahe brachten und sie zudem vor den Sklavenjägern, vor allem den „Bandeirantes“ aus dem nahe gelegenen Brasilien schützten.

Von Encarnación kommend, haben wir uns die beiden Reduktionen „La Santísima Trinidad de Paraná“ (Die Allerheiligste Dreifaltigkeit zu Paraná) und „Jesús de Tavarangüe“ angesehen. Beide Orte wurden 1993 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. 1685 bzw. 1706 gegründet, gehören sie zu den jüngeren Reduktionen im Gebiet zwischen dem ehemaligen spanischen Vizekönigreich Peru und dem zu Portugal gehörenden Brasilien. Weiterlesen