Kolumbien: 500 Bilder für 500 Ermordete

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Ulrike Purrer mit einer Jugendgruppe zu Besuch in der „Casa de la Memoria“. Fotos: Jürgen Escher

Das Zentrum Tumacos gleicht einem Ameisenhaufen. Straßenhändler bieten Früchte an, die allgegenwärtigen Motorräder befördern die Menschen als Taxiersatz für wenig Geld von einem Ende der Insel zum nächsten. Wir sollen die Fahrer nicht fotografieren, warnt unsere Gastgeberin Ulrike Purrer, Leiterin der Jugendarbeit der Diözese. Einige der Motorradfahrer seien gleichzeitig für viele der Ermordungen verantwortlich, stünden im Dienste der sich bekämpfenden Gruppen.

In einem schmalen Gebäude liegt die „Casa de la Memoria“, eine Gedenkstätte für die Opfer der anhaltenden Gewalt in Tumaco, die mit finanzieller Unterstützung von Adveniat aufgebaut wurde. Viermal so hoch wie im Landesdurchschnitt ist die Mordrate in der Stadt, kaum ein Jahr vergeht ohne 200 bis 300 Morde. In der „Casa“ hängen die Bilder von 500 Ermordeten. Ulrike Purrer ist heute mit ihrer Jugendgruppe vor Ort, zum ersten Mal besuchen die Jugendlichen die Gedenkstätte. Weiterlesen

El Salvador: Gemeinsam gegen die Gewalt angehen

Padre Salomon Perez

Padre Salomon Perez

San José las Flores ist ein kleiner Flecken nördlich der Hauptstadt San Salvador gelegen, kommunal gehört es zur Stadt Tomacatepeque. Zur Pfarrei gehören etwa 20.000 Menschen, berichtet Pfarrer Salomon Pérez. Berühmt-berüchtigt wurde San José las Flores durch den Umstand, das hier ein blutiger Bandenkrieg tobte. Zwei Banden der sogenannten „Maras“, die „Mara Salvatrucha“ und die „Mara 18“, kämpften um die Gebietshoheit. Und die „Mara Salvatrucha“ hatte sogar ihre Nationalleitung hierher verlegt. Dazu kamen gewalttätige Auseinandersetzungen mit der Polizei und dem ebenfalls hier stationierten Militär. „Wir zählten pro Monat zwölf Tote, zwölf Opfer der Gewalt“, berichtet Pfarrer Salomon Pérez. Weiterlesen

Brasilien – Hauptsache laut

Party in Dom PedroEs ist Freitagabend in Dom Pedro. Partytag. Was macht die Jugend in einem 8000 Einwohner zählenden, verlorenen Nest mitten in der Pampa des Bundesstaat Maranhão? Von dem die nächste Großstadt fünf Fahrtstunden entfernt ist? Ganz einfach, sie trifft sich auf dem Dorfplatz, wo ein paar findige Händler an mobilen Ständen gebratenes Fleisch, eiskaltes Bier, belegte Brote und Säfte verkaufen. Zwei oder drei der Bessergestellten haben ihre Autos mit übergroßen Boxen mitgebracht, werfen eine CD ein, öffnen alle Türen und drehen auf. Egal ob Reggae, Samba, Pop oder alles zusammen – Hauptsache laut. Ein paar Jugendliche klopfen den Takt und schwingen die Hüften zu den schmissigen Rhythmen. Die Anwohner scheint es nicht zu stören. Musik gehört in Brasilien einfach mit zum Leben dazu. Egal ob Live-Musik im Restaurant, rappende Straßenkinder, eine Capoeira-Session am Strand oder die volle Dröhnung vom Nachbarn – nie kämen die Brasilianer auf die Idee, sich darüber zu beschweren. Ungläubige Blicke ernte ich, wenn ich erzähle, dass in Deutschland schon mal die Polizei eine zu laute Party beendet, weil sich die Nachbarn gestört fühlen, oder die Kinder auf Spielplätzen eine Mittagspause einhalten müssen. Weiterlesen