Brasilien: Zur Kirche gehen

Firmung in einer kleinen Gemeinde bei Obidos.

Zur Kirche gehen. Für deutsche Ohren ist an diesem Satz so gar nichts Ungewöhnliches. Wieso auch? Wer den Gottesdienst besuchen, sein Kind für die katholische Kita anmelden oder den Pfarrer sprechen will, der macht sich eben auf den Weg und – geht zur Kirche. Für Johannes Bahlmann hat das Wort trotzdem etwas Bedenkliches. Es steht, genau genommen, für das Bild einer Kirche des Stillstands, die alle Bewegung von den Menschen erwartet. Der Bischof von Óbidos im Amazonas-Gebiet dreht die Perspektive um: Die Kirche muss zu den Menschen gehen, sie muss eine „Hingeh-Kirche“ sein. Der seit vier Jahren amtierende Bischof und seine 23 Priester machen mit diesem Anspruch Ernst. Gemeinsam sind sie für sieben Pfarreien und mehr als 600 kleine und kleinste Basisgemeinden zuständig, verteilt auf einer Fläche halb so groß wie die Bundesrepublik. Wenn die Geistlichen und etwa 20 im Bistum tätige Ordensschwestern sich nicht zu den Menschen in den Gemeinden aufmachten, läge der Kontakt alsbald brach. Die Bewohner der vielen winzigen Ufergemeinden, Ribeirinhos genannt, hätten keine Chance, eine Messe zu besuchen oder die Sakramente gespendet zu bekommen, kämen die Leute der Kirche nicht übers Wasser zu ihnen. Weiterlesen

Mexiko: Gott lebt in der Stadt

Auf dem Weg zur Universidad Iberoamericana, in der gestern Nachmittag der Kongress zur Großstadtpastoral eröffnet wurde, sprach ich mit dem Taxifahrer über Kirche und Religion in Mexiko. Er sei auch katholisch, aber nur auf dem Papier, eigentlich sei er „Guadalupeño“, habe also größtes Vertrauen zur Jungfrau von Guadalupe, mehr als zu Jesus Christus.

Das war für mich eine schöne, persönliche Einführung in das Thema „religiöse Vielfalt einer Großstadt“, das beim Kongress noch eine Rolle spielen wird. Dort ging es um 14.30 Uhr offiziell los. Es trafen sich viele Bekannte aus ganz Lateinamerika, Theologen, Geistes- und Sozialwissenschaftler, einige Bischöfe und ehemalige Stipendiaten des Stipendienwerkes Lateinamerika-Deutschland (ICALA), das diesen Kongress mit ausrichtet. Auch mehrere Deutsche sind dabei, sodass sich die Sprachen mischen. Weiterlesen

Mexiko: Kongress Großstadtpastoral – Was ist heute unsere Leidenschaft als Christen?

Blick auf die Innenstadt von Mexiko-Stadt

Das Zentrum von Mexiko-Stadt, vom Torre Latinoamericana aus. In der Mitte der Zócalo mit der Kathedrale und dem Präsidentenpalast.

Heute beginnt in der 21 Millionen Einwohner zählenden Metropole Mexiko-City der Kongress zur Großstadtpastoral. Bei mir zu Hause in Bonn steht das Thema nicht gerade oben auf der Tagesordnung, wird die ehemalige Hauptstadt doch gerne auch „Bundesdorf“ genannt. Dennoch braucht es nicht viel, um sich die Bedeutung einer zeitgemäßen Großstadtpastoral auszumalen: Global gesehen wohnt weit mehr als die Hälfte der Katholiken in Städten, viele davon in Großstädten – Tendenz seit Jahren steigend. Ich führe mir also die rasanten Entwicklungen in den Megacities dieser Welt vor Augen und frage mich, wie die Kirche dort mit den tiefgreifenden Veränderungen Schritt halten kann, die das Leben so vieler Menschen herumreißen. Ist die Kirche da noch bei ihnen, kennt sie ihre Werte und Träume, Sorgen und Zweifel? Wenn nicht oder nur zum Teil, was heißt das dann z. B. für eine Stadt wie Mexiko, in der rund 20 % aller Mexikaner leben? Weiterlesen

Mexiko: Die erste Begegnung mit Christinnen und Christen

Wie jeden Tag starteten wir um halb 8 mit einem gemeinsamen Morgengebet, in welchem wir Bezug nahmen auf die bevorstehenden Begegnungen des Tages. Nach der spirituellen Stärkung folgte ein wirklich herzhaftes mexikanisches Frühstück (Bohnen, Chili-Sauce, Bratkartoffeln etc.).

In der Uni angekommen, konnten wir zwischen zwei Themenblöcken wählen: Migration und Menschenrechte.

Die Ordensschwester Dolores Palencia erzählte von ihrer Arbeit mit Migrantinnen und Migranten auf dem Weg in die USA. Ihr bewegendes Zeugnis wird in diesem Blog noch einmal mit einem eigenen Text gewürdigt. Weiterlesen

Mexiko: Heimkehr nach Orizabita

Für Prälat Bernd Klaschka ist dies wie eine Heimkehr nach Hause. 15 Jahre hat er im Bistum Tula, nördlich von Mexiko-Stadt im Valle de Mezquiital (Bundesstaat Hidalgo) gearbeitet. Von 1996 bis 2004 war er Pfarrer in Orizabita, einem kleinen Flecken in den Bergen, die das Tal begrenzen. Bernd Klaschka erhielt die Aufgabe, die neu gegründete Pfarrei aufzubauen. Mehr als 35 Gemeinden gehören zum weitläufigen Gebiet, die meisten von ihnen im abgelegenen Bergland.

Heimkehr zu Freunden: Bernd Klaschka (4.v.r.). gemeinsam mit Adveniat-Bischof Franz-Josef Overbeck im Kreis der Mitarbeiter der Pfarrei in Orizabita.

Hier leben Menschen vom Volk der Otomí. Gemeinsam mit Canisianer-Brüdern setzte sich Bernd Klaschka für bessere Lebensbedingungen, für Ausbildung und Arbeitsplätze der Otomí-Indianer ein. Zudem war er als Bischofsvikar im Bistum Tula für die Pastoral und für die Ausbildung von Priestern und Diakonen zuständig. Weiterlesen

Haiti: Zurück in der Pfarrei Sacre Coeur in Port-au-Prince

Das letzte Mal war ich vor ziemlich genau drei Jahren hier. Es war ein Samstag in Port-Au-Prince, und die Gemeinde Sacre Coeur hatte sich herausgeputzt. 364 Jungen und Mädchen in weißen Hemden und Spitzenkleidchen erhielten von Bischof Serge Miot das Sakrament der Firmung gespendet.

Vor den Zelten, unter denen auf dem Gelände der Pfarrei Sacre Coeur in Port-au-Prince Gottesdienst gefeiert wird: Pfarrer Han's Alexandre (rechts), Adveniat-Geschäftsführer Bernd Klaschka und Haiti-Länderreferentin Margit Wichelmann.

Heute gibt es die Kirche nicht mehr. Sacre Coeur war beim Erdbeben im Januar 2010 eingestürzt, und übrig geblieben sind nur ein großes Kreuz und eine Mariengrotte. Bischof Serge Miot kam beim Erdbeben ums Leben. Han’s Alexandre, der Pfarrer der Gemeinde und „nebenbei“ noch Sekretär der Haitianischen Bischofskonferenz, hat das Beben Gott sei Dank überlebt. Er berichtet, wie die Pfarrei sich anstrengt, um den Wiederaufbau der Kirche Sacre Coeur voranzutreiben: Lotterien, Filmvorführungen (in Port-au-Prince gibt es seit dem Erdbeben kein Kino mehr) im Freien und der Verkauf von T-Shirts sind nur einige Beispiele. Doch ohne die Hilfe aus dem Ausland wäre der Bau einer solch großen Kirche nicht zu realisieren. Weiterlesen