Haiti: „Alles braucht seine Zeit“

Rupert Neudeck, der Gründer der Nothilfeorganisation „Cap Anamur“ und bekannter Radiojournalist, hat einmal gesagt, das erste, was nach einer Naturkatastrophe funktioniere, sei das Sitzungsmanagement der Internationalen Hilfsorganisationen. Man könne als Vertreter einer Hilfsorganisation beispielsweise in einem Erdbebengebiet gut und gerne jeden Tag von morgens bis abends an Meetings, Konferenzen und Planungstreffen teilnehmen, abends todmüde ins Bett fallen – und doch nie ein Opfer der Katastrophe gesehen haben. Ich möchte das nicht unterschreiben, doch ich kann bestätigen, dass es vieler Konferenzen bedarf, wenn Hilfe, vor allem: internationale Hilfe verschiedenster Geberorganisationen, sinnvoll koordiniert werden soll. Und es wird, zumindest in der Planungsphase, nicht einfacher dadurch, dass neben den Entscheidungsträgern des Staates, in dem ein Unglück passierte, auch noch direkt Betroffene am Konferenztisch sitzen. Die kirchlichen Organisationen verschiedener Länder, die den Wiederaufbau kirchlicher Einrichtungen in Haiti unterstützen wollen, hatten sich bereits vor 2010 zusammengeschlossen und eine Infrastruktur aufgebaut, die gewährleisten soll, dass die kirchliche Hilfe aus Europa, den USA und Lateinamerika sinnvoll und kosteneffizient eingesetzt wird. Im Februar 2011 wurde daraus ein offizieller Zusammenschluss, der heute über ein Büro mit fachkundigen Mitarbeitern in Haitis Hauptstadt Port-au-Prince verfügt. Es soll helfen und gewährleisten, dass der Wiederaufbau zerstörter Kirchen, Pfarrhäuser, kirchlicher Schulen und anderer sozialer Einrichtungen funktioniert – und dass hurrikan- und erdbebensicher gebaut wird. Weiterlesen

Haiti: Eine Reise in den Süden

Eine Reise in den Süden, so drückt es Adveniat-Bischof Franz-Josef Overbeck erstaunt aus, sei eine „Reise wie durch ein kleines Paradies“. Ja, Haiti ist schön, wunderschön. Der Weg führt durch Felder mit Bananenstauden, Zuckerrohr und Maniok, zwischen Reisfeldern hindurch, auf denen Brahman-Rinder stehen, Reiher warten an den Seen und Lagunen auf Beute. Die Sonne strahlt über einem blauen Meer, das auf menschenleere Strände brandet. Weiterlesen

Miami: Das „Wohnzimmer“ der Haitianer

Die Kirche „Notre Dame d’Haiti“ ist viel zu klein geworden. „Zum Osterfest hatten wir 7.000 Menschen im Gottesdienst“, berichtet Pfarrer Reginald Jean-Mary. Doch die Kirche, eigentlich ein größerer Saal, in dessen Wände bunte, farbenfrohe Fenster eingesetzt wurden, bietet nur für wenig mehr als 1.000 Menschen Platz. Schon an den „normalen“ Wochenenden kommen bis zu 5.000 Menschen zu den Messfeiern. „Wir stellen Stühle auf dem Platz zur Straße auf, übertragen die Messe auf Bildschirme und stellen Lautsprecher auf“, erzählt Pfarrer Reginald. Seit dem Erdbeben im Januar 2010 seien viele Familien aus Haiti geflüchtet. Auf etwa eine Million wird die Zahl der in den USA lebenden Haitianer derzeit geschätzt. Die offizielle Statistik spricht von knapp 800.000, davon mehr als 100.000 allein in Floridas Metropole Miami. „Wir rechnen derzeit mit 263.000 Haitianern in Miami“, sagt Pfarrer Reginald und weiß davon zu berichten, dass derzeit bei fast jeder haitianischen Familie in Miami mindestens eine weitere zu Gast ist – und das zumeist seit dem Beben: „Viele wussten nicht mehr, wo sie leben sollten und haben die oftmals gefährliche Fahrt mit kaum hochseetauglichen Booten auf sich genommen.“ Mehrfach habe die Küstenwache Leichen aus dem Meer gefischt – nicht alle erreichten das Festland. Weiterlesen

Argentinien: Wow — Dieser Gottesdienst!

Wow, dieser Gottesdienst hat mich tief beeindruckt. Er hat mich berührt, etwas in mir bewegt. Die kompletten 90 Minuten war ich voll dabei – geistig, vor allem aber auch körperlich. Ich fühlte mich mitten drin in dieser mir noch fremden Großstadtgemeinde Santa Cruz mitten in Buenos Aires, obwohl ich nicht jedes Wort des charmanten Porteno-Castellano verstanden habe. Aber darauf kam es auch nicht an. Diese Messe hat auch ohne Worte viel vermittelt. Das Empfinden mit dem Herzen, die körperliche Nähe standen hier ganz weit vorne. Wir fassten uns an den Händen, umarmten uns, malten uns gegenseitig ein Kreuz aus Erde auf die Stirn und gaben uns besitos auf die Wange – eine Geste, die in Argentinien wohl locker ein Viertel der Lebenszeit in Anspruch nimmt und den in Deutschland gutbürgerlichen Handschlag auf zärtliche Weise ersetzt. Weiterlesen

Kuba: Nancy und Alessandro

Nancy ist jung und schön und liebt Alessandro. Alessandro ist jung und schön, er liebt Nancy auch – aber er hat Angst, seine Freiheit zu verlieren. Jetzt steht Nancy in der Bibliothek zwischen den Regalreihen vor ihm und will reden. Am Morgen hat sie einen Schwangerschaftstest gemacht und der weiße Streifen hat sich blitzschnell blau gefärbt. Nancy bekommt ein Baby – kein Zweifel.

Zufällig, auf der Suche nach einem Buch, ist Nancys Schwester Yordanka in Nancys Zimmer gegangen und hat, rein zufällig, den Papierkorb umgeworfen. Dabei findet sie – wie könnte es anders sein – den Schwangerschaftstest. Sie rennt aus dem Haus. Zeitgleich in der Bibliothek: Nancy hat Alessandro erzählt, dass sie schwanger ist. Er schreit, will, dass sie das Kind wegmachen lässt. Beim Wort “Abtreibung” fliegt die Tür auf – Yordanka! Alle machen ein entsetztes Gesicht, dann kommt dramatische Musik und der Abspann. Weiterlesen

Kuba: Maria im Schönheitssalon

Maria im Schönheitssalon 2Der Besuch im “Schönheitssalon” war schon seit Jahren überfällig. Der Marienfigur in der Kathedrale von Havanna fehlten drei Finger. Das zarte Rosa war von den Wangen abgeblättert und ihr Mantel schon lange nicht mehr strahlend blau mit silbernen Sternen. Im Laufe der Jahrhunderte hatte man die Statue immer wieder mit Öl eingerieben, um sie zu pflegen. Dabei wurde leider nicht bemerkt, dass die Farbe des Umhangs öllöslich ist. Das Gewand der Jungfrau sah verschmiert und unsauber aus. Weiterlesen