Kolumbien: Die Benzinschmuggler von Tres Bocas

Bischof Omar besucht die Familie von Alejandro Ribeiro (links) im Grenzort „Tres bocas“. Die Familie lebt vom Benzinschmuggel. Fotos: Jürgen Escher

„Se vende gasolina“. Die Straßen rund um die Stadt Tibú sind gesäumt von kleinen Holzbuden, in denen Benzin verkauft wird. Statt Zapfsäulen bekommt man den Treibstoff in ausgedienten Cola-Flaschen oder Wasser-Kanistern, und das zum niedrigen Preis.

Tibú, wo wir bei Bischof Omar Alberto Sánchez zu Besuch sind, liegt nur wenige Kilometer von der Grenze zu Venezuela entfernt. Die Urwaldwege an den Grenzfluss sind von kleinen Fördertürmen der staatlichen Ecopetrol gesäumt, Kolumbiens Ölförderer Nummer Eins. Doch durch die an den Wegen verlegten Pipelines fließt nur schweres Rohöl, unbrauchbar für das Betanken der Autos. Weiterlesen

Kolumbien: Die Geiseln der Coca

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Bischof Omar hat einen Traum: ein Coca-freies Catatumbo. Gemeinsam mit Bauern (hier im Bergdorf Pacelli) entwickelt der Bischof einen alternativen Plan zum Anbau landwirtschaftlicher Produkte in der Region. Fotos: Jürgen Escher

„Die Coca-Pflanze öffnet hier ständig neue Wege“. Omar Alberto Sánchez, Bischof von Tibú und Ende des Jahres im Rahmen der Adveniat-Jahresaktion zu Gast in Deutschland, sitzt am Steuer seines Landrovers „Hercules“. Und wundert sich. Links und rechts der Schlaglochpiste, über die wir seit Stunden hinwegrumpeln, entdeckt der Bischof neue, ihm bisher unbekannte Wege. „Wo neue Coca-Pflanzungen entstehen sollen, müssen erst mal neue Wege angelegt werden.“

Wir sind in der Region Catatumbo unterwegs, dem Einzugsgebiet des gleichnamigen Flusses an der Grenze von Kolumbien und Venezuela. Einst wurde hier Kakao, Kaffee und Zuckerrohr angebaut. Mitte der 90er Jahre hielt dann die Coca-Pflanze Einzug in die entlegene Region. Weiterlesen

Kolumbien: „Tranquilo, no hay problemas“

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Mit „Hercules“, dem 19 Jahre alten Landrover geht es durch den Fluss. Am Steuer der Bischof von Tibú. Fotos: Jürgen Escher

Wer denkt, dass Reisen in Lateinamerika ein Zuckerschlecken ist, irrt. Um 7 Uhr morgens soll unser Flieger von Tumaco nach Cali starten. Doch seit den frühen Morgenstunden peitscht ein Sturm über die Küstenstadt im äußersten Südwesten Kolumbiens. An Schlafen ist nicht zu denken. Und ans Reisen ebenso wenig. Solange eine Wolkendecke über der kurzen Flugpiste liegt, werden wir hier nicht wegkommen, das ist uns klar.

Um 6 Uhr gleicht Tumaco einem riesigen See. Kniehoch steht das Wasser in den Straßen. Der Flieger aus Cali, der uns auf dem Rückweg hoch in die Berge mitnehmen soll, kommt erst gar nicht. Wie ein Kartenhaus bricht unser Reiseplan zusammen: die beiden Anschlussflüge hinauf in den Nordosten werden wir verpassen. Und der Bischof von Tibú, unserem nächsten Ziel nahe der Grenze zu Venezuela, wird vergeblich am Flughafen von Cucuta auf uns warten. Weiterlesen

Kolumbien: 500 Bilder für 500 Ermordete

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Ulrike Purrer mit einer Jugendgruppe zu Besuch in der „Casa de la Memoria“. Fotos: Jürgen Escher

Das Zentrum Tumacos gleicht einem Ameisenhaufen. Straßenhändler bieten Früchte an, die allgegenwärtigen Motorräder befördern die Menschen als Taxiersatz für wenig Geld von einem Ende der Insel zum nächsten. Wir sollen die Fahrer nicht fotografieren, warnt unsere Gastgeberin Ulrike Purrer, Leiterin der Jugendarbeit der Diözese. Einige der Motorradfahrer seien gleichzeitig für viele der Ermordungen verantwortlich, stünden im Dienste der sich bekämpfenden Gruppen.

In einem schmalen Gebäude liegt die „Casa de la Memoria“, eine Gedenkstätte für die Opfer der anhaltenden Gewalt in Tumaco, die mit finanzieller Unterstützung von Adveniat aufgebaut wurde. Viermal so hoch wie im Landesdurchschnitt ist die Mordrate in der Stadt, kaum ein Jahr vergeht ohne 200 bis 300 Morde. In der „Casa“ hängen die Bilder von 500 Ermordeten. Ulrike Purrer ist heute mit ihrer Jugendgruppe vor Ort, zum ersten Mal besuchen die Jugendlichen die Gedenkstätte. Weiterlesen

Kolumbien: Leben als Ausnahmezustand

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Treffen mit Jugendlichen der Jugendpastoral in der „Casa de la Memoria“ (rechts: Ulrike Purrer). Fotos: Jürgen Escher

Die zweite Station unserer Kolumbienreise liegt im äußersten Süden, an der vom Rest des Landes isolierten Pazifikküste. Aus der Luft betrachtet liegt die 80.000 Einwohner zählende Küstenstadt Tumaco traumhaft, ein von Urwald umgebener Ort mit Badestränden. Doch bereits im Landeanflug können wir die armen Pfahlbauten sehen, die in die Mangroven hinein gebaut wurden.

Tumaco liegt auf zwei Inseln inmitten einer Bucht. Die große Mehrheit der Menschen hier sind Afrokolumbianer, die in den letzten Jahrzehnten aus den Urwaldregionen in die Stadt gezogen sind. Hier haben sie ihre Holzhütten auf Pfählen in die Uferregionen gebaut, wo sie unter prekären hygienischen Bedingungen leben. Weiterlesen

Kolumbien: Arbeiter für den Frieden

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Padre Dario im Interview mit Thomas Milz in der Krypta, die derzeit saniert wird. Fotos: Jürgen Escher

Leichter Nieselregen heißt uns willkommen, graue Wolken liegen über Bogotá, der ersten Station unserer Kolumbienreise. Vor der Basilika der Herz Jesu Kirche im armen Süden Bogotás begrüßt uns Padre Darío Echeverry González, ein Claretinerpater, der hier als Kaplan tätig ist. Und derzeit als Bauleiter. Die Kirche ist von Gerüsten umgeben, Bauarbeiter bessern die Fassade aus. Die massive, rund vier Meter große Holztür, liegt im Eingangsbereich der Kirche.

Die Kirche, die in Kolumbien unter dem Namen „Voto Nacional“ bekannt ist, repräsentiert ein wichtiges Stück Geschichte für das südamerikanische Land. „Zwischen 1898 und 1902 tobte in Kolumbien der Krieg der tausend Tage, ein Bürgerkrieg, der mit der Abtrennung Panamas von Kolumbien endete“, erzählt uns Padre Darío. Mehr als 100.000 Menschen seien ihm zum Opfer gefallen, eine nationale Katastrophe. In Erinnerung an die Opfer wurde 1902 der Bau der Kirche in Auftrag gegeben. Padre Darío führt uns in die Krypta, wo Bauarbeiter gerade dabei sind, den Boden abzutragen. Knietief steht Wasser in den engen Gängen. Weiterlesen