Chile: Anflug auf Mapucheland

„Bitte schnallen Sie sich jetzt an, wir werden in den nächsten Minuten die Anden überfliegen!“ Die freundliche Stimme der Stewardes ist kaum verklungen, da sehen wir durch das kleine Fenster bereits die mächtige Bergkette am Horizont auftauchen. In etwa auf Höhe der argentinischen Stadt Mendoza setzen wir zum Sprung über die Anden an.

Bald schon ziehen unter uns die mit Schnee bedeckten Bergketten vorbei. Selbst jetzt im Spätfrühling herrscht hier noch der Winter. Nach gut 20 Minuten senken sich die Bergketten einem Hochplateau entgegen, auf dem die ersten Häuser Santiago de Chiles auftauchen. Pastelltöne zieren das Bild, ein leichtes Gelb, Braun und hier und da auch Grün. Wir setzen zur Landung an. Willkommen in Chile, willkommen im Land der Mapuches. In den nächsten zwei Wochen werden wir eintauchen in die Kultur dieses Landes, dessen Geschichte massgeblich auch die Geschichte der Mapuche ist. Weiterlesen

Interkulturelle Berufsschule

Die katholische Berufsschule in Chol Chol in Südchile ist die Pionierin für interkulturelles Lernen. Seit 25 Jahren werden junge Mapucheindianer für das Hotelfach als Bürokaufmann und für Kinder- oder Krankenpflege ausgebildet. In der Schule spricht man neben Spanisch auch Mapundungong und das Schulgebet entspricht den traditionellen Riten. Die runden Formen des Schulgebäudes ähneln der Ruka-Hausform der Mapuche. Im Schulhof steht ein Rehue – der Totempfahl, der den Heiligen Ort markiert. Für den Mapuche und Diakon Victor Tidma besteht kein Zweifel: „Ich bin ein umso besserer Christ, je mehr ich meine Identität als Indianer lebe.“ Weiterlesen

Das Land trägt Früchte, die Unterstützung auch

Temuco liegt 600 km südlich der chilenischen Hauptstadt, hier leben die meisten Indigenen aus dem Volk der Mapuche. Selbstbewußt widerstanden sie so lange dem spanischen Eroberungsfeldzug, bis sie von der Krone anerkannt wurden. Der noch recht junge chilenische Staat eroberte Ende des 19. und anfangs des 20. Jahrunderts das Mapucheland südlich des Bio-Bio-Flusses und verteilte die Ländereien unter europäischen Siedlern. Erstere wurden mit kleinen Flächen abgespeist, letztere wurden zu Großgrundbesitzern. Weiterlesen

Tod eines Mapuche-Indígenas bei Zusammenstoß mit der Polizei

Update 24.8.2009 

Auf www.dw-world.de/amerika ist ein sehr interessanter Artikel über die Mapuche erschienen.

Die Auszüge und Hintergründe gibt es auch zum Hören (ab Minute 6:00):

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Im Januar 2009 hat Reiner Wilhelm über den Kampf der Mapuche berichtet

Der Tod eines 24-jährigen Mapuche-Indígenas bei Zusammenstößen mit der Polizei ist bei den Verantwortlichen der Indianerpastoral in Chile auf scharfe Kritik gestoßen. Die Situation, die zum Tod des jungen Aktivisten geführt habe, hätte leicht verhindert werden können, wenn die Behörden auf das Dialogangebot der Indianervertreter eingegangen wären, heißt es in einem Kommunique der Kommission für Mapuche-Pastoral der katholischen Kirche. „Wir verurteilen die unangemessene Gewalt, mit denen die Polizei in den so genannten Konfliktgebieten vorgeht. Die Mapuche sind weder Kriminelle noch Terroristen. Der Tod von Alex Lemún, Matías Catrileo und nun von Jaime Mendoza Collío ist die Konsequenz dieser Gewaltspirale, die wir seit langem anklagen und die nun endlich gestoppt werden muss“, so die Verantwortlichen der „Pastoral Mapuche“, einer von Adveniat geförderten Initiative der Chilenischen Bischofskonferenz. Weiterlesen

Der Kampf der Mapuche

Die Problematik der Mapuchegemeinden hat sich seit einigen Jahren verschärft. Obwohl die Mapuches schon immer die Rückgabe ihrer Grundstücke gefordert haben, die ihnen im Laufe der vergangenen fast 200 Jahre von Siedlern weggenommen worden sind (das chilenische Recht erlaubt jedem, solange das Eigentum nicht verbrieft und reklamiert worden ist, dies zu tun). Da die Mapuches die rasch ändernden Gesetze nicht kennen und daher ihre Besitztitel nie juristisch eingefordert haben, stehen sie vor dem Dilemma, dass ihr Grund und Boden immer kleiner wird und sie damit ihrer kulturellen wie physischen Existenzgundlage beraubt werden, während die Großgrundbesitzer weiter expandieren und ihren „Zugewinn“ mit allen legalen und illegalen Mitteln verteidigen. Hinzu kommt eine Regelung aus der Pinochetzeit, die die Verteilung des Wassers betrifft: So gehört das Wasser, das durch eine Parzelle fließt, nicht dem Eigentümer der Parzelle, sondern demjenigen, der sich die Nutzung des Wassers hat vorher schriftlich zusichern lassen. Sowohl Großgrundbesitzer als auch die großen Firmen haben sich diese vor vielen Jahren gesichert und keinen Peso dafür bezahlt. Die Mapuches waren an diesem Handel nicht beteiligt, so dass dies ein weiterer Konfliktpunkt in ihrem Kampf ist. Das chilenische Recht steht zudem dieser einflussreichen Gruppe das Recht zu, für die Rückgabe dieser Rechte, finanziell entschädigt zu werden, was für den Staat sehr teuer ist und daher eine rasche Lösung verhindert. Erst kürzlich erschien ein Hirtenwort von Mons. Luis Infanti, dem Apostolischen Vikar von Aysen, der auf dieses Problem aufmerksam machte und den Staat aufforderte, die Wasserrechte zu verstaatlichen, damit es wieder von allen genutzt werden kann. Beide Problempunkte und der teilweise offene, teilweise versteckte Versuch des Staates, die Mapuche zu „chilenisieren“, d.h. sie kulturell in das Gesamtgebilde des chilenischen Staates einzubinden, sind Gründe für einen Konflikt, der sich im Laufe der 90er Jahre mehr und mehr zugespitzt hat und inzwischen offen ausgetragen wird. Hinzu kommen Probleme, die regional bedingt sind, wie der, den ich nun vor Ort in Vilcún, rund 20 km von Temuco, erleben konnte. Hier geht es konkret um einen Bewässerungskanal, der vor vielen Jahren von den Mapuches angelegt worden ist, um ihre Felder mit Wasser zu versorgen. Das System war in die Jahre gekommen und der Staat bot sich an, die Kanäle zu modernisieren. Das mit den Arbeiten beauftragte Unternehmen machte aber eine schlechte Arbeit, so dass das Bewässerungssystem schließlich noch schlechter funktionierte als zuvor. Im Winter sind Überschwemmungen und im Sommer Trockenheiten die Konsequenz. Hinzu kommt das rechtliche Problem mit den oben schon beschriebenen Wasserrechten, die sich ein aus der Schweiz stammender Großgrundbesitzer vor vielen Jahren gesichert hatte. Er dehnte gleichzeitig seinen Grundbesitz auf Kosten der Mapuches aus, musste aber während der 60er Jahre einige Grundstücke an die Mapuches zurückgeben. Während der Pinochet-Diktatur nutzte er die Gunst der Stunde und seine guten Beziehungen zum Diktator und dehnte seinen Grund und Boden noch weiter aus als zuvor. Ferner ließ er nicht zu, dass sich das Vieh seiner Nachbarn auf seinem Grundstück aufhielt. Verlief sich ein Tier dennoch, so schoss er es ab oder brachte sie mit einem LKW zu einer Polizeistation, die rund 40 km von seiner Finca entfernt liegt. Neben der Strafe mussten die Mapuches einen Lastwagen mieten, um das Tier nach hause zu transportieren, was mit erheblichen Kosten verbunden war. Dies verschärfte die Spannungen weiter. Als im Januar 2008 zwei Jugendliche sein Grundstück widerrechtlich betraten, rief er die Polizei, die einen der jungen Mapuche, Matías Carileo, von hinten erschoss. Die beiden jungen Leute waren unbewaffnet und wollten mit ihrer Tat auf die Ungerechtigkeit der Landnahmen aufmerksam machen. Der Leichnahm Matías Carileo wurde von den Mapuches versteckt und später Mons. Sixto Parziner und P. Fernando Diaz übergeben, die von den Mapuches als Vermittler eingeschaltet wurden. Der Polizist, der den jungen Mapuche erschoss, ist bislang auf freiem Fuß. Die Anklage wurde entsprechend einer seit der Diktatur geltenden Regelung in einem Zivilgericht nicht zugelassen und muss an ein Militärgericht verhandelt werden, das aber bislang bis auf die Beweisaufnahme sich nicht geregt hat. Bis heute steht ein Urteil aus. Weiterlesen