Mexiko: „Lebend haben sie sie uns genommen, lebend wollen wir sie wieder!“

Julio César. – Wir erwarten dich!

Ramón José, mein geliebter Sohn, ich liebe dich und bete immer für dich! – Wir erwarten dich!

Ernesto, mein lieber Bruder, wo auch immer du bist, wir werden nicht aufgeben, dich zu suchen! – Wir erwarten dich!

Reihum werden die Namen der Veschwundenen von den Familienangehörigen genannt, einzeln wird den Verschwundenen durch die Gruppe zugesagt. „Wir erwarten dich!“ An die 15 Frauen und ein Mann sind es, die als Angehörige ihre Lieben suchen. Irgendwann ist der Mann, die Tochter, der Sohn verschwunden. Einfach so. Manche wurden zuletzt mit der Polizei gesehen. 2009, 2010, 2011 – die Zahl der Fälle eines „zwangsweise Verschwindenlassen von Personen“ („desaparición forzada“), wie der juristische Terminus heißt, ist in Mexiko in den letzten Jahren sprunghaft gestiegen. Waren es in den 30 Jahren davor an die 25 Fälle allein im nördlichen Bundesstaat Coahuila, so sind es in den letzten drei Jahren allein mehr als 230 Fälle, die dokumentiert sind. Weiterlesen

Brasilien: Gedenkmarsch Guarani-Kaiowa

Ein sonniger Morgen, strahlend blauer Himmel – Mittwoch, 30. November  2011. Indigene der Ethnie Guarani-Kaiowá kommen von überall her, vom Norden, Süden, Osten und Westen des Bundesstaates Mato Grosso do Sul. Verwandte der Ethnie Terena, Vertreter anderer indigener Völker des Bundesstaates, der APIB (Articulação dos Povos Indigenas do Brasil, Verband der Indigenen Völker Brasiliens), der COIAB (Coordenação das Organizações Indigenas da Amazônia Brasileira, Koordination der Indigenen Organisationen des Brasilianischen Amazoniens), ARPINSUL (Articulação dos Povos Indigenas da Região Sul, Verband der Indigenen Völker der Region Süden) kommen dazu, sowie Aktivisten von Sozial- und Studentenbewegungen und offizielle Vertreter verschiedener Bundesorgane aus der Hauptstadt Brasília. Weiterlesen

Ein schweres Erbe

Sonntag ist Tag der Vergangenheitsbewältigung. Alfonso Perez Esquivel kommt vorbei. 1980 hat der argentinische Künstler und Menschenrechtler den Friedensnobelpreis für seinen Widerstand gegen die Militärdiktatur bekommen. Das Regime wollte ihn beseitigen, er saß schon im Flugzeug, das ihn, wie so viele andere, über dem Meer abwerfen wollten. Der Flieger ist dann wieder umgekehrt. Aufgrund internationalen Drucks, davon ist er überzeugt.

Am Samstag wird er 80 Jahre alt, aber das sieht man ihm wahrlich nicht an. Ein kleiner agiler Mann, freundlich, offen und keine Spur von Verbitterung. Zufrieden ist er mit seinem Land noch lange nicht, immer noch kämpft er für Menschenrechte, gegen die Unterdrückung der indigenen Bevölkerung und für soziale Belange. „Der Widerstand ist die Essenz meines Lebens“, sagt er. Weiterlesen

Bolivien: Hinunter in die Yungas

Um uns nichts als Nebel. Der „Cumbre“, die Passhöhe auf 4.650 Meter, die man nach 30 Kilometern von La Paz kommend erreicht, soll angeblich einen tollen Blick auf die umliegenden Andengipfel bieten. Doch an diesem Morgen liegt die Sicht bei 10 Metern. Wir fahren weiter, hinab in Richtung der Yungas, dem Übergang zwischen dem 3.000 bis 4.000 Meter hohem Altiplano und der bolivianischen Regenwaldregion. Nach wenigen Kilometern geht rechts die weltweit bekannte Todesstraße „Carretera de la muerte“ nach Coroico ab. Touristen stürzen sie auf Fahrrädern hinab, es soll eines der letzten 10 Abenteuer unserer Tage sein. Weiterlesen