„Vergesst Venezuela nicht!“

Seit über zwei Jahren steckt Venezuela in der Krise. Die Menschen hungern, warten vergeblich auf Medikamente – und demonstrieren. Sechs Venezolaner erzählen von ihrem Land, ihrem Leben und ihren Träumen.

Busfahrer Lenin in seinem Bus

Busfahrer Lenin

Lenin, 58 Jahre alt, Busfahrer:

„Ich habe damals Hugo Chavez gewählt. Es hat mir gefallen wie er  den etablierten Politikern Dampf gemacht hat. Und es hat mir gefallen wir er die Wirtschaft in Schwung gebracht hat.

Viel ist davon nicht übriggeblieben. Leider ist unsere Wirtschaft komplett zusammengebrochen. In unserem Viertel ist es viel gefährlicher als früher. Es gibt viele bewaffnete Banden, die das Viertel kontrollieren. Die Menschen haben Angst wegen der Kriminalität.

Ich bin froh, dass ich gerade noch über die Runden komme. Aber diese Inflation ist mörderisch. Die Stimmung ist sehr schlecht. Ich weiß nicht, ob die Opposition es viel besser machen würde.
Was ich weiß ist, dass es nicht mehr schlechter und schlimmer werden kann als es jetzt ist. Wir wollen endlich wählen! Ich bitte den Rest der Welt: Schaut auf Venezuela. Vergesst unser Land nicht. Lasst uns nicht allein!“ Weiterlesen

Bolivien – Politik und Gastfreundschaft

Indigene und Weiße in BolivienBolivien ist vor allem für die wunderschöne Landschaft im Hochland bekannt und für die bis heute stark präsente indigene Kultur, die immer noch das tägliche Bild des bolivianischen Lebens prägt. Schlagzeilen macht das Land in den letzten Jahren aufgrund des ersten indigenen Präsidenten, Evo Morales, der im Dezember des letzten Jahres mit einem überraschend starken Ergebnis wiedergewählt wurde und nun seine zweite Amtszeit antritt. Sogar in den Departamentos des Tieflands, in denen die politischen Führungen weiterhin für mehr Autonomie kämpfen, stimmten viele Menschen für Evo Morales. Dennoch ist das Land gespalten, nicht nur geographisch in das durch die indigenen dominierte Hoch- und das vor allem von Weißen bevölkerte Tiefland, sondern auch ideologisch teilt sich das Land in Anhänger und Gegner der Regierung.
Schon während meines ersten Aufenthalts als Missionar auf Zeit in Bolivien ist mir der in der bolivianischen Gesellschaft stark verankerte Rassismus aufgefallen. Und auch jetzt, bei meinem zweiten Besuch, ist die starke gegenseitige Abneigung zwischen indigenen und Weißen allgegenwärtig und stellt meines Erachtens eines der größten Probleme dieses Landes dar. Verschärft wird dieser Konflikt durch Maßnahmen, wie die Nationalisierung der Bodenschätze, wodurch die gesamte bolivianische Bevölkerung von dem enormen Reichtum profitieren soll und nicht nur das ökonomisch starke Tiefland. Doch dort fühlen sich die Menschen hintergangen und fürchten weitere Einschnitte ihrer Prioritäten.
Doch vor allem unter den jungen Menschen im Tiefland gibt es viele, die eine differenzierte Meinung der bolivianischen Politik haben und vor allem die Maßnahmen zur Verbesserung der sozialen Situation der in Armut lebenden Bolivianer befürworten. Gleichzeitig werfen sie Evo Morales eine einseitige Politik vor, die nur die Indigenen bevorteilt und somit die Spaltung des Landes weiter vorantreibt.
Abseits der ganzen Probleme Boliviens, ist für mich aber vor allem die extreme Gastfreundschaft bemerkenswert, die ich sowohl im Tiefland als auch im Hochland erlebt habe. Menschen die in bitterer Armut leben und dennoch alles tun, um Gäste so gut wie eben möglich zu empfangen.
Warum ist ein Land wie Bolivien eigentlich nicht dafür bekannt? Weiterlesen