Chile: Studenten und Polizei hautnah

Heute hatten wir sehr unterschiedliche Gespräche und Begegnungen: Wir waren im Palacio de la Moneda. Von Christian Larroulet, Minister und Generalsekretär des Präsidialamtes, haben wir eine Einschätzung zur wirtschaftlichen und bildungspolitischen Situation bekommen. Zeitgleich hatten die Studentendemonstrationen in der Stadt begonnen. Mehrere Tausend Studenten haben ihre Anliegen auf die Straße getragen. Bildung ist auch in Chile der Schlüssel für eine gerechtere und friedlichere Gesellschaft. Bei unserem Gespräch mit dem Erzbischof von Santiago de Chile, Monsignore Ezzati, hat dieser auch die Berechtigung dieser Proteste unterstützt. Für mich war es eine besondere Anspannung, Studenten und Polizei so hautnah zu erleben. Am Nachmittag waren wir bei einem Priester aus dem Bistum Würzburg, der in den vergangenen Jahren eine Gemeinde im Bannkreis der Stadt aufgebaut hat. Dieser Stadtteil ist auch für Besucher sehr gefährlich. Leider reichte die Zeit für ein ausführliches Gespräch nicht aus. Am Abend hatten wir ein spannende Unterhaltung mit Kardinal Errazuriz, ehemaliger Erzbischof von Santiago, jetzt Mitglied im Beraterkreis den Papstes. Er kam soeben aus Rom. Er hat uns von den Überlegungen zur Kurienreform und den notwendigen Veränderungen in der Kirche berichtet. Wir können uns auf große Veränderungen einstellen, war seine klare Botschaft. Fazit: Es war ein sehr ermutigender Abend. Weiterlesen

Chile: „Wasserwerfer, Tränengas – ist immer so“

Studentenproteste nahe der Universidad de Chile. Vorne Studenten, hinten bereiten sich Polizeieinheiten auf den Einsatz vor.

Studentenproteste nahe der Universidad de Chile. Vorne Studenten, hinten bereiten sich Polizeieinheiten auf den Einsatz vor.

Die Studentenproteste gehen von der altehrwürdige Universidad de Chile aus. Das Zentrum des studentischen Widerstands ist die renommierte juristische Fakultät. 16 Staatspräsidenten haben hier studiert, unzählige Politiker und Intellektuelle sind aus dieser Fakultät hervorgegangen. An diesem Tag bere

iten die Studenten im Vorhof einen erneuten Protestmarsch vor, Plakate werden ausgerollt und Fahnen geschwenkt. Eigentlich ist das hier eher ein Burghof, sagt die zierlich Jurastudentin Karina und weist auf die schmiedeeiserne Umzäunung. Hierher flüchten wir, wenn die Polizei uns verfolgt. Auf das Gelände der berühmten Fakultät trauen sich die Polizisten nicht. Weiterlesen

Chile: Protestalltag in Santiago

Verkleidungen sind bei einer Demo in Chile an der Tagesordnung.

Das Trommeln beginnt bereits bei Sonnenaufgang. Doch wer an einen Karnevalsumzug denkt, sieht sich getäuscht. Neben unserem Hotel wird seit Tagen das Universitätskrankenhaus von Santiago bestreikt. Es geht natürlich um höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen, wie überall auf der Welt. Doch etwas ist anders – Chilenen können bei ihren Protesten besonders kreativ sein. Bunte Kostüme mit Weihnachtsmotiven, Masken wie man sie von der Occupy-Bewegung her kennt – das Ganze hat dann doch etwas von Karneval. Weiterlesen

Bolivien: Marsch über den Cumbre-Pass

Die Sicht in dem eisigen Nebel beträgt gerade einmal 10 Meter. Wir sind etwa 3 Kilometer unterhalb des Cumbre-Passes, dem 4.650 Meter hohen Eingangstor zu der Hochebene, über die man La Paz erreicht. Die uns entgegen kommenden Lautsprecherwagen kündigen die nicht allzu weit entfernte Spitze des Protestmarsches gegen den Bau der Interoceanica-Fernstraße durch den Naturpark TIPNIS an. dann hören wir sie, ohne sie zu sehen. Auf den seitlich hoch aufragenden Felsen haben Sympathisanten in den letzten Tagen Unterstützungsbotschaften für die seit 65 Tagen marschierenden Indios geschrieben. „Hände weg von TIPNIS“ ist da zu lesen, aber auch ein „Evo se queda“. Weiterlesen