Mexiko: „Wo ist dein Bruder?“

Die Sehnsucht nach einem besseren Leben verbindet die tausenden lateinamerikanischen Migranten, die sich jedes Jahr auf den Weg in die USA machen. „Wo ist dein Bruder?“, mit dieser Frage ließ uns Schwester Hermana Dolores Palencia tief in das Thema der Migration eintauchen. Durch ihre lebendige Erzählung fesselte sie die Teilnehmer, die sich im Seminarraum eingefunden hatten, von Anfang an.

Hermana Dolores Das von ihrer Ordensgemeinschaft betreute Haus in Vera Cruz liegt an der im Süden Mexikos befindlichen Bahnstrecke. Hermana Dolores und ihre zwei Mitschwestern haben sich ganz den Bedürfnissen der Migranten verschrieben, bis hin zur eigenen Bedrohung. Eine warme Mahlzeit, ein Dach über dem Kopf und wenn nötig gesundheitlichen und rechtlichen Beistand können die Migranten hier bekommen, die oft schon Wochen lang unterwegs sind. Erschöpft von der langen Reise und durch unmenschliche Behandlung gedemütigt kommen sie mit den Güterzügen, auf die sie aufspringen, bei den Schwestern an. Manchmal erreichen 2-3 mal pro Tag größere Gruppen das Heim. Nicht nur Männer sind unter den Migranten, sondern auch Frauen und Kinder, die sich auf dieser schweren Reise in besonderer Gefahr befinden. Organhandel, Vergewaltigung und Entführung bedrohen ihr Leben. Weiterlesen

Wie brutal können Gegensätze sein?

Ausblick auf Rios Zuckerhut.

Ausblick auf Rios Zuckerhut.

Brasilien ist auf dem besten Weg zu einer ernst zunehmenden Wirtschaftsmacht. Bestes Beispiel: Rio de Janeiro. Moderne Hochhausarchitektur, mehrspurige Stadtautobahnen, auf denen Autokolonnen Samba tanzen, internationale Firmenlogos, die nachts die Strassen beleuchten – schnell erkennbare Zeichen mit eindeutiger Signatur: Brasilien geht es gut. Und die Brasilianer, allen voran ihre Präsidentin Dilma Rousseff, wollen diesen Kurs verfestigen.

Aber: Wie brutal können Gegensätze sein? Da ist die saftig grüne Stadt mit Palmen, exotischen Pflanzen. Das sind Berghügel, zwischen denen sich Hochhäuser wie Schlangengewächse empor hangeln. Ein Paradies umgürtelt von einem breiten, unüberschaubaren Meer von Wellblech, den Favelas. Ohne Straßenbau, ohne Kanalisation, ohne fließendes Wasser. Was sich hier abspielt, ist weit entfernt von Großstadtromantik. Hier herrschen der Drogenkrieg, die Macht der Kriminalität und Prostitution. Eine Ordnung neben der Ordnung. Betäubende Schwüle, dröhnender Lärm aus Musikboxen, der Geruch von Alkohol, Haschisch vernebeln den Blick auf gewohnte Regeln. Weiterlesen

Bolivien: Besuch in TIPNIS

Wir werden bereits erwartet. Als das kleine Flugzeug sanft auf der Graspiste von Santíssima aufsetzt, sehen wir schon die Menschentraube. Die fünf Schwestern des peruanischen Ordens „Jesus, Verbo y Victima“ haben gut 50 Kinder aus der Schule des Urwalddorfes mit an die Landebahn gebracht. Freudiges Winken und Händeschütteln, dann klettern die Kinder schon neugierig auf den Tragflächen der Cessna herum.
Wir sind in TIPNIS, Boliviens letztem Urwaldparadies, dessen Schutz sich derzeit so viele Menschen auf ihre Fahnen geschrieben haben. Sieben Bewohner aus Santíssima haben an dem Marsch nach La Paz teilgenommen, der Präsident Evo Morales dazu gezwungen hatte, den Bau einer Fernstraße mitten durch den Park zu stoppen. Zurück sind die Helden noch nicht. Heute oder morgen wollen sie aus La Paz aufbrechen. Ihre Frauen und Kinder erwarten sie bereits sehnsüchtig. Weiterlesen

Ecuador: Mit Händen und Füßen – ein Knochenjob

¿Hablas Español? Ach ja, ich bin von Essen aus nach vielen Flugstunden in Ecuador gelandet. Vier Wochen stehen mir jetzt im „Land des Äquators“ bevor – und drei Wochen davon in einer Sprachschule. Ich wohne etwa 40 Minuten von der Sprachschule entfernt in „La Comuna“, bei den Schwestern „Hermana Inge“ und „Hermana Lourdes“. Und was ich sagen kann: Es ist wunderschön dort. Die Schwestern sind so nett zu mir, muy amable. Sie führen ein schönes Zentrum, eins für Kinder ab drei Monaten und eins für Kinder von fünf bis zwölf Jahren. Quito ist hübsch, die Menschen angenehm – nur in der Sprachschule wird meiner Meinung etwas zu viel Deutsch gesprochen. Pero es mas facil, ¿verdad?
Bei den Schwestern komme ich nur mit Spanisch weiter, das ist schon mal ganz gut. Weil mein Vokabular noch etwas klein ist, geht es auch mit Händen und Füßen. Außerdem lachen wir viel. Ich bin gespannt, was noch kommen wird… Weiterlesen