Kolumbien: Die Goldschürfer des Rio Quito

Goldwäscherin am Ufer des Rio Quito. Fotos: Jürgen Escher

Gemächlich fließt der Rio Atrato an Quibdó vorbei, der Hauptstadt des Departamento Chocó. Seine der Stadt zugewandte Hälfte ist schwarz, am gegenüber liegenden Ufer ist der Fluss ockerfarben. Unser Boot steuert quer durch den Atrato in Richtung der Quelle des ockerfarbenen Wassers: dem Rio Quito, der schräg gegenüber der Uferpromenade Malecon in den Atrato fließt.

Wir sind auf der Suche nach den Goldgräbern des Rio Quito, und das ockerfarbene Wasser ist ihre Spur. Schwimmende Goldbagger saugen den goldhaltigen Flusssand auf, lassen ihn über Lamellen laufen, auf denen das Gold hängenbleibt. Der Flusssand fließt zurück in den Fluss, der durch die Sedimente seine Farbe ändert. Folgen wir dem ockerfarbenen Wasser, finden wir die Goldbagger. Weiterlesen

Kolumbien: Rap für den Frieden

Die Alianza Urbana in ihrem Probenraum – das sind rund 20 Jugendliche, die Hip Hop und Rap mit sozialkritischen Texten auf die Bühne bringen.

Die Alianza Urbana in ihrem Probenraum – das sind rund 20 Jugendliche, die Hip Hop und Rap mit sozialkritischen Texten auf die Bühne bringen. Fotos: Jürgen Escher

Die Bässe wummern, der Beat überschlägt sich fast. Die dicken Boxen blasen den Sound durch die Straßen der Nachbarschaft. Ghettoblaster. Big Lion, Georgekin und Paola rappen in einem kleinen Schuppen am Rande von Quibdó, der Hauptstadt des Departamento Chocó. Dazu tanzen sie im besten Hip Hop Style was das Zeug hält.

Die Hälfte der Einwohner Chocós sind unter 18 Jahre alt, Jugend umzingelt vom Chaos. Schlechte Schulen, mangelnde Ausbildungs- und Arbeitsplätze, Drogen, Gewalt und Armut – die Aussichten für die nächste Generation des Departamento Chocó sind nicht gerade rosig. „Sie sind die Kraft für unser Land“ singen die Jugendlichen der Alianza Urbana über sich und ihre Altersgenossen, „und sie wollen eine Zukunft in Sicherheit.“ Weiterlesen

Guatemala: Neue Frisur in fünf Minuten

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Adveniat-Volontärin Christina Weise bekommt spontan die typische Kopfbedeckung der Ixil-Frauen. Fotos: Achim Pohl

Endlich angekommen! Nach einer dreistündigen Autofahrt, Berg rauf, Berg runter, haben wir endlich den Ort Chajul in der Region Ixil erreicht. Am Ortseingang machen wir eine kleine Pause und warten auf Padre Tomás, der uns zur Pfarrei geleiten soll. Froh, endlich die Beine vertreten zu können, steigen wir aus. Kaum stehe ich neben dem Wagen und beobachte das bunte Treiben auf der Straße, tippt mich ein Mädchen an. „Möchtet ihr Stoff kaufen?“, fragt die Achtjährige. Ich schaue meine Adveniat-Kollegin Stefanie Hoppe an und wir sagen gleichzeitig: „Porque no?“ – „Warum nicht?“ Weiterlesen

Kolumbien: Die Benzinschmuggler von Tres Bocas

Bischof Omar besucht die Familie von Alejandro Ribeiro (links) im Grenzort „Tres bocas“. Die Familie lebt vom Benzinschmuggel. Fotos: Jürgen Escher

„Se vende gasolina“. Die Straßen rund um die Stadt Tibú sind gesäumt von kleinen Holzbuden, in denen Benzin verkauft wird. Statt Zapfsäulen bekommt man den Treibstoff in ausgedienten Cola-Flaschen oder Wasser-Kanistern, und das zum niedrigen Preis.

Tibú, wo wir bei Bischof Omar Alberto Sánchez zu Besuch sind, liegt nur wenige Kilometer von der Grenze zu Venezuela entfernt. Die Urwaldwege an den Grenzfluss sind von kleinen Fördertürmen der staatlichen Ecopetrol gesäumt, Kolumbiens Ölförderer Nummer Eins. Doch durch die an den Wegen verlegten Pipelines fließt nur schweres Rohöl, unbrauchbar für das Betanken der Autos. Weiterlesen

Kolumbien: Die Geiseln der Coca

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Bischof Omar hat einen Traum: ein Coca-freies Catatumbo. Gemeinsam mit Bauern (hier im Bergdorf Pacelli) entwickelt der Bischof einen alternativen Plan zum Anbau landwirtschaftlicher Produkte in der Region. Fotos: Jürgen Escher

„Die Coca-Pflanze öffnet hier ständig neue Wege“. Omar Alberto Sánchez, Bischof von Tibú und Ende des Jahres im Rahmen der Adveniat-Jahresaktion zu Gast in Deutschland, sitzt am Steuer seines Landrovers „Hercules“. Und wundert sich. Links und rechts der Schlaglochpiste, über die wir seit Stunden hinwegrumpeln, entdeckt der Bischof neue, ihm bisher unbekannte Wege. „Wo neue Coca-Pflanzungen entstehen sollen, müssen erst mal neue Wege angelegt werden.“

Wir sind in der Region Catatumbo unterwegs, dem Einzugsgebiet des gleichnamigen Flusses an der Grenze von Kolumbien und Venezuela. Einst wurde hier Kakao, Kaffee und Zuckerrohr angebaut. Mitte der 90er Jahre hielt dann die Coca-Pflanze Einzug in die entlegene Region. Weiterlesen

Guatemala: Ein unbequemer Gast in der Mine San Rafael

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Bischof Monseñor Bernabé Sagastume zu Besuch in der Mine San Rafael in seinem Bistum Santa Rosa de Lima. Fotos: Achim Pohl

Premiere für den Bischof: Seit Jahren ist Monseñor Bernabé Sagastume einer der schärfsten Kritiker der Mine San Rafael in seinem Bistum Santa Rosa de Lima, drin war er aber noch nicht. An Einladungen hatte es nie gemangelt, bislang hatte er einen solchen Besuch jedoch vermieden. Uns Journalisten zuliebe, die wir seit Tagen in der Region zu dem Thema recherchieren, ist er nun doch mitgekommen.

Entsprechend hektische Betriebsamkeit herrscht in der Mine bei unserer Ankunft. Der Chef, der Generaldirektor, die Abteilungsleiter, sie alle wollen sich mit ihm fotografieren lassen. Und ihn von den Vorzügen ihres Projektes überzeugen. Und das passiert erst einmal mittels einer hundertseitigen Power-Point-Präsentation, die Freude eines jeden Journalisten. Zwei Stunden lang werden wir mit Fakten zugeballert, jedes Sozialprojekt, jeder Gemüsegarten und jede Kloschüssel, die das Unternehmen aufgebaut hat, ist dokumentiert. Ich sinke immer tiefer in den schweren Ledersessel. Der neben mir sitzende Lobbyvertreter überbrückt die Zeit damit, das uns angebotene Essen zu vertilgen. Staunend beobachte ich, wie der Berg an leeren Chipstüten, Käsebrotverpackungen und Kaffeebechern vor ihm immer größer wird. Weiterlesen